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Reiseberichte

Auf Kara Ben Nemsis Spuren
21. Oktober 2006
Im Winter machen angenehme Temperaturen und spärlicher Tourismus eine Reise durch den Süden Tunesiens zu einem besonderen Erlebnis.

Pünktlich um acht Uhr morgens wartet Asoumi, Fahrer und Tourguide in Personalunion, lässig an seinen Landcruiser gelehnt und eine Selbstgedrehte in der Hand, vor dem feudalen Golfhotel Yaris in Djerba auf seine österreichischen Gäste. Asoumi ist ein Targi. Das behauptet er jedenfalls. Und er trägt auch die traditionelle Tracht der Tuareg – den Djelaba. Außerdem behauptet er, vier Frauen zu besitzen und in der tunesischen Fußballnationalmannschaft gespielt zu haben.

Als er der Österreicher ansichtig wird, erhellt ein breites Grinsen sein Gesicht. „Today much Action“, verspricht er. Unter Action versteht Asoumi, wie es sich gleich darauf auf dem Weg nach Gabés in Richtung Süden zeigen wird, keinem ihm bekannten Schlagloch – und er scheint jedes zu kennen – auszuweichen.

Die  Touristen klammern sich ängstlich an die Haltegriffe und sind erleichtert, als nach einer wilden Fahrt endlich Gabés, die größte Stadt des tunesischen Südens, erreicht ist. Ein kilometerlanger, breiter Palmengürtel und die Lage direkt am Golf von Gabés haben der Stadt den Beinamen „Oase am Meer“ gegeben, der touristische Schwerpunkt ist hier aber nicht der Badeurlaub, sondern die üppigen Palmengärten in der Nachbaroase Chenini.

Landwirtschaft  mit Drei-Etagen-Technik

Die Palmenhaine um Gabés erstrecken sich zwischen Wüste und Meer entlang dem Fluss Qued Gabés und werden in der so genannten Drei-Etagen-Technik bewirtschaftet: Ganz unten wachsen verschiedene Gemüse, Salat- und Futterpflanzen, Korn, Tabak und Henna, in der zweiten Etage gedeihen vorwiegend Obstbäume und über dem Ganzen stehen mehr als 300.000 Dattelpalmen, die aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die Meeresnähe nur mindere Qualität liefern und deren Früchte zumeist als Viehfutter dienen.

Die Weiterfahrt nach Douz, dem „Tor zur Sahara“,  gestaltet sich erneut abenteuerlich. Asoumi hetzt den Landcruiser über eine  rumpelige Schotterpiste, die leisen Protestlaute seiner Passagiere ignorierend. Dass auch eine gut ausgebaute, asphaltierte Straße nach Douz führt, erzählt er erst später.  Das kleine Städtchen kann getrost als Bilderbuchoase bezeichnet werden. Der Ort ist umrahmt von ausladenden Dattelpalmenhainen, die in eine weite Wüsten- und Dünenlandschaft, die El-Hofra-Dünen mit bis zu 30 Meter hohen Sandbergen, übergehen. Bei Sonnenauf- und -untergang ist ein Kamelritt in den Dünen ein unvergessliches Erlebnis.

Jeden Donnerstag findet in Douz der größte Markt Südtunesiens statt. Einheimische und  Nomaden, die nicht nur kaufen und verkaufen, sondern bei dieser Gelegenheit auch noch Freunde und Bekannte treffen, vermischen sich mit  Touristen. Auf dem Viehmarkt werden die Tiere nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst,  ängstlich blökende, an den Vorderbeinen gefesselte Jungkamele werden   von  Kleinlastern gezerrt, die Luft ist erfüllt vom lauten Gefeilsche der Händler.

Am nächsten Tag demonstriert Asoumi die Wüstentauglichkeit seines Allradlers. Bei strömendem Regen – ja, auch das gibt’s in der Wüste – erklimmt er so manche Düne auf dem Weg Richtung Schott el Djerid, der größten zusammenhängenden Salzwüste der Sahara, in der schon Karl May seinen Kara Ben Nemsi die unglaublichsten Abenteuer erleben ließ. Noch in den siebziger Jahren war die Durchquerung des Schott auf der Etappe Kebili–Tozeur ein echtes Abenteuer auf aufgeschütteten, manchmal unpassierbaren Pisten. Heute führt eine asphaltierte Dammstraße schnurgerade durch die glitzernde, bis  auf einige wenige kleine Raststationen mit angeschlossenen Souvenirgeschäften menschenleere  Landschaft.

Tozeur mit seinen schönen Moscheen und den  Häusern mit charakteristischer Lehmziegelarchitektur  ist das Verwaltungs- und touristische Zentrum der Djerid-Region.  Auf der Hauptgeschäftsstraße, der Avenue Habib Bourguiba,  kämpfen  sich voll beladene Eselskarren,  uralte verbeulte Peugeot-Pick-ups und jede Menge Zweiradfahrer durch die Menschenmassen. Sehr zu empfehlen ist hier auch der Besuch des Dar-Cherait-Kunst- und Kulturmuseums, das Einblick in die Lebensweise vergangener Epochen in Tunesien bietet.

Eine rote Eidechse für die Touristen

Nicht weit von Tozeur entfernt befindet sich der  Bahnhof von Metlaoui. Hier startet der  „Lezard Rouge“, die Rote Eidechse, ein für den Tourismus aufgemöbelter ehemaliger Salonzug des Bey von  Tunis, um die Besucher durch die Seldjaschlucht nach Moulares, der Endstation zu bringen. Egoistisch machen sich die vier Österreicher im Acht-Mann-Abteil breit. Begehrliche Blicke von Mitgliedern der lärmenden französischen Reisegruppe, die am Vorabend im Hotel die Schlacht am Büfett gewonnen hatte, werden kühl erwidert – und kein Platz gemacht. Rache ist süß!

In Moulares – einer durch exzessive Phosphatgewinnung verwüsteten Mondlandschaft – wartet bereits Asoumi mit dem Landcruiser, um seine Passagiere in die drei traumhaft schön gelegenen Bergoasen Chebika, Tamerza und Midès zu transportieren, dicht an die algerische Grenze.  Nur mehr wenige Menschen leben in dieser entlegenen Gegend von den Erträgen der Dattelpalmen und vom Tourismus.  Eine Schar Kinder stürzt sich sofort auf die Besucher, um ihnen  Führerdienste anzubieten oder selbst gebastelten Schmuck zu verkaufen – hier sollte kein Geld verteilt werden, da dies meist in eine wüste Schlägerei zwischen den Jugendlichen ausartet, die um jede Münze kämpfen.

Während der Fahrt nach Tozeur in der Abenddämmerung   taucht nicht weit von der Straße entfernt  plötzlich  „Desert City“ auf, die Filmkulisse von „Star Wars“. Kamelherden   erscheinen wie aus dem Nichts  – doch bald  ist es aus mit der Romantik.  Zwei Polizisten  – Asoumi nennt sie „Skorpione“ – stoppen den Landcruiser an einer Kreuzung   und knöpfen dem Fahrer  15 Dinar für ein falsch angebrachtes Erkennungsschild  und zehn Dinar für ein Los der Polizei-Tombola ab. Asoumi trägt’s mit Fassung. Zum Abschied am Flughafen in Djerba winkt er den Touristen  zu: „Au revoir – come again soon!“

INFO TUNESIEN
Veranstalter
Mehrere Veranstalter haben Tunesien im Programm, z. B. Gulet Touristik,  www.gulet.at; TUI Reisecenter, www.tui.at;  ITS Billa Reisen, www.itsbilla.at;  Jahn Reisen, www.jahnreisen.at;  Magic Life,  www.magiclife.com; Neckermann/Thomas Cook AG, www.neckermannreisen.at.

Klima
Von Juni bis September ist Sommer mit Wassertemperaturen  bei 25 Grad. Im Oktober wird es Herbst, Winterbeginn ist Ende Dezember.   Wintermonate und   Vorfrühling eignen sich für Kameltrekking  oder  Wüstentouren.

Landeswährung
Tunesischer Dinar. Ein tunesischer Dinar hat 1000 Millimes. Es gibt Banknoten zu 5, 10, 20 und 30 Dinar und Münzen zu 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100 und 500 Millimes.

Auskunft
Tunesisches Fremdenverkehrsamt, Opernring 1/R/109,  A-1010 Wien, Tel. 01/585 34 80, Fax: 01/585 34 80-18, office@tunesieninfo.at, www.tunesien-info.at.

Autor/in: Herbert Hilzensauer

diese seite | 20.10.2006 | 11:46

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