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Die Jahre des Krieges und des Leidens in Kambodscha sind vorüber. Der Frieden ist endlich eingekehrt und gibt den Einwohnern Mut zum Neuanfang.
Auch für Besucher ist das kleine Land im Herzen Südostasiens damit zurück auf der Landkarte und sogar über den Landweg leicht zugänglich.
Mitten im Nirgendwo des Dschungels hält der Zug. "Kambodscha!" ruft der thailändische Schaffner und deutet auf eine kleine Ansammlung von Häusern und Hütten. Zu Fuß folgen wir ein paar einheimischen Händlern und deren mit Waren vollgestopften Holzkarren zum Grenzübergang.
Die Grenzstadt Poipet wirkt wenig einladend: Casinos, Hotels und Nachtclubs mit riesigen Leuchtreklamen prägen das Stadtbild, dahinter die verwahrlosten Hütten der Einheimischen. Schnell verlassen wir diesen düsteren Ort und springen auf die Ladefläche eines Trucks in Richtung Siem Reap, dem Ausgangspunkt für Besichtigungen der alten Tempelstadt Angkor.
Doch die 150 Kilometer Weg bis dorthin sind länger als erwartet: Acht Stunden verbringen wir zusammengedrängt zwischen Einheimischen und deren in der Hitze vor sich hinfaulenden Früchten, Reissäcken und anderen Einkäufen, während das Auto im Schritttempo von einem Schlagloch ins nächste fällt.
Die wunderschöne Landschaft Kambodschas im Sonnenuntergang entschädigt uns für die "Höllenfahrt": weite, einsame Ebenen, dazwischen vereinzelt ein kleines Dorf und ein paar Reisfelder.
In Siem Reap angekommen, fahren wir noch vor Sonnenaufgang mit dem Fahrrad zur nur wenige Kilometer entfernten Stadt Angkor, der Hauptstadt des Khmer-Reiches zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert. Auf einem nahe gelegenen Hügel warten wir, bis die Sonne über dem Dschungel aufgeht und die Tempel aus der Dunkelheit freigibt.
Mystische Atmosphäre
Angkor Wat, das Wahrzeichen Kambodschas, und das Bayon mit seinen Gesichtertürmen gehören sicher zu den beeindruckendsten Bauwerken der Menschheitsgeschichte. Teile der alten Tempelstadt hat sich der Dschungel inzwischen zurückgeholt und mit riesigen Wurzeln überwachsen, was dem Ganzen eine mystische Atmosphäre verleiht.
Die romantische Vorstellung von den einsamen Dschungeltempeln, wie sie zu deren Entdeckung im Jahr 1858 beschrieben wurden und Abenteurer aus allen Ländern der Welt in ihren Bann zogen, leidet jedoch längst unter der Realität des Tourismus: An Stelle von Elefanten haben Fahrrad, Rikscha oder gar das Auto den schwierigen Weg durch den dichten Dschungel gefunden und in den Tempelanlagen herrscht zu den Stoßzeiten ein Gewühl an staunenden Touristen und einheimischen Händlern.
Dennoch gibt es nach wie vor ruhige Momente in der Tempelstadt, wo die vergangene Mystik noch zu spüren und die Geräusche des Dschungels noch zu hören sind. Nichts hat Angkor in solchen Augenblicken an seiner Faszination und Erhabenheit eingebüßt, lediglich die Umgebung hat sich verändert: Von dem blühenden Reich zur Zeit der Khmer-Könige ist wenig übrig geblieben, die Jahrhunderte nach dem Fall Angkors 1431 sind von Kriegen und Angriffen fremder Mächte geprägt; das wohl dunkelste Kapitel der Geschichte bricht jedoch erst 1975 über Kambodscha herein und ist unbestritten mit dem Gesicht Pol Pots verbunden: Vier Jahre betreiben Pol Pot und seine Anhänger, besser bekannt als die Roten Khmer, eine Politik der radikalen Umgestaltung, oft auch als "Steinzeitkommunismus" bezeichnet.
Die Folgen sind bekannt: Mehr als 1,4 Millionen Menschen kommen ums Leben. Auch nach dem Sturz der Roten Khmer setzt der erhoffte Frieden nicht ein und es folgen weitere zehn Jahre der Okkupation und des Bürgerkrieges. Den Preis dafür bezahlt allein das Volk der Khmer: Die langen Jahre des Krieges haben aus Kambodscha eines der ärmsten Länder der Welt gemacht.
Zudem sind große Teile des Staatsgebietes nach wie vor stark vermint, was bis heute immer wieder neue Opfer fordert. Der Schatten der Vergangenheit ist nicht nur dann im ganzen Land spürbar.
Diese Realität holt uns aus dem Zauber eines längst untergegangenen Reiches zurück in das heutige Kambodscha, und wir machen uns auf den Weg in die Hauptstadt Phnom Penh. Der Wasserweg bietet hierbei zur schlechten Infrastruktur des Landes eine bequeme und Zeit sparende Alternative. Zudem bekommt man während der fünfstündigen Fahrt quer über den Tonle Sap, der auch als "der Herzschlag Kambodschas" bezeichnet wird, interessante Einblicke in das Leben der Fischer.
Angekommen in Phnom Penh, erinnert nichts mehr an die Geisterstadt zu Zeiten der Roten Khmer. Die Menschen sind hierher zurückgekehrt, und es herrscht ein wildes Durcheinander auf Straßen und Märkten. Phnom Penh ist eine Stadt mit vielen Gesichtern: Französische Kolonialbauten stehen hier Seite an Seite mit den Wellblechhütten der Armen; auf den Märkten wird von Textilien über Haushaltsgegenstände und Lebensmittel bis hin zu so exotischen Snacks wie gebratenen Heuschrecken und Spinnen so gut wie alles angeboten; hier und dort schenkt ein Wat, ein buddhistischer Tempel, den Gläubigen einen Ort der Stille und über all dem bunten Treiben leuchten die prachtvollen Dächer des Königspalastes in der Sonne.
Besonders eine Fahrt mit dem in Phnom Penh üblichen Motorradtaxi ist ein Abenteuer für sich: Oft werden bis zu vier Personen auf einem einzigen Moped transportiert und während der rasanten Fahrt sollte man als an geordnete Straßenverhältnisse gewohnter Europäer besser auf das Denken verzichten.
Leider prägen auch hier die Bettler das Stadtbild. Vor allem für die vielen Minenopfer ist dies oft die einzige Überlebensmöglichkeit. Neben der Armut sind in der Hauptstadt die Schatten der Vergangenheit allgegenwärtig. Das Tuol Sleng Museum, ein ehemaliges Gefängnis der Roten Khmer, und die so genannten Killing Fields, eines unter vielen anderen Vernichtungslagern nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt, legen Zeugnis über die schrecklichen Taten des Regimes ab.
Das Land befindet sich im Aufbruch
Nirgends scheint das Leid jedoch auch hier offensichtlicher als bei den Menschen selbst: Fast jeder hat Verluste im Familien- und Freundeskreis zu beklagen, fast jeder seine persönliche Erinnerung an Zwangsarbeit, Einschüchterungen oder gar Folter. Dennoch, die Menschen von Kambodscha haben das Lächeln nicht verlernt und begegnen Touristen mit großer Gastfreundlichkeit und Neugierde. Das Land befindet sich im Aufbruch, und nirgends wird das deutlicher als in der lebhaften Stadt Phnom Penh. Der Frieden, ein so lange kaum fassbares Gut für das Volk der Khmer, ist eingekehrt, doch innere Probleme, wie Armut, Menschenrechtsverletzungen und Korruption, stehen nach wie vor an der Tagesordnung.
Ein Teufelskreis, aus dem es nur einen auf Dauer wirksamen Ausweg zu geben scheint: Bildung. Bildung für ein Land, in dem alle Intellektuellen verfolgt und umgebracht wurden, und es nach wie vor für viele, vor allem für Mädchen, keinerlei Möglichkeit auf Schulbesuch gibt.
Bildung als einziges Mittel gegen Armut, Unwissenheit und die Wehrlosigkeit gegenüber den Mächtigen aus In- und Ausland. Aber vor allem Bildung, um den Menschen von Kambodscha eine Stimme zu geben.
INFO KAMBODSCHA Veranstalter U. a. bieten Dertour und Meier's Weltreisen Flug-/Busrundreisen in Kambodscha an - nähere Infos im Reisebüro. Bei Kneissl Touristik, www.kneissltouristik.at, sind Kombireisen Vietnam-Kambodscha im November/Dezember mit Abflug Salzburg buchbar.
Klima In Kambodscha herrscht tropisches Monsunklima; beste Reisezeit ist von Oktober bis Mai. Im Norden kühle Winter, ansonsten kaum Temperaturunterschiede.
Währung 1 Riel = 100 Sen. Kreditkartenwerden nur teilweise akzeptiert, die Mitnahme von US-Dollars ist ratsam.
Gesundheit Vorsorge gegen Malaria und Typhus wird empfohlen.
Autor/in: KATHRIN BACHLEITNER
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