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Der Kampf für ein besseres Leben im bolivianischen Potosi dauert seit Generationen an, die Einwohner haben trotz allem das Feiern nicht verlernt.
Ach Minero, was wirst du tun? Bis zu deinem Tode musst du arbeiten. Deine Lungen zerstörst du in den tiefen Schächten der Minen“, so lautet der Text in einem Lied der Folkloregruppe „Bolivia Manta“ über die Arbeiter im „Cerro Rico“ (reicher Berg). Sie spricht damit den Bewohnern von Potosí aus der Seele – und zwar in Quechua, der Sprache der Inkas.
Spanisch ist das Erbe der Eroberer, die die Silbervorräte im „Cerro Rico“ plünderten, um damit den aufwändigen Lebenswandel am Spanischen Hof zu finanzieren. Übrig geblieben ist ein durchwühlter Berg, der irgendwann in sich zusammenbrechen wird. Es bleibt zu hoffen, dass dann nicht hunderte Minenarbeiter in den Schächten nach den Resten der einst unerschöpflichen Bodenschätzen suchen. Industriegebäude, die ehemals der Silbergewinnung dienten, sind dem Verfall preisgegeben. Was der Berg heute noch hergibt ist Zinn, Kupfer und Silber.
Spuren kolonialer Pracht
Die Architektur im Kolonialstil, Gassen, die einst angeblich mit Silber gepflastert waren, und Privathäuser mit Balkonen und Erkern sind weitere Spuren aus der Kolonialzeit. Die „Casa de la Moneda“, die einstige Münzpräge, in der heute Museen untergebracht sind, wurde ebenfalls von den Spaniern errichtet und auch die Kirchen, Symbole des neuen Glaubens.
Der wurde in Bolivien nie ganz heimisch. Die Menschen besuchen die Messe, die Kinder werden getauft, Ehen werden vor Gott geschlossen – aber alles das ist nutzlos, wenn nicht Pachamama – Mutter Erde – Koka und Schnaps geopfert werden. Denn Mutter Erde fordert ihren Anteil, sonst sorgt sie möglicherweise für Missernten. Besonders verwöhnt wird Pachamama zu Karneval. Da fließt der Schnaps reichlich und es werden Lamas und Schafe geschlachtet. Pachamama nascht mit, wenn vor jedem Schluck einige Tropfen auf den Boden gegossen werden und Blut und Innereien von Schlachttieren unter der Haustüre oder unter dem Stolleneingang vergraben werden. Die Fiestas, oft die einzige Abwechslung zum alltäglichen Leben, werden ausgiebig zelebriert. Karneval ist eines der wichtigsten Feste des Jahres. In traditionellen Trachten findet der Umzug beim „Carneval de los Mineros“ in Potosi statt, bei dem Volkstänze aufgeführt werden, die aus dem Leben der Menschen erzählen. Wasserbomben werden ziellos in die Menge der Zuschauer geworfen.

Für einige Tage sind Mühen und Armut vergessen, es wird getanzt, getrunken und gegessen und meist geht ein erheblicher Teil der Ersparnisse in die Finanzierung von Kostümen oder Festessen. Die Bolivianer sind leidenschaftliche Tänzer und sie lieben ihre Musik. Es gibt eine Vielzahl an Tänzen, die ganz unterschiedliche Geschichten erzählen.
Der Tinku, eine der wildesten Formen des tänzerischen Ausdrucks, wird in Betanzos in der Nähe von Potosi getanzt. Auch hier spielt die blutdurstige Pachamama eine wesentliche Rolle. Geschützt durch Helme aus Kuhleder, die an die Kopfbedeckung der spanischen Soldaten erinnern, gehen die Tänzer mit Fäusten und Steinen aufeinander los. Es muss Blut fließen, damit Pachamama im nächsten Jahr wieder für eine gute Ernte sorgt. Und dafür wird auch der Tod von Teilnehmern in Kauf genommen. Die meiste Zeit jedoch ist das Leben der Potosinos bestimmt von harter Arbeit und Entbehrungen. Die Temperaturen klettern in den Hochebenen des Altiplano nicht über 25 Grad, in der Nacht ist es bitterkalt und die ärmlichen Häuser aus Adobe (Ziegel aus Lehm und Sand) sind unbeheizt. Die Sonne brennt erbarmungslos und färbt die Wangen der Bauern auf dem Feld schwarz. In diesen Höhen gedeihen nur Mais, Kartoffeln und Quinoa, eine uralte Kulturpflanze der Inka.
Arbeit ist das ganze Leben
Wichtigste Einnahmequelle ist und bleibt aber der „Cerro Rico“. Die Mineros kriechen tagtäglich in die engen Schächte, in denen Temperaturen um die vierzig Grad herrschen und die Luft von Staub und giftigen Gasen verpestet ist. Die Feuchtigkeit tut ein übriges dazu, dass Minenarbeiter oft schon sehr jung nicht mehr arbeitsfähig sind oder schwer erkranken.

Unter den Mineros sind viele Kinder und Jugendliche, die in den engen Schächten schuften. In den Stollen sitzen schaurige Gestalten, ausgestattet mit Kuhhörnern und erigiertem Penis – die „Tios“ (Onkel). Sie haben die Aufgabe, die Mineros vor den Gefahren in der Mine zu beschützen und werden mit Zigaretten, Koka und Schnaps bestochen. Neben Dynamit und Gaslicht sind das auch die wichtigsten Utensilien in den Minen. Koka wird gegen Hunger und Müdigkeit gekaut und jeder Minero hat die Backen voll mit dem grünen Blätterbrei. Ein Besuch der Minen ist nicht ganz ungefährlich: Die Stützbalken sind oft morsch, unter Bretterböden geht es in die Tiefe, die giftigen Dämpfe und der Staub in der Luft machen das Atmen schwer.
Der zermürbende Kampf für ein besseres Leben dauert seit Generationen an, die Herrscher haben gewechselt, die Unterdrückung ist geblieben. Die Resignation lässt sich in vier Worte fassen: „Asi es la vida“ – so ist das Leben.
INFO BOLIVIEN Anreise Mit Swiss von Wien nach Zürich, dann mit American Airlines nach Miami, von dort nach La Paz, Bolivien. Von La Paz fahren verschiedene Buslinien („Flotas“) nach Potosí. Die Fahrt dauert zwischen acht und zwölf Stunden.
Einreise EU-Bürger dürfen sich ohne Visum bis zu drei Monate in Bolivien aufhalten, der Pass muss bei der Einreise mindestens sechs Monate gültig sein.
Währung 1 Boliviano = 0,09373 Euro, 1 Boliviano = 100 Centavos.
Gesundheit Keine Impfungen nötig. Höhenunterschiede bedenken, eine Reiseversicherung wird empfohlen.
Autor/in: Miriam Harmtodt
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