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Die „Hurtigruten“-Postschiffe steuern auch im Winter das Nordkap an. Polare Stürme sorgen manchmal für richtiges Seefahrts-Flair.
Die MS Nordstjernnen ächzt im Sturm, der vor Hammerfest aufgezogen ist. Dennoch wird der Hafen der nördlichsten Stadt der Welt pünktlich erreicht. Der guten Stimmung an Bord tut die raue Nordsee keinen Abbruch. Die ersten fünf Tage der Seereise von Bergen bis zu den Lofoten konnten ohnehin bei bestem Wetter genossen werden. Und so mancher Passagier, der im Winter mit dem norwegischen Postschiff reist, scheint insgeheim auf etwas heftigere Winde zu hoffen.
Bieten die „Hurtigruten“-Seereisen in den Sommermonaten modernen Kreuzfahrtsluxus inmitten atemberaubender Fjordlandschaften, so kommen in der kalten Jahreszeit Passagiere mit Lust auf ein wenig Abenteuer und Seefahrtsromantiker auf ihre Rechnung. Da stehen nämlich mit der MS Lofoten und der MS Nordstjernen zwei altgediente Postschiffe im Einsatz. Letztgenanntes versorgt im Liniendienst seit 50 Jahren die Menschen im norwegischen Norden mit Post und anderen Gütern. Heute wird das Schiff, das über 62 Kabinen mit 168 Betten verfügt, im Sommer für Spitzbergen-Touren eingesetzt. Im Winter darf es auf der alte Route zwischen Bergen und Kirkenes verkehren.
Obwohl die Tage über dem Polarkreis kurz und die Nächte lang sind, erwartet die Passagiere ein vielfältiges Ausflugsprogramm: vom Abstecher ans Nordkap über Dorschangeln in den Gewässern vor den Lofoten bis hin zur Fahrt mit Hundeschlitten. Zu den Höhepunkten zählt die Jagd auf Königskrabben bei Kirkenes, nur einige Kilometer von der russischen Grenze entfernt, wo Lars Petter das „Arctic Adventure Resort“ aufgebaut hat. Von hier geht es zu Fuß zur Eiskante hinaus, denn die weiter ins Land reichenden Verästelungen des Varangerfjords frieren im Winter zu.
Niemand beneidet Lars, als er sich in seinem Taucheranzug in das eisige Wasser wagt. Die Königskrabben werden nicht mit Reusen oder Netzen gefangen, sondern während eines Tauchgangs vom Meeresboden aufgesammelt. Gespannt folgen die Blicke der auf dem Eis Wartenden den Sauerstoffbläschen, die über die Position von Lars Aufschluss geben. Verharre der junge Eistaucher längere Zeit an einer Position, so könnte er da fündig geworden sein, mutmaßen die in dicken Overalls steckenden Zaungäste. Nach rund 20 Minuten taucht Lars dann auf – mit einer Beute von einem halben Dutzend Königskrabben.
Der Anblick der auf dem Eis krabbelnden Tiere macht deutlich, warum diese auch den Namen Monsterkrabben tragen, kann doch ihre Beinspannweite bis zu 1,80 Meter betragen. Die heute gefangenen Exemplare seien um einiges kleiner, freut sich Lars: „Da schmecken sie besser.“
Es waren ernährungspolitische Gründe, denen die großen Zehnfußkrebse, deren natürlicher Lebensraum sich eigentlich in den pazifischen Gewässern vor Alaska und Japan befindet, ihr Vordringen in die Nordsee verdanken. Ende der 1960er-Jahre setzten russische Forscher die Königskrabben im Auftrag der Regierung Chruschtschow in der Barentsee aus, um die Versorgungslage im Eismeerhafen Murmansk zu verbessern.
Seither vermehren sich die mächtigen Krebse, die – einmal ausgewachsen – keine natürlichen Feinde haben, stetig. Mittlerweile sind die Königskrabben bereits bis zu den Lofoten vorgedrungen: zum Leidwesen der Fischer, die über zerrissene Netze klagen, und zur Freude der Feinschmecker, die für ein Kilogramm 70 Euro bezahlen. Dass die „King-Crabs“ vorzüglich schmecken, beweist die Lebensgefährtin von Lars, die der kleinen „Hurtigruten“- Gruppe ein vorzügliches Königskrabbenmahl auftischt.
Über eine andere Spezialität des hohen Nordens gehen die Meinungen jedoch auseinander. Den Teilnehmern an der Barent-Safari, die mit Motorschlitten über vereiste Fjorde und durch tief verschneite Wälder führte, wurden im Samen-Zelt getrocknete, fünf Jahre alte Rentierherzen vorgesetzt. „Das Viagra des Nordens“, meint Tour-Guide Hans mit verschmitztem Lächeln. Die Antwort, dass Medizin nur in den seltensten Fällen gut schmeckt, geht im Sturm, der kräftig an den Zeltplanen zerrt, unter.
Anreise: Mit dem Flugzeug von Wien und München nach Oslo und von der norwegischen Hauptstadt weiter nach Bergen. Rückflug entweder von Kirkenes oder Bergen.
Seereise: Die Rundreise von Bergen (Abfahrt: täglich) nach Kirkenes und zurück nach Bergen dauert 13 Tage. Wer nur die Nord- oder die Südroute wählt, ist 8 Tage unterwegs. Sonderpreise in den Wintermonaten (1320 € pro Person für die Strecke Bergen–Kirkenes, 1240 € für die Strecke Kirkenes–Bergen, inkl. Linienflug und Halbpension) .
Informationen: Generalagent für Hurtigruten in Österreich ist (in Kooperation mit Seetour Austria) die Norwegische Schifffahrts-Agentur (NSA), Kleine Johannisstraße 10, 20457 Hamburg, Telefon: 0049/4037693138, Internet: www.hurtigruten.de
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