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Die Stadt Livingston in Guatemala an der Grenze zu Belize ist auch Ausgangspunkt einer Bootsfahrt auf dem Rio Dulce.
Farbenfrohe Holzhäuser mit großen Rundumblick-Balkonen, weiße palmengesäumte Sandstrände, karibische Rhythmen, spielende, dunkelhäutige Kinder unter bunter Blütenpracht – das ist Livingston, die Heimat der Garifunas am Golf von Amatique. Eine ganz besondere Lebensart hat sich hier erhalten: Es geht gemütlich-geruhsam zu, und die ausgedehnte Siesta ist bedeutsamer als manch anstehender Arbeitsgang. Zeit spielt kaum eine Rolle unter tropischer Sonne, denn morgen kommt ein neuer Tag . . .
Die Garifunas, Nachkommen von Sklaven, kamen um 1800 auf recht seltsamen Wegen von den Kleinen Antillen (St. Vincent), wo 1675 ein holländisches Sklavenschiff von Afrika segelnd gestrandet war, an die Küste Guatemalas. Sie flüchteten nämlich vor britischen Zuckerrohrpflanzern, Gefangenschaft und Deportation. In La Buga, dem heutigen Livingston, ließen sie sich nieder. Die Abgeschiedenheit des Ortes an der Mündung des Rio Dulce – er ist auch heute nur mit dem Boot erreichbar – trug dazu bei, dass die Afrokariben ihre traditionelle Lebensweise wahren und pflegen konnten.
In den Schulen wird die Garifuna-Sprache, ein Gemisch aus Afrikanisch, Kreolisch, Englisch, Französisch und Spanisch, erfolgreich unterrichtet. Und am 26. November, dem Nationalitätentag der Garifunas, zeigt die schwarze Kultur Guatemalas alles, was sie an Buntheit und Lebensfreude zu bieten hat. Da wird zu Rasseln und Trommeln getanzt und gesungen und manch Flasche Rum gekappt – bis am nächsten Morgen wieder die raue Wirklichkeit vor der Tür steht.
Wie sie ausschaut, schildert der 23-jährige Fremdenführer Eddy: „Viele von uns Garifunas sind arbeitslos, lungern auf der Straße herum. Für mehr reicht das Geld nicht. Zwar gibt es den Fischfang, aber der kann nur wenige Leute beschäftigen. Deshalb setzen wir auf den Tourismus. Wir wollen den Fremden unsere Kultur zeigen, aber auch die Naturschönheiten rund um Livingston.“
Der Rio Dulce ist eines der traumhaften Ausflugsziele. Mit kleinen Motorbooten, den Lanchas, geht es 40 Kilometer flussaufwärts. Die steilwandigen Ufer sind überwuchert vom immergrünen Regenwald. Am Wasser findet sich Mangrovendickicht, und mit etwas Glück kann man Leguane, Flussschildkröten, Otter oder auch Papageien beobachten. Dort, wo sich die Flusslandschaft mitunter seenhaft verbreitert, sind unter Palmen die Bambushütten der Fischer versteckt. Dann ist Ak’Tenamit erreicht, ein mit privater und kirchlicher Unterstützung gestaltetes Hilfsprojekt für die im umliegenden Urwald lebenden Kechi-Mayas. Da gibt es Schulunterricht für Mädchen und Jungen, den Älteren werden Computerkenntnisse für spätere Büroarbeiten vermittelt, und nicht zuletzt erhalten interessierte Indigenas eine Ausbildung als örtliche Reiseleiter für die Indianergebiete.
Nur wenige Minuten entfernt liegt das von Ak’Tenamit unterhaltene Urwaldkrankenhaus. Am Flussufer ankert die schwimmende Zahnstation. Einfache, saubere Hütten dienen Behandlung und Unterkunft der Kranken. Der Wiener Arzt Matthias Hofmann hat sich über das Internet zu einem mehrmonatigen freiwilligen Einsatz verpflichtet und betreut täglich kostenlos etwa 30 Patienten. Sein schönstes Erlebnis? „Meine erste Geburt bei Kerzenschein.“ Und sein nächstliegender Wunsch? „Dass das Rote-Kreuz-Paket aus Wien bald ankommt.“
Weiter geht die Lanchafahrt den Rio Dulce hinauf bis zum Lago de Izabel, dem größten See Guatemalas. Dort, wo er in den Fluss mündet, erblickt der Reisende, wie schon vor Jahrhunderten, das Castillo San Felipe de Lara mit seinen Mauern und Türmchen. Im 16./17. Jahrhundert erbaut, sollte es mit seinen Kanonen das Eindringen britischer Piraten in den Izabel-See verhindern. Doch selbst eine Bronzekette von Ufer zu Ufer konnte den bekannten Freibeuter Sir Francis Drake nicht von einem ertragreichen Streifzug ins Landesinnere abhalten. Heute ist die spanische Bilderbuch-Festung, vor einigen Jahren restauriert, beliebter Höhepunkt einer Guatemala-Tour.
Autor/in: Ulrich Uhlmann

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