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Reiseberichte

Himalaya-Träume
5. Jänner 2007
Nepal ist die Heimat der hohen Berge. Es sind aber nicht nur die 8000er, die im Himalaja faszinieren, sondern auch eine einzigartige Kultur.

Der ältere Mann, der vor seiner Lodge steht, ist klein und schmächtig. Die Wanderer, die um ein wenig zu verschnaufen, ihre Rucksäcke kurz abgestellt haben, kommen  mit ihm ins Gespräch. Er beherrscht einige Brocken Deutsch. Vor allem die Namen, die er während der Unterhaltung  immer wieder nennt, lassen die Touristen aufhorchen, etwa der des italienischen Extrembergsteigers Reinhold Messner oder der des Österreichers Peter Habeler. Kasi, der einheimische Führer der Gruppe, vermittelt. So stellt sich rasch heraus, dass Pasang Temba Sherpa ein bekannter Bergsteiger ist.  Er stand   mehrmals auf dem höchsten Gipfel der Welt. Und er war mit dabei als Messner und Habeler als erste Menschen den Everest ohne die Hilfe von künstlichem Sauerstoff bestiegen.

Wer in der Solu-Khumbu-Region, einem der bekanntesten Wandergebiete Nepals unterwegs ist, der trifft  immer wieder Männer, aber auch Frauen, für die die Wege auf die höchsten Berge der Welt zum Alltag gehören. Schließlich führt  die Route zum  Mount Everest durch diese Region. Der Ama Dablam,  für viele Alpinisten einer der schönsten Berge der Welt, ist ebenfalls durch dieses Tal zu erreichen. Es ist vor allem die Anziehungskraft der 8000er, die die Touristen ins Solu-Khumbu lockt. Den Everest mit eigenen Augen zu sehen, das Basecamp zu besuchen und die Alpinisten bei ihren Vorbereitungen für den Aufstieg zu beobachten, ist ein Traum, den sich Bergbegeisterte ein Mal in ihrem Leben erfüllen wollen.

Wer im Solu-Khumbu unterwegs ist, für den heißt es zuerst einmal  fliegen. Von der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu aus, bringen Fluggesellschaften wie Yeti-Air oder Buddha-Airlines  die Touristen in kleinen Maschinen nach Lukla.  Die Landebahn, die dort auf die Flieger wartet,  ist die erste Sehenswürdigkeit der Region. Sie ist bergauf angelegt. Vor allem beim Start sorgt das  für einigen Nervenkitzel, denn dann geht es nicht nur mit voller Geschwindigkeit abwärts, sondern wenige Meter hinter dem Ende der Piste bricht das Gelände noch dazu steil ab.

Lukla ist der Ausgangspunkt für die Treks zu den hohen Himalaja-Bergen. Bei einem Spaziergang durch den Ort ist das nicht zu übersehen. In allen Geschäften wird Bergsteiger-Outfit angeboten. Dass die Markenprodukte, die es dort zu erwerben gibt, derart billig sind, hat einen simplen Grund. Es handelt sich um gefälschte Markenware, die hauptsächlich aus China stammt.

Mit heimischen Führern und einigen Tragetieren, die den Großteil des Gepäcks transportieren, führt der Weg von Lukla dann den „Everst Highway“ entlang, nach Monjo, Namche Bazar, Tashinga oder Pangpoche, zum Basislager des Everest oder des Ama Dablan. Dabei begleitet die Wanderer das gewaltige Panorma des Himalaja, vom Kongde angefangen bis zum Tramserku, vom Nuptse bis zum Khumbila. Täglich rückt der Mount Everest, mit seiner typischen Gipfel-Schneefahne, der Lothse und das Ama Dablam näher. Aber nicht nur die 7000 und 8000er geben dem Trekking im Solu-Khumbu seine spezielle Atmosphäre, sondern auch die Ruhe, die einen umgibt. Im Solu-Khumbu gibt es keine Autos, keine Mopeds, nicht einmal Fahrräder. Wer hier unterwegs ist, der ist auf  seine eigenen Füße angewiesen. Alle Waren müssen getragen werden. Hunderte Menschen sind täglich unterwegs, um die Versorgung sicherzustellen. Von Holzbalken bis zu Gasflaschen, von Lebensmitteln bis zu Kochtöpfen tragen  Männer und Frauen alles auf ihren Rücken,  was  in der Region benötigt wird. Der einzige Verkehrslärm, der ab und zu zu hören ist, ist der von Hubschraubern. Vor allem Touristen nutzten diese Segnung der Technik. So gibt es in der Nähe von Pangpoche eine Lodge, die vor allem von Japanern besucht wird, die sich so den Weg durch das Tal ersparen, und trotzdem einen Blick auf den Everest  werfen können.

Draußen ist es bitterkalt. Im Aufenthaltsraum der Lodge steht ein  Kanonenofen. Seine Wärme macht es den Wanderern, die ihre müden Beine von sich strecken, behaglich.  Mit einem Glas Himalaja-Punsch, dessen Hauptzutat der ausgezeichnete nepalesische Khukri-Rum ist, sorgen die Gäste zusätzlich für ein wenig Wärme von innen. Die Fotos, die an den Wänden der Unterkunft hängen, erzählen von der Faszination der 8000er und wie sie das Leben der Sherpas beeinflussen, die im Solu-Khumbu ihre Heimat haben. Die Bilder vermitteln etwa die Geschichte von Appa Sherpa, der mehr als zehn Mal den Mount Everest bestiegen hat oder von Pumba Doma Sherpa, der ersten Nepalesin auf dem Everest.

Wer im Solu-Khumbu unterwegs ist, der erlebt aber  weit  mehr  als die Berge des Himalaja. Er wird mit einer Kultur konfrontiert, die Mitteleuropäern fremd ist,  mit dem Buddhismus. Gebetsfahnen, riesige Steinmauern, auf denen Gebetssprüche geschrieben sind, Brücken, die mit Glücksschals behängt sind, begleiten die Wanderer auf ihrer Reise. Wer nicht links an den Manisteinen oder den Stupas vorbeigeht, der wird von den Führern sofort darauf hingewiesen, dass er einen Fehler begangen hat. So mancher wurde schon zurückgeschickt, um religiös korrekt diese buddhistischen Wahrzeichen zu passieren. Entlang des Weges stehen bedeutende Klöster, wie etwa jenes in Tengpoche, das in der Tradition des tibetanischen Buddhismus steht. Vor wenigen Jahren durch ein Feuer zerstört, wurde es originalgetreu wieder aufgebaut. Wer glaubt, dass es die Bewohner des Khumbu mit dem Buddhismus nicht so genau nehmen, der sollte versuchen eine Audienz bei dem Vorsteher dieses Klosters zu bekommen. Wer sieht, wie sich die meisten Einheimischen vor ihm auf die Erde werfen, dem wird schnell klar, welche wichtige Rolle die Religion in dieser Region spielt.

Aber nicht nur der Buddhismus hat im Solu-Khumbu eine enge Verbindung zu Tibet. Die Sherpas stammen ursprünglich aus dem östlichen Teil des nördlichen Nachbarlandes Nepals. Der Name Sherpa bedeutet nichts anders als „das Volk aus dem Osten“. Vor etwa 500 Jahren kamen sie ins Khumbu. Als die Europäer darangingen, die höchsten Berge der Welt zu besteigen, wurden sie ursprünglich als Hilfskräfte eingesetzt. Mit der Zeit lernten sie das alpinistische Handwerk, wurden Bergführer und Hochträger. Als normale Träger arbeiten die Sherpas schon lange nicht mehr. Wenn sie heute aktiv sind, dann als Führer und Organisatoren von Expeditionen. Wobei es in den vergangenen Jahren mit dem Geschäft eher schlecht aussah. Schuld daran war der Bürgerkrieg, der in Nepal zwischen der Armee und den Maoisten tobte. Viele Touristen verschoben aus Vorsicht ihre Reise. Nun, da es ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Guerillas gibt, hofft die Tourismuswirtschaft dass viele Europäer ihre verschobene Reise nach Nepal nachholen.

DATEN & FAKTEN
Der DAV Summit Club 
(www.dav-summit-club.de) bietet weltweit Berg- und Kulturreisen an. Auch in Nepal ist der Summit Club aktiv. Das Angebot reicht vom Zelt- bis zum  Lodgetrekking. Der Summit Club bietet seit Kurzem  im Solu-Khumbu ein so genanntes Komforttrekking an. Herzstück dieses Angebotes sind die Everest Summit Lodges, der nepalesischen Firma Intrek. Diese Lodges wurden in den vergangenen Jahren gebaut bzw. erneuert. Sie bieten den Wanderern ein für Nepal äußerst komfortables Ambiente, angefangen von Doppelzimmern mit Bad inklusive warmen Wasser bis zum ausgezeichneten Essen. Durch diese Lodges kann der DAV Summit Club zum einem die Wandersaison in Solu-Khumbu verlängern, zum anderen hofft er auf neue Gästeschichten. Vor allem Wanderer, die es nach einem anstrengenden Tag am Abend gerne gemütlich haben, sollen angesprochen werden.

Autor/in: Alfred Pfeifenberger

diese seite | 04.01.2007 | 10:00

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