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Die meisten kennen sie nur noch als Müsli. Dabei ist die Schneekoppe der beherrschende Berg in der besten und größten Wintersportregion Osteuropas: dem Riesengebirge. Hier lernten bereits Gerhart Hauptmann und Thomas Mann das Skifahren.
Die Eisenbahn war Schuld: Sie machte gegen Ende des 19. Jahrhunderts das schlesische Glasbläserdorf Schreiberhau zum Trendreiseziel begüterter Deutscher. Fabrikanten aus Breslau, Dresden und Berlin bauten sich im Zackental ihre Villen. Schon 1902 gab es auch Ski-, Bob- und Rodelpisten. Zu dieser Zeit entwickelte sich das heutige Szklarska Poreba (sprich: Schklarska Poremba) zur Künstlerkolonie. Der spätere Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann siedelte sich mit seinem Bruder Carl hier an. Heute beherbergt das "Schreiberhäusl", wie die Brüder ihr Haus nannten, ein Museum. Kaum zu überbieten ist die prächtige Landschaft rundherum.
Ein paar Kilometer weiter östlich, direkt unter der Schneekoppe, liegt Karpacz (Krummhübel). Die polnische Antwort auf Davos ist nach schwierigen Jahren heute wieder eine Postkartenschönheit: Entlang der zentralen Dorfstraße findet man Pensionen, die Kirche, zahlreiche Restaurants und sogar einen imposanten Wasserfall. Drum herum lugen Villenviertel vom Ende des 19. Jahrhunderts mit verschneiten Ziegeltürmchen aus dem Wald.
In den oberen der fünf Ortsteile zeigt sich dörfliches Idyll, allerdings stören noch einige für immer geschlossene Hotels. Architektonisches Schmuckstück von Karpacz ist die Stabholzkirche Wang im Ortsteil Brückenberg. Dieses Gotteshaus stammt eigentlich aus Norwegen. Als es dort abgerissen werden sollte, kaufte Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1841 das mit zahlreichen Holzschindeln verzierte Kleinod der skandinavischen Holzbaukunst, ließ es abtragen und dort neu aufbauen. Heute glänzt das Kirchlein in restaurierter Pracht.
Auch skitechnisch will das polnische Riesengebirge wieder anknüpfen an die großen Zeiten vor dem Ersten und vor dem Zweiten Weltkrieg. Da zahlreiche Hotels sind gut erhalten geblieben sind, dazu die Lage vier Autostunden entfernt von Berlin stimmt, gelingt das schon jetzt immer besser - vor allem in Schreiberhau. Die modernen Liftanlagen dort haben einen einfachen Hintergrund: Nach 1990 engagierten sich die Arlberger Bergbahnen aus Tirol und brachten die Liftanlagen am Szrenica (Reifträger) auf Vordermann. 2001 wurden die Lifte noch mal runderneuert. Inzwischen ist die Skiarena Szrenica mit ihren langen, größtenteils beschneiten Abfahrten das attraktivste Skigebiet Polens und eins der reizvollsten Osteuropas - nur 70 Kilometer hinter der deutschen Grenze.
"Lolobrygida" mit verlockenden Kurven
Herzstück ist die Doppelsesselbahn, die von Oberschreiberhau-Marienthal in zwei Sektionen zum Gipfel führt. Von der Mittelstation ins Tal schwingt die einzige einfache Piste "Puchatek", auf der auch abends das Flutlicht eingeschaltet wird. Von der Gipfelstation bleibt die Wahl zwischen der schwarzen FIS-Abfahrt links oder der roten "Lolobrygida" rechts mit ihren tatsächlich verlockenden Kurven; 4,4 Kilometer Länge machen sie zur längsten Piste ganz Polens.
Bei großem Ansturm oder wenn in den Tallagen der Schnee schmilzt, dreht man gern noch ein paar Runden am Gipfelschlepper oder entlang der beiden Liften der Hala Szrenica ganz rechts. Ein Geheimtipp bleibt die Bystra-Abfahrt, zu der man vom Gipfel etwa zwei Kilometer Richtung Baude und dann Schneegruben marschieren muss. Der Schlepper Labski Szczyt (Veilchenspitze) wird nur selten angeschaltet, so dass meistens eine prima Freeride-Piste entsteht.
In Karpacz (Krummhübel) gibt es fast ein Dutzend "Skigebiete" verstreut übers ganze Stadtgebiet. Die meisten bestehen aus nicht mehr als einem Hügel und einem Lift. Einziges größeres Gebiet sind die Skihänge an der Mala Kopa (Kleinen Koppe). Eine nostalgische Einzelsesselbahn schwebt innerhalb von 20 Minuten bergauf. Wem das an schattigen Wintertagen zu kalt wird, der kann die Kuppe auch mit der parallelen Liczykrupa-Doppelsesselbahn und den folgenden schnelleren Tellerliften erreichen. Ein kleiner Abstecher von der sanft geneigten Hauptabfahrt schafft den Zugang zum Hang gegenüber, wo zwei Skilifte den 1252 Meter hohen Berg Zlotówka erschließen. Von beiden Gipfeln öffnet sich ein herrlicher Blick auf die weiße Pyramide der Schneekoppe, deren polnischer Name Sniezka auch der offizielle des Kopa-Skigebiets ist.

Doch wer ins polnische Riesengebirge kommt, der wird nicht nur Alpinski dabei haben. Die Langlaufmöglichkeiten hier sind einfach zu gut: Berühmt ist die Skitour vom Reifträgergipfel über den kahlen Kamm des Riesengebirges bis zur Schneekoppe. 17 Kilometer gilt es zu überwinden; von der Bergstation der Mala Kopa in Karpacz verkürzt sich die Strecke auf etwa eine Stunde. Und landesweit pilgern die Langläufer nach Jakuszyce (Jakobstal). Etwa acht Kilometer von Szklarska Poreba entfernt hat sich dort ein Top-Langlaufzentrum entwickelt, insgesamt hundert Kilometer gespurter Loipen führen bis in tausend Meter Höhe. Die Strecken sind mit dem Loipennetz auf der tschechischen Seite verbunden. Nach den sportlichen Mühen lohnt eine andere Entdeckung: Après-Ski auf Polnisch hat kaum etwas gemeinsam mit den Alkohol- und Discoexzessen österreichischer Skihütten.
Über Karpacz lockt eine Viertelstunde von der Sesselbahn-Bergstation die Schlesierbaude mit herzhaften Bergsteigermahlzeiten. Spartanisch, aber beliebt ist die Hampelbaude am Zlotowka-Lift. Im Schreiberhauer Gebiet zaubert rund um die Kamiencyk-Hütte rechts von den Hala-Szrenica-Liften der Winter fantasievolle Eisgebilde aus den Krüppelkiefern. Und unten im Ort bewirtet gar ein schottischer Weltenbummler die Gäste: Scots heißt das original British Pub von Roger Anderson. Wenn ihm danach ist, spielt er gern für die Gäste Dudelsack.
AUSKÜNFTE Tourismusinformation PL-58-540 Karpacz, ul. Konstiytucji 3 Maja 25a, Tel. 0048/75/7618605, Fax 7619716, E-Mail: it@karpacz.pl, Internet: www.karpacz.pl; Tourismusinformation PL-58-580 Szklarska Poreba, ul. Pstrowskiego 1, Tel. 0048/75/7172449, Fax 71772494, E-Mail: it@szklarskaporeba.pl, Internet: www.szklarskaporeba.pl
Autor/in: HANS-WERNER RODRIAN
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