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Reiseberichte

Legoland in der Ägäis
3. Februar 2007
Typisch für Chalki und Symi sind bunte Häuser in neoklassischem Stil - die Bauweise entwickelte sich, als die Inselbewohner von der Schwammtaucherei gut leben konnten. Das ist vorbei, doch heute gibt es dank des Tourismus wieder einen Aufschwung.

Was Ballermann heißt, das weiß Takis Chrisovergis wie kein anderer. Er hat lange Jahre als gefragter Discjockey gejobbt, in den touristischen Hotspots Faliraki, Santorin und Rethymnon und auch in Großbritannien und Schweden. Eines Tages, Chrisovergis ging schon in Richtung Vierzig, musste Schluss sein mit den Feierabenden um sechs Uhr morgens, und da beschloss er, wieder in seinem Geburtsort, dem Hafenstädtchen Emborió auf der Insel Chalki, zu leben.

Stimmungskanone Chrisovergis kandidierte für die PASOK und wurde Vizebürgermeister von Emborió - und weil das der einzige Ort auf Chalki ist, ist er eben für die ganze Insel zuständig. Chalki ist eine felsige Dodekanes-Insel, rund 40 Kilometer westlich von Rhodos gelegen. Die Fähre aus Rhodos (Abfahrt bei Kamiros Skala) legt ein Mal am Tag in Chalki an und fährt erst am nächsten Tag wieder zurück. Wer das kleine Eiland besichtigen will, muss also eine Übernachtung einplanen. Ein paar tausend Touristen pro Jahr bleiben länger - die Insel ist seit Anfang der 80er Jahre ein Geheimtipp für Individualisten. Und das wird es auch bleiben, denn die Verhinderung von Ballermann gehört zum Programm von Bürgermeister Chrisovergis.

Ruhe gibt es hier, smaragdfarbenes Wasser, den Sandstrand Pondamos Beach, eine versteckte Ruinenstadt, ein einsames Kloster und Emborió, eine Kulisse aus bunten Giebelhäusern, deren Kompaktheit der Notwendigkeit gehorcht, erdbebensicher zu bauen.

Die Hafenbucht von Embo-rió mit ihren Fischerbooten ist dem Briten Ian Murdoch im Jahr 1980 wie der Inbegriff eines touristischen Traumzieles erschienen, seither kauft seine Gesellschaft "Laskarina Holidays" nach und nach verfallende Häuser auf, saniert sie im inseltypischen, das heißt im neoklassizistischen Stil und richtet Appartements darin ein. Bürgermeister Chrisovergis weiß nur zu gut, dass nur der Tourismus das wirtschaftliche Überleben der Insel und ihrer 290 Einwohner garantiert. Er weiß aber auch, dass die Kapazität begrenzt ist, allein schon wegen des fehlenden Wassers, das aus Rhodos per Tankschiff importiert werden muss. Nur einen einzigen kommunalen Hotelbau werde es noch geben, sagt er, dann sei mit 900 Fremdenbetten die Obergrenze erreicht.

Fremdenverkehr als Rettung

Der sanfte, autolose Fremdenverkehr fing die ärmste der besiedelten Dodekanes-Inseln im freien Fall auf. Durch das Aufkommen des Synthetikschwamms ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts waren die von der Schwammtaucherei lebenden Chalkioten in die Krise geschlittert, die meisten der 7000 Einwohner wanderten nach Florida aus. Bei der Ankunft Murdochs gab es in ganz Chalki nur mehr 180 Insulaner.

In einer ähnlichen Situation befand sich die etwas größere, nördlich von Rhodos gelegene Insel Symi - auch diese ehemalige Schwammtaucher- und Händlerinsel war im wirtschaftlichen Niedergang und wurde erst Anfang der achtziger Jahre von Rucksacktouristen für den Fremdenverkehr entdeckt.

Das stark zerklüftete Symi fährt man direkt von Rhodos-Stadt aus per Tragflügelboot an. Wenn der röhrende, von einer russischen Werft gebaute "Hydrofoil" in den Hafen von Symi einfährt, eröffnet sich am Ende einer tief eingeschnittenen Bucht eine der schönsten Stadtansichten der Ägäis. Unterhalb einer verfallenen Johanniterburg wuchert die Stadt, die ineinander verschachtelten Häuser in neoklassizistischem Stil wirken wie aus bunten Legosteinen zusammengesetzt oder als ob der holländische Grafiker M. C. Escher die Hand im Spiel gehabt hätte; die dominierenden Farben sind weiß, beige, schokoladenbraun und gelb. Kein Wunder, dass hier gerne Aquarellmalkurse angeboten werden.

Bei Skippern und Kreuzfahrern ist der Hafen von Symi außerordentlich beliebt, weil er nur einen Katzensprung von der türkischen Küste entfernt ist und die Stadt Banken, Restaurants und Bars zu bieten hat. Außerdem ist das Klima der Insel außerordentlich günstig: Bis in den späten Herbst hinein ist es hier wärmer als überall sonst in Griechenland. Wer in Symi ein festes Logis bezieht, wird die Kafénions der Stadt ebenso schätzen wie die Möglichkeit, einsame Kieselstrände per Taxiboot anzufahren oder zu wandern.

Ein Wanderziel etwa ist das dem Erzengel Michael geweihte Panormitis-Kloster an der gleichnamigen Bucht im Westen der Insel. Es ist der wichtigste Wallfahrtsort im Dodekanes. Wie in allen Klöstern in Griechenland wird die "philoxénia" gegenüber allen Arten von Pilgern hochgehalten - ein Zimmer ist hier immer zu haben und die erste Nacht ist sogar kostenlos. Wer will, kann eine milde Gabe in einer Flasche verschließen und diese bei der Rückfahrt nach Rhodos dem Meer übergeben. In Symi heißt es, dass jede an das Panormitis-Kloster adressierte Flaschenpost irgendwann einmal vor die Pforte gespült wird.

Auskunft: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Opernring 8, 1010 Wien, Tel.: 01/512 53 17–18, E-Mail: grect@vienna.at, www.gnto.gr.

Anreise nach Rhodos  mit  Lauda Air, Infos und Buchung im  Reisebüro, unter Tel.: 0820/320 321 oder auf www.laudaair.com.

Chalki und Symi sind von Rhodos aus per Schiff zu erreichen. Unterkünfte  in Chalki sollte man rechtzeitig  reservieren, da die Insel während der Sommermonate fest in britischer Hand ist. Buchung  auf www.chalki.gr. Dasselbe gilt für Symi: www.symi.gr. Im Internet fínden Sie auf den Seiten der Inseln auch die Schiffsverbindungen.

Beste Reisezeit ist zwischen April und Oktober.

Autor/Autorin: GERT DAMBERGER

diese seite | 05.02.2007 | 11:04

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