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Wo sonst prallen Tradition und Moderne krasser aufeinander als in Schanghai? Die Megacity des 21. Jahrhunderts ist Chinas Labor für die Zukunft – und zusehends auch ein lohnendes Ziel für Touristen
Schanghai, an der Ostküste Chinas im Deltagebiet des Yangtseflusses gelegen, ist nicht nur die größte Stadt und wichtigste Wirtschaftsmetropole des Riesenreichs, sondern seit einigen Jahren ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. So auch für eine kleine österreichische Reisegruppe, die Schanghai und das Umland erkunden will.

Reiseleiter Chang grüßt mit einem freundlichen „Ni hao“ und führt uns gleich zu einer der vielen Attraktionen Schanghais, dem Hochgeschwindigkeitszug Maglev, dem mit deutscher Technologie hergestellten Transrapid. Die rasante Fahrt mit bis zu 433 km/h vom Flughafen zum Stadtzentrum endet bereits nach sieben Minuten, wobei auf der 30 Kilometer langen Strecke die Höchstgeschwindigkeit nur knapp zwei Minuten lang gehalten werden kann, dann muss wieder gebremst werden.
Angekommen in der Wirtschaftszone Pudong, die erst in den letzten 17 Jahren aus Brachland und Reisfeldern gestampft wurde, lassen wir uns als erstes im Expresslift auf den Fernsehturm, auch „Perle des Orients“ genannt, katapultieren. Der Blick von der Aussichtsplattform in 267 Metern Höhe lässt die immensen Dimensionen dieser Stadt erahnen. Schanghai ist eine einzige große Baustelle, in der ganze Stadtteile über Nacht verschwinden. In nur fünf Jahren sind über 2000 neue Wolkenkratzer errichtet worden. Die Skyline wächst täglich und spiegelt so das Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahrzehnts wider. Aber Chinas Großfamilien werden zunehmend ein Opfer dieses Fortschritts. Mehr als 600.000 Familien mussten in den vergangenen zehn Jahren ihre Häuser in vertrauter Umgebung verlassen und in Wohnsilos an den Stadtrand ziehen.
Die Fahrt im Fußgängertunnel von Pudong zum Bund, der Uferpromenade am Huangpu-Fluss, erfolgt in computergesteuerten Kabinen, begleitet von einer futuristischen Lichtershow. Die Promenade glänzt noch heute mit Fassaden aus der Kolonialzeit, wird am Abend ziemlich kitschig beleuchtet und bietet besonders im Morgengrauen ein sehenswertes Spektakel: Hunderte, meist ältere Chinesen tanzen Walzer und Tango oder praktizieren Tai-Chi. Auch einige aus unserer Gruppe lassen es sich nicht nehmen, hier aktiv mitzuwirken. Sie bekommen ein Tai-Chi-Kostüm übergezogen und werden von einer Lehrerin in die Geheimnisse des Schattenboxens eingeweiht, wobei die ungelenken Langnasen in ihren zum Teil zu klein geratenen Gewändern sofort neugierige und amüsierte Blicke auf sich ziehen.
Feilschen wird zur Notwendigkeit
In den Straßen und Gassen hinter dem Bund herrscht großes Gedränge auf den Märkten, wo textile Massenwaren zu Schleuderpreisen abgegeben werden. Feilschen lohnt sich hier alle Mal: Der „garantiert echte“ Pashmina-Schal, für den der kecke Verkäufer anfangs noch 150 Yuan, das sind ca. 15 Euro, verlangt hatte, wechselt schließlich für fünf Euro seinen Besitzer – mit einem zweiten als Draufgabe. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass das Rohmaterial für das gute Stück je die Brust einer Kaschmirziege verlassen hat.
Nicht weit entfernt befinden sich die Ladengassen des Viertels Lishui Lu. Hier spielt sich das Leben noch auf der Straße ab, gekocht wird auf dem Gehsteig, vor allem Tang Mien, die traditionelle Nudelsuppe. Inmitten dieses Durcheinanders aus Läden und Restaurants liegt als ruhige Oase der Yu-Garten, eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt, die allerdings besonders an den Wochenenden sehr stark von Touristen und Einheimischen frequentiert wird.
Allein die Menge der Restaurants in Schanghai mit ihrer Vielfalt an kulinarischen Köstlichkeiten wäre schon fast eine Reise wert. Auch die guten Gourmettempel der Stadt müssen nicht immer teuer sein. Das „South Beauty“ mit vorzüglicher kantonesischer Küche zum Beispiel bietet nicht nur einen fantastischen Ausblick über den Fluss auf Pudong, sondern bereits ab 20 Euro ein komplettes Menü mit allem, was die vielfältige chinesische Küche so bietet.
Mutige Feinschmecker wagen sich auch an die scharfe Szechuan-Küche – obwohl Entenfüße, -innereien und -köpfe naturgemäß nicht jedermanns Sache sind.
Wir haben Glück und werden nach dem obligaten Kalligraphiekurs, bei dem es auch galt, das Wort „Glück“ in chinesischen Schriftzeichen zu malen, zum Essen bei einer typisch chinesischen Familie – einer Vorzeigefamilie sozusagen – eingeladen. Familie Mei, gehobener chinesischer Mittelstand, residiert in einem der Wohntürme etwas außerhalb des Zentrums im 21. Stock. Herr Mei, das Oberhaupt der Familie, begleitet uns zuerst zum Einkaufen auf den nahe gelegenen Markt, anschließend wird gekocht, wobei die Damen aus Österreich zuerst ungläubige, dann anerkennende Blicke der Gastgeberin für ihre Künste am Herd ernten.
Es gäbe noch viele weitere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen in Schanghai: den Platz des Volkes, die Prachtstraße Nanjing Lu mit ihren Einkaufstempeln, das Shanghai Museum, den Jade-Buddha-Tempel und vieles mehr. Wen es abends nicht in eine der vielen Kneipen, Bars und Diskotheken zieht, dem sei ein Besuch der Shanghaier Zirkuswelt empfohlen, in der die Vielfalt chinesischer Akrobatik gezeigt wird.
Wir haben aber genug vom Großstadttrubel und machen uns auf den Weg nach Zhouzhuang, dem „Venedig des Ostens“, um auf den Wasserstraßen mit kleinen Booten die berühmteste unter den Gemeinden in der südchinesischen Flusslandschaft mit ihren teils über 1000 Jahre alten Häusern zu erkunden.
Veranstalter: Der „China Städtecocktail“ von Geo Reisen beinhaltet neben Schanghai auch Peking und Hongkong. Die 13-tägige Reise vom 26. April bis 8. Mai oder 7. bis 19. September 2007 kostet ab 2750 Euro pro Person. Infos und Buchung unter www.geo.at und in Geo-Geschäftsstellen, Infohotline 0800/808 808.
Beste Reisezeit: im Mai, Juni oder September bis November.
Währung ist der Renminbi Yuan. Für einen Euro erhält man derzeit ca. 10 Yuan.
Autor: Herbert Hilzensauer
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