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Reiseberichte

Sieben Tage in Tibet
16. Dezember 2006
Man muss es nicht Heinrich Harrer gleichtun und sieben Jahre in Tibet bleiben. Auch eine wesentlich kürzere Zeitspanne reicht, um vom Reiz dieses einzigartigen Landes verzaubert zu werden, das touristisch noch weitgehend unberührt ist.

Die neue, spektakuläre und gleichzeitig höchstgelegene Eisenbahnstrecke der Welt  sorgt für eine bessere Erreichbarkeit von Lhasa.

Man kann sich nicht dagegen wehren, man kann sich nicht darauf vorbereiten und niemand weiß, wen sie treffen wird: Reisende, die Tibet besuchen, können nur hoffen, dass sie von der Höhenkrankheit verschont bleiben. Aktive Vorbeugung dagegen gibt es  nämlich nicht. Aber die Städte und Sehenswürdigkeiten liegen nun einmal zwischen 3700 und 5000 Metern Seehöhe.

Und so ist es kein Wunder, wenn am Tag 1 die halbe Reisegruppe den Vormittag lieber im Hotelbett verbringt, als sich über viele Stufen den Gebetsstätten  im Kloster Tashilumpo, dem Sitz des Panschen Lama, zu nähern. Schade, denn das ist schon einer der Höhepunkte einer Tibetreise. Shigatse heißt die Stadt des zweithöchsten religiösen Führers der Tibeter mit rund 350.000 Einwohnern, erreichbar in vier Autostunden von der Hauptstadt Lhasa aus.

Den „Highway“, der bis Nepal führt, haben ebenso die Chinesen gebaut wie die neue Eisenbahnstrecke, die im Sommer 2006 eröffnet wurde. Sie verbindet Peking via Golmud mit Lhasa und ist die höchstgelegene Eisenbahnstrecke der Welt. Der höchste Punkt liegt auf 5200 Metern.

Kein Wunder, dass auch hier die Sauerstoffversorgung für die Reisenden  ein wesentliches Anliegen ist. In die Waggons wird zusätzlicher Sauerstoff eingeblasen, wenn sich der Zug seinem „Gipfel“ nähert, kann jeder Passagier direkt an einer „Steckdose“ Sauerstoff atmen.

Lhasa liegt auf 3700 m, Shigatse auf 3900 m. Die Höhenkrankheit ist eindeutig der Wermutstropfen einer Tibetreise. In Tibet selbst gibt es diverse Kräutersubstanzen und Sauerstoffsprays, um dem Besucher  den Aufenthalt möglichst bequem zu machen.

Abgeschiedenheit prägt das Land

Die Jahrhunderte dauernde Abgeschiedenheit Tibets hat ebenso dazu geführt, dass sich dort eine spezielle Kultur und Religion entwickeln konnte wie die Tatsache, dass auch mit modernen Verkehrswegen das Land weiterhin schwer zugänglich bleibt.

Als Europäer benötigt man nicht nur ein Einreisevisum nach China, sondern auch eine spezielle Aufenthaltsgenehmigung für Tibet. Diese wird nicht automatisch vergeben. Leichter fällt die Einreise daher immer innerhalb einer Reisegruppe. Zwar kann Tibet auch individuell entdeckt werden, vorher muss aber ein exakter Reiseplan bekannt geben werden, der auch genau eingehalten werden muss.

Deshalb ist das Reisen mit einer Gruppe einfacher, denn so gibt es auch leichteren Zugang zu manchen Sehenswürdigkeiten. Denn die Besucherzahl etwa des Potala-Palastes ist limitiert. Reisegruppen kommen leichter in den Palast, Einzelreisende müssen sich am Vortag lange anstellen ohne zu wissen, ob sie auch tatsächlich eine Eintrittskarte bekommen werden.

Die außerordentliche Atmosphäre von Tibet entsteht einerseits aus der Lage  inmitten des Himalaja-Massivs. Die karge Landschaft ist sehr wasserreich, viele der großen Flüsse Asiens entspringen hier. So begleitet einem  auf der Strecke von Lhasa nach Shigatse der Brahmaputra, der hier noch ein schmaler Fluss ist.

Andererseits fasziniert – sozusagen als Kontrast zur Landschaft – die Buntheit und der  Prunk des tibetischen Buddhismus. Tonnenschwere Statuen mit Gold überzogen beeindrucken nicht nur die zahlreichen Pilger und Gläubigen, sondern auch den Besucher.

Von der Religion geht eine spezielle Mystik aus, die gar nicht einfach zu verstehen ist. Trotz des Religionsverbots und der Zerstörung von hunderten Tempeln prägt der Buddhismus den Alltag Tibets. Seit 1986 in China Religionsfreiheit gewährt wurde, sind viele Tempel und Statuen wiedererrichtet worden. Sogar der „Dzong“, eine Festung hoch über der Stadt Shigatse, die völlig zerstört wurde, wird jetzt wieder aufgebaut.

Allerorten sind Mönche in ihren roten Gewändern zu sehen, auch wenn ihre Zahl noch lange nicht dort ist, wo sie einmal war. So bietet das Tashilumpo-Kloster Platz für 3000 Mönche, derzeit sind es aber nur 600. Zwar gibt es tausende Anwärter, da aber eben erst seit 1986 Religionsfreiheit herrscht, müssen auch die geistlichen Lehrer und Schulen erst wieder aufgebaut werden.

Buddhismus ist tief verwurzelt

Das hält die zahlreichen Pilger aber nicht von Wallfahrten ab. Der Glaube ist so tief verwurzelt, dass selbst arme Familien das ganze Jahr über eisern sparen, nur um in den Tempeln und vor den Götterstatuen ihre Spenden leisten zu können.

„Bei uns ist das Körperliche nicht so wichtig“, betont Reiseleiter Tensing. Durch den Glauben an die Wiedergeburt verändert sich natürlich auch der Blick auf das eigene Dasein. Nur wer genügend gute Taten vollbracht hat, bekommt die Chance  auf eine „höhere“ Wiedergeburt.

Doch in Wirklichkeit beten die Tibeter, auch mithilfe von Gebetsmühlen oder Klangschalen darum, nicht wiedergeboren zu werden, sondern ins Nirwana einzugehen. Erst dann erreicht man die Vollkommenheit.

Wie sehr die Menschen in Tibet mit ihrer Religion verbunden sind, zeigt sich auch in der Hauptstadt Lhasa. Das Jokhang-Kloster mitten im Herzen der 450.000-Einwohner-Stadt gehört zu den wichtigsten Tempeln. Tagein, tagaus pilgern tausende Menschen, meist in ihren Trachten, rund um die Anlage, betend mit einer Gebetsmühle in der Hand. Nicht nur vor dem Tempel, auch beim Rundweg längen Tiefgläubige den Weg mit ihrer Körpergröße aus. Auch Alte und Gebrechliche lassen es sich nicht nehmen, sich in der vorgeschriebenen Weise oftmals auf den Boden zu werfen.

Auf der Strecke zwischen Lhasa und Shigatse war ein besonders Gläubiger zu sehen. Er stammt aus Ost-Tibet und misst den Weg bis zum heiligen Berg Kailash in Nepal mit seiner Körperlänge aus. Das sind rund 2000 Kilometer. Für diese Strecke wird er rund drei Jahre brauchen.

Reisehöhepunkt ist der Potala-Palast

Zu den absolut wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Lhasa gehört ohne Zweifel der Potala-Palast, Sitz des Dalai Lama. Seit seiner Flucht ist der Palast mit seinen rund 1000 Zimmer und 20 Kapellen verwaist. Nur 1000 Besucher dürfen ihn täglich besichtigen. Zugänglich ist nur der „geistliche Teil“, das sind die Roten Palastteile. Gesperrt für Besucher ist der „weltliche Teil“, in weiß gehalten, in dem sich die Repräsentations- und Besprechungsräume befinden.

Irgendwann, so hoffen die meisten Tibeter, werde der Dalai Lama wieder hierher zurückkehren, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Erscheinungsform auch immer.

DATEN & FAKTEN
Eisenbahn:
Die höchstgelegene Eisenbahnstrecke der Welt verbindet seit Juli 2006 Peking via Golmud mit Lhasa. Die Strecke geizt nicht mit Superlativen: Fünf Jahre lang wurde gebaut, zwei Mrd. Dollar kostete die Errichtung. Fast 1000 km Strecke liegen höher als 4000 m Seehöhe. Die Ingenieure mussten die Strecke teils auf Permafrostboden verlegen, eine besondere Herausforderung. Nicht nur der höchste, sondern auch der längste durch gefrorenen Boden getriebene Tunnel gehören ebenso dazu wie die längste Eisenbahnbrücke der Welt. Die 1.-Klasse-Waggons sind komfortabel ausgestattet, mit Flachbildschirmen, Bad und Sauerstoffversorgung.
Buchung:
Tai Pan-Touristik
Hetzendorferstraße 191
1130 Wien
Tel.: 01/90 22 99 51
office@taipan.at
www.taipan.at

Autor/in: Bernhard Schreglmann

 

diese seite | 15.12.2006 | 11:27

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