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Malawi gehört zwar zu den ärmsten Ländern Afrikas, doch seine atemberaubenden Naturschönheiten sind eine Reise wert.
Zweieinhalb Stunden von Johannesburg geht der Airbus 319 auf der großräumigen Runway von Lilongwes „Kamuzu International Airport“ nieder. Ein überdimensioniertes Terminalgebäude, mit dem sich Malawis erster Präsident ein Denkmal setzte, wartet auf zu wenig Gäste, auf weitläufigen Betonflächen parkt verloren ein Dutzend Light Aircraft.
Umsteigen in eine zweimotorige Barron Beechcraft, die Buschpilot Louis Steyl nach einer knappen Stunde auf einer staubigen Piste bei Cape Maclear aufsetzt. Dort wartet das Boot. Lake Malawi (Fläche: 55 Mal so groß wie der Bodensee) ist mit durchschnittlich 292 Metern Tiefe, glasklarem Wasser und großem Fischreichtum ein Süßwassereldorado für Schnorchler und Taucher, mit zahlreichen idyllischen Inseln bestückt und von imposanten Bergketten umgeben, an deren Hängen gerade wilde Buschfeuer lodern.
Wer auf Mumbo Island erwacht, findet den Weg zur Hängematte auf seiner hölzernen Zeltplattform ganz automatisch; zwischen rundgeschliffenen, mächtigen Felsblöcken auf Stelzen in schwindelnde Höhen gesetzt, kleben sechs Domizile in Traumlage wie Schwalbennester über dem spiegelglatten See. Bucket Shower als spezielles Duscherlebnis, Biogemeinschaftstoilette (ohne Spülung) und Petroleumlampen als Leuchtmittel in dunkler Nacht mindern das einzigartige atmosphärische Ambiente des kleinen Camps nicht, das mit seinem Naturparadies ein beinahe unwirkliches Seemärchen auf die Bühne bringt.

Nachdem der britische Forschungsreisende Dr. David Livingstone Lake Malawi entdeckt hatte, reisten in seinem Gefolge Missionare an, die sich auch auf Likoma Island, dem historischen Prachtstück unter den Seeinseln, ansiedelten. 1903 begannen die Anglikaner, auf dem abgelegenen Eiland eine gewaltige Kathedrale zu bauen, die sich an Größe mit Londons Westminster Abbey messen kann.
Louis zieht die Beechcraft in einer Landeschleife nahe am Kirchenschiff vorbei, das unwirklich aus der winzigen Fläche des malerischen Seearchipels ragt, dessen knapp zwanzig Inseln sich auf eine Fläche von 19 Quadratkilometern verteilen.
Wie ein spannender Abenteuerroman liest sich die Geschichte von St. Peter’s Cathedral, wobei die Protagonisten wegstarben wie die Fliegen, bevor ihr Kapitel richtig begann, wovon zahllose Inschriften auf hölzernen Wandtafeln im neugotischen Gotteshaus zeugen. Die Liste der kurzlebigen Missionare ist endlos. Stolz führt Vincent Saulie, der betagte „Keeper“ St. Peter’s, die Insignien des Bischofs, das mechanische Läutwerk im Glockenturm und bleiverglaste Fenstermalereien vor. Blauweiß gekleidete Nonnen wandeln im Kirchhof.
Eine Mission anderer Art haben Andrew Came (36) und William Sutton (34) aus Oxford erfüllt, als sie vor zehn Jahren damit begannen, die erste und einzige Herberge auf Likoma zu bauen, die Luxuslodge „Kaya Mawa“: Als wagemutige Visionäre, gegen jede Vernunft und alle Hürden einer fernen, aber sehr wirksamen Hauptstadt-Bürokratie. Dafür mit handfester Unterstützung der 6000 Einwohner zählenden Inselgemeinde und dem Segen St. Peter’s. Das architektonisch bemerkenswerte Inselressort zählt ein knappes Dutzend Suiten, verteilt auf Mini-Inseln und Landzungen, durch Hängebrücken und Stege mit der Hauptlodge verbunden, aus geschmackvoller Natursteinarchitektur zwischen mächtigen Baobab-Bäume, Fels- und Sandbuchten gesetzt. Das Abenteuer der Bauphase ist eine buchfüllende Geschichte. Wer tut sich das hier, auf dieser entrückten Seeinsel, die nur zwei Mal pro Woche von einem Versorgungsschiff angelaufen wird, freiwillig an? Diana Barlow aus dem Elsass hat sich sofort in die ungewöhnliche Robinsonade verliebt und ist nun verantwortlich für Kaya Mawas exquisite Cuisine. „Ein Traum“, sagt sie. „Die hatten diesen Traum von Afrika.“
Artenvielfalt in den Nationalparks
Malawi kann auch mit echter Wilderness protzen. Zum Beispiel auf dem Hochplateau des Nyika National Park, wo nicht nur Leoparden um die rustikale Mountain Lodge Chelinda und durch dichte Tannenwälder pirschen. Nach spektakulären Aussichten auf die wilden Gebirgsketten Mozambiks zieht die Zweimotorige über Mumbo Island hinweg und setzt im Tiefflug über dem Shire River zur Landung auf dem schmalen Airstrip der Mvuu Lodge an; unten sind Krokodile an den Flussufern zu sehen sowie plantschende Hippos und Elefanten.
Hier, am südlichen Zipfel des Sees, im Liwonde National Park, wimmelt es nur so von Wildlife, und seit einigen Jahren hat ein Einwilderungsprogramm sogar die seltenen Spitzmaulnashörner zurück gebracht. Im Morgengrauen präsentiert die Lodge, zwischen dschungelartig verwachsenen Wasserarmen des Shire die Stunde der Vögel: Gellende Schreie durchtrennen die Stille, andere proben mit dumpfen, hohlen Tönen unermüdlich die Tonleiter von oben nach unten, glasklares Pfeifen, ein Schnappen und Klatschen im Wasser, heftiges Flügelschlagen und ein Gezeter: ein potenzielles Opfer nochmal knapp entwischt? Krokodile bewegen sich hier auf Augenhöhe mit den Gästen, die keine Abzäunung von den bis zu sechs Meter langen Muskelpaketen trennt.
Louis fliegt für Nyassa Air Taxi, eine Chartergesellschaft, die Bruno Kloser und Ehefrau Heidi aus Hard am Bodensee mit europäischer Gründlichkeit aufgebaut haben. Seit Jahrzehnten sind die Klosers in dieser anderen Welt zu Hause; zwei ihrer drei Kinder sind in Malawi geboren. Der Vorarlberger, österreichischer Honorarvizekonsul und Inhaber der malawischen Siemens-Vertretung: „In die Heimat zieht’s uns eher selten.“
DATEN & FAKTEN Veranstalter: Geo Reisen bietet vom 24.7. bis 8.8.2007 eine außergewöhnliche zweiwöchige Malawi-Reise an. Pater Thomas Lang zeigt Land und Leute und ermöglicht tiefe Einblicke in das Leben der Bevölkerung. Preis ab/bis Lilongwe 1550 Euro p. P. im DZ (zzgl. tagesaktueller Flugpreis Österreich–Lilongwe). Buchbar bei Geo Reisen und im Internet unter www.geo.at (kostenlose Hotline 0800/808 808).
Gesundheit: Impfschutz gegen Hepatitis A Malariaprophylaxe werden empfohlen.
Klima: Regenzeit von November bis März. Im Winter von Mai bis Juli trocken.
Autor/in: Roland F. Karl

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