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Reiseberichte

Best of Colorado
18. November 2006
Wer nie in Colorado Ski gefahren ist, hat etwas versäumt. Der Pulverschnee, auch Champagner Powder genannt, leere Pisten, kaum Wartezeiten und die unermessliche Weite in den Rockies, so etwas gibt es in Europa einfach nicht.

Auf der glatten präparierten Piste zeichnet sich die Spur der eigenen Ski ab. Der Schnee ist so trocken, dass er locker wegstaubt. Im Keystone-Skigebiet in Colorado, das so hoch liegt wie die Zugspitze, fährt jeder zehn Mal so gut Ski wie in Europa, denn der Schnee führt fast von selbst. Er ist so locker, dass man nicht einmal einen Schneemann bauen kann. Und das Beste ist, die in den heimischen Skigebieten so verhassten Eisplatten gibt es nicht, und auch neblig wird es nie, selbst wenn es schneit.
 Die Pisten gehören einem oft ganz allein. Sabine, die in Colorado lebende deutsche Skilehrerin, führt die Gruppe über flachere und breite Pisten, die ideal zum Schwingen sind. An einem „Grooming“-Plan sucht sie die frisch präparierten Abfahrten. Auf dem „Corduroy“, den feinen Linien, die die Pistenfahrzeuge beim Walzen hinterlassen, geht es wie auf dem weichen Stoff einer Cordhose ins Tal. Lange Hochgeschwindigkeitslifte bringen einen wieder ein Stück weiter ins Skigebiet.

Bei der Tour bis zum äußersten Punkt, dem „Outback“ im Skigebiet, gibt Sabine Tipps, um den Fahrstil der Pulverschneefans auf „Vordermann“ zu bringen. Es läuft wunderbar, nur Kurzatmigkeit macht sich oberhalb der Baumgrenze bei 3500 Metern Höhe leicht bemerkbar.  Weiße Gipfel reihen sich dicht an dicht wie glitzernde Diamanten aneinander.

In das wohl beste Bergrestaurant Amerikas, die Alpenglow-Stube, sollte man zumindest einen Blick werfen. Die Einrichtung ist mit viel Holz gemütlich im edlen Blockhausstil gehalten und der Ruf der guten Küche ist legendär. Die Plätze sind begehrt und nur auf Vorbestellung zu haben. In der Selbstbedienungsabteilung der Outpost Lodge gleich nebenan gibt es eine große Auswahl an deftigen amerikanischen und internationalen Gerichten. Vail, das größte Skigebiet der USA mit Tiroler Flair, ist die nächste Station. „Enjoy your day“, wünscht der Servicemann beim Scannen der Liftkarte. Drängeln ist ein Fremdwort. Kurzes diszipliniertes Warten ist stressfrei. Die klimatischen Verhältnisse sind fantastisch, denn die Temperaturen liegen im Durchschnitt bei sieben bis acht Grad minus. Die Luft ist glasklar im Sonnenschein.

Tiroler Flair im größten Skigebiet der USA

Dann geht es wieder mit Sabine in die weiße Arena. Eine Tafel zeigt die Pisten mit „Midday grooming“ an. „Sechs inches of powdersnow, ab in die Back Bowls“, verkündet Sabine. Und dann geht es über einen langen „Catwalk“, wie die Amerikaner die Ziehwege nennen, und ein paar Lifte zu den weiten Talschüsseln mit steilen Hängen. Dort heißt es erst einmal allen Mut sammeln, um im Tiefschnee zwischen ein paar Bäumen die Abfahrt zu fahren.

Wie ein fliegender Teppich gleitet der Ski talwärts. Das ist das ultimative Vergnügen für Wintersportler. In den Alpen wäre dies ungleich schwieriger, da muss man schon Tiefschneeexperte sein, um solche Abfahrten zu bewältigen. Vail ist nicht nur der größte, sondern auch der beliebteste Wintersportort Nordamerikas. Das nächste Ziel ist Beaver Creek. Dieses Skiressort wurde am Computer entworfen und ist modern und mit allem Luxus für den Wintersport ausgestattet. Die Straßen in der Fußgängerzone, die Anfahrten zu den Hotels und Appartementhäusern sind beheizt. Der Lift beginnt meistens direkt vor der Haustür. Die Appartements sind großzügig und mit offenen Kaminen ausgestattet. Zu jedem Schlafzimmer gehört ein eigenes Bad, oft  ein Whirlpool.

Blauer Himmel erwartet die Skifahrer. Kein Wunder, denn in Colorado gibt es 300 Sonnentage im Jahr, und das Beste ist, dass es meistens nur nachts schneit. Die Birds-of-Prey-Piste, die 1999 für die Ski-WM angelegt wurde, ist wegen ihrer Steilheit eine Herausforderung. Mit Sabine und dem Pulverschnee ist das gut zu meistern. Danach sind die Abfahrten Golden Eagle, Rose Bowl, Stone Creek und Meadow pure Erholung.

Letzter Standortwechsel nach Aspen. Stars wie Ingrid Bergmann und Gary Cooper waren unter den Ersten, die dieses wunderbare Skivergnügen genossen haben. Viele zogen nach und machten Aspen berühmt. Das St.-Regis-Hotel bietet jeden erdenklichen Luxus für den Wintersportler. Der Skibutler nimmt einem sofort die Ski ab, verwahrt sie und bringt sie pünktlich am nächsten Morgen wieder. Das Grünbraun der blattlosen Espen, das Weiß des Schnees und der blaue Himmel prägen die Rockies. Im 19. Jahrhundert wurde in Aspen Silber abgebaut, doch heute sorgt das „Weiße Gold“ für die Anziehungskraft. 

Erkundungstour im Skigebiet Highland

An allen Service Points gibt es kostenlos heißen Cider, Wasser, Kekse und natürlich wie überall Papiertaschentücher. Ein Catwalk ist mit graugünen Espen gesäumt. Kratzspuren am Stamm zeigen, dass  dort Bären ihre Krallen geschärft haben. Aber keine Angst, die Bären sind vorwiegend nachts unterwegs und sehr scheu. Eine schwarze Piste mit zwei Diamanten lässt den Atem stocken.  Eine Piste für Experten mit Hang zum Extremen, doch  der Schnee hält. Nach dem Kick geht es zum Lunch in die kleine, gemütliche Hütte „Cloud Nine“. Die Küche ist österreichisch und hat einen Stern verdient. Am Ende der Tour werden die Ski im Tal beim „Ski in and Ski out“ abgegeben und für den nächsten Tag nach Snowmass gebracht. Im Rausch des Pulverschnees geht es über Buckelpisten und Tiefschneeabfahrten, bis die Beine müde werden.

Anreise:
Flug mit United Airlines ab München nach Denver, Transfer mit dem Colorado Mountain Express nach Keystone: www.ridecme.com, oder mit Mietwagen: www.alamo.de.

Informationen: www.snow.com; www.aspensnowmass.com.
In den Skiverleihstationen  in jedem Ort erhält man immer die neusten Modelle. Infos  auf  www.rentskis.com.

Veranstalter:
U. a. hat  Dertour mehrere Skipauschalreisen in Colorado im Programm, eine davon ist die von einem einheimischen Guide geführte siebentägige Tour „Faszination Colorado“ ab 1419 Euro pro Person im DZ. Infos und Buchung im Reisebüro.

Autor/in: Gabi Dräger

 

diese seite | 17.11.2006 | 10:41

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