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Im Gegensatz zu anderen Golfstaaten muss sich das Emirat Katar trotz knapper werdender Ölvorräte keine Sorgen um die Zukunft machen – es besitzt das größte zusammenhängende Erdgasvorkommen der Welt.
Es zischt heftig. Ali kauert in seiner knöchellangen, schneeweißen Dishdasha vor den Reifen des bulligen Geländewagens und lässt Luft aus dem Ventil. Nein, dies ist kein Bubenstreich. Ganz gezielt senkt er den Reifendruck fast auf die Hälfte. Geplant ist eine Offroad-Wüstensafari, bei der die Räder im Sand greifen müssen.
Auf einer Studienreise durch den Arabischen Golf ist die Gruppe im Emirat Katar eingetroffen. Die daumenförmig in den Golf ragende Halbinsel, nur ein Viertel so groß wie die Schweiz, besitzt noch keinen Massentourismus. Hans-Ulrich Kühn, Studiosus-Reiseleiter mit perfekten Arabischkenntnissen, vermittelt Hintergrundinfos über das reiche Katar.
In der vorletzten Generation lebten Beduinen, Fischer und Perlentaucher noch in armseligen Lehmhütten. Nun leben rund 80 Prozent der Bevölkerung in der Hauptstadt. Den Umzug in das Doha des 21. Jahrhunderts mit seinen Luxusvillen, Hochhaus-Glitzerfassaden und der kilometerlangen palmengesäumten Prachtpromenade am Meer haben die Katarer erstaunlich reibungslos bewältigt. Der moderne Lifestyle wird wie selbstverständlich mit traditionellen Lebensformen verbunden. Dabei blieb Katar anders als das Emirat Dubai noch vom Gigantismus und ausufernder Vermarktung für den Tourismus verschont.
Ein Brunnen in der Form einer riesigen aufgeklappten Auster mit im Wasser sich drehender Perle weist an der eleganten halbmondförmigen Küstenstraße den Weg zum alten Hafen. Hier liegen dicht nebeneinander malerische, bauchige Holzschiffe, die traditionellen Dhaus.
Am Ufer sitzt Djamil, vollbärtig, mit der runden Gahfiya auf dem Kopf, und fischt. Er gehört nicht zu den 180.000 inzwischen vermögenden „Locals“, wie die Nachfahren der hier Jahrhunderte lang ansässigen Beduinen genannt werden. Vielmehr zählt der Pakistani zu der vier Mal so großen Zahl der Gastarbeiter. Doch es gehe ihm hier gut, sagt er mit zufriedenem Lächeln.
Als gläubiger Moslem ruft er zur Verabschiedung: „Hayák Alláh“ – Allah beschütze dich! Später am Stadtrand von Doha: der Falkenmarkt. Seit Jahrhunderten ist die Balzjagd eine Leidenschaft der Edelmänner, gilt als Symbol für Luxus. Viele reiche Katarer halten sich Falken, mit denen sie in der Wüste Kleintiere jagen. In einem der Geschäfte informiert Samir über seine auf Holzstangen sitzenden Greifvögel, deren Köpfe zur Ruhigstellung in einer Lederkappe stecken.
Falkenjagd gilt als Symbol für Reichtum
Hoch im Kurs stünden Ger-falken aus Nordeuropa, berichtet der Händler. Die Verkaufsräume müssten daher gut klimatisiert sein. Und der Preis? Er könne schon einmal 80.000 Euro erreichen, sagt Samir mit einer verbindlichen Handbewegung. Kein Wunder, dass es auch erstklassig ausgestattete Falkenkliniken gibt.
Ganz an der Stadtperipherie liegt der Kamelmarkt. Die Katarer betrachten die „Wüstenschiffe“ nicht nur als Nutztiere, sie lieben sie als Kameraden – ganz im Sinne ihres beduinischen Erbes. Hinter den Drahtgattern befinden sich keine Rennkamele, die gesondert gezüchtet werden, sondern traditionelle Haustiere, die man im Garten hält – sie sind bereits ab etwa 1200 Euro erhältlich.
Doch zurück zu Ali und der Wüstentour. Ziel ist etwa 100 Kilometer südlich von Doha die Lagune Khor Al Udeid. Die weit in die Wüste hineinreichende 1500 km² große „Inland Sea“ wurde der UNESCO als Weltnaturerbe vorgeschlagen. Ali, der das Führungsfahrzeug des Konvois lenkt, prescht sofort los, quer durch die Dünenlandschaft. Die Kolonne hat Mühe, zu folgen. Die Räder mahlen im Treibsand. Es rüttelt und schüttelt. In halsbrecherischer Fahrt geht es steile Dünenhänge schräg hoch. Der Toyota scheint seitlich wegzukippen. Doch oben an der Dünenkante angekommen, geht es gleich 45 Grad steil gerade nach unten. Starke Nerven sind erforderlich!
Die hat Ali. Seit einem Jahrzehnt fährt der 33-jährige reiche Beduine hobbymäßig diese Touren – mit reichlich Spaß. Doch er kenne die Tücken der Wüste und auch die Grenzen des Vierradantriebs. Als Manager, sagt er und nimmt das Gas etwas zurück, komme er hier in der Wüste zur Ruhe.
Ali hat Recht. Als der Konvoi auf einem Plateau stoppt, mit weitem Blick über die Inland Sea bis hin zu den Bergen Saudi-Arabiens, und die späte Nachmittagssonne die Fußstapfen im unberührten Sand mit einer Schattenkontur schärft, wird die Stille geradezu plastisch.
Plötzlich fahren einige Geländewagen ohne die Gruppe weg – nicht weit, wie zu hören ist: die Katarer wollen zum Gebet etwas abseits in die Stille ...
Veranstalter: Alle großen Reiseveranstalter haben das Emirat Katar im Programm, z. B. bieten Dertour und Meier’s Weltreisen neben Bausteinreisen auch Flugpauschalreisen ab München inkl. Transfers und Gästebetreuung an (www.dertour.at); bei Ruefa und Verkehrsbüro Reisen kann man u. a. auch drei Nächte im Fünfsternehotel in Doha mit Abflug ab Wien buchen (www.ruefa.at).
Reisezeit: Die beste Reisezeit ist von Oktober bis April mit Temperaturen von 25 bis 35 Grad C.
Reiseführer zur Arabischen Halbinsel mit ausführlichen Hintergrundinformationen beim Verlag DuMont Richtig reisen. Speziell zu Katar gibt s einen kleinformatigen und handbuchartigen Führer beim Verlag Reise Know-How.
Autor/in: Norbert Linz

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