|
Tobago ist ein Naturparadies mit prächtigen Palmenstränden, unberührtem Regenwald und einem zwölf Quadratkilometer großen Korallenriff.
Renaldo Roberts schaltet den Außenbordmotor ab und lässt das Glasbodenboot auf dem türkisblauen Wasser treiben. "In den Küstengewässern Tobagos sind mehr als 1000 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen", sagt er, während die Urlauber durch das schmale Bodenfenster auf die Korallen des Buccoo-Riffs schauen. "Sehen Sie dort den blauen Fisch? Das ist ein Papageifisch."
Renaldo Roberts ist Fremdenführer auf Tobago. Zwei Mal täglich fährt er mit seinem Ausflugsboot vom Anleger des palmengesäumten Traumstrands Pigeon Point hinaus zum Buccoo-Riff, um einigen europäischen und amerikanischen Urlaubern in Badelatschen, Shorts und T-Shirts den zwölf Quadratkilometer großen Korallengarten vor der Südwestküste zu zeigen.
Am Schlepptau durch das Karibikwasser
"Was wir jetzt machen, nennen wir ,easy snorkeling' ", kündigt der 34-jährige Tobagonier an - und wenige Minuten später hängen die meisten Urlauber samt Taucherbrille und Schnorchel am fünfzig Meter langen Schlepptau des Bootes, um sich ganz langsam durch das badewannenwarme Karibikwasser ziehen zu lassen: Ohne Anstrengung geht es über die Hügellandschaft der Kaktus-, Golfball-, Stern- und Elchhornkorallen hinweg, vorbei an gelben Röhrenschwämmen, orangen Seesternen, kleinen Korallenkrebsen und einigen Doktorfischen.
Immer wieder zeigen sich die aalförmigen Trompetenfische und blau-gelb gestreiften Grunzerfische zwischen den Korallen, gelegentlich auch einzelne Papageifische und Französische Engelsfische - bis der eigene Kopf an die Hand von Renaldo Roberts stößt.

"Willkommen daheim", sagt er grinsend über den Rand des Bootes gebeugt, bevor er das restliche Schlepptau einholt. Seit Jänner 2001 leitet Renaldo die zweistündigen Schnorchelausflüge für die Firma "Power Water Sports" am idyllischen Palmenstrand vom Pigeon Point - der berühmten Kulisse für Bacardi-Werbespots, Modefotografien und Kinofilme wie "Der Seemann und die Nonne" mit Robert Mitchum und Deborah Kerr.
Der anderthalb Kilometer lange Strand mit seinen Bars, Picknickpavillons und Souvenirläden ist das Wahrzeichen Tobagos - und ein Touristenmagnet: 12.000 deutschsprachige Urlauber kamen im vergangenen Jahr auf die 48 Kilometer lange Karibikinsel, um Sonnenbäder zu nehmen, am Korallenriff zu schnorcheln, den karibischen Karneval kennen zu lernen und die Hafenstadt Scarborough mit ihrer kanonenbewehrten Festung "Fort King George" zu erkunden.
Wassersportler können am Pigeon Point für eine Hand voll Dollars Surfboards ausleihen, Kajak fahren und Tauchstunden nehmen, bevor sie Sonntagabends mit vielen anderen Urlaubern in die fünf Kilometer entfernte Buccoo-Bucht pilgern, um die legendäre "Sunday School" zu besuchen - eine riesige Strandparty mit hunderten Besuchern, farbenfrohen Cocktails und reichlich Steelband-Musik bis in den Morgen.

"Haben Sie die Meeresschildkröte gesehen?", fragt Renaldo Roberts auf dem schwankenden Glasbodenboot. Doch die meisten Urlauber schütteln den Kopf. "Meeresschildkröten kommen zur Eiablage nach Tobago, zum Beispiel die Lederschildkröten. Sie werden zwei Meter lang und wiegen bis zu 500 Kilogramm. Urlauber können sie von März bis August an den Stränden der Stone-Haven- sowie Great-Courland-Bucht beobachten", erklärt Roberts.
Beliebt seien auch Wandertouren durch das älteste Regenwald-Reservat der westlichen Welt: Im schwül-warmen Dschungel des 1765 eingerichteten, 5600 Hektar großen "Tobago Forest Reserve" wurden allein 120 Schmetterlings- und 180 Vogelarten gezählt. Unter anderem Tukane, Papageien, Kolibris und Chacalacas - die fasanenartigen Nationalvögel Tobagos.
Riesenrochen und Hirnkorallen
"Ich bin dort schon mehrmals gewandert, aber mir gefallen die Strände und Korallenriffe besser", gesteht unser Fremdenführer. "Im Atlantikwasser Tobagos können Urlauber nicht nur riesige Rochen entdecken, sondern auch eine der weltgrößten Hirnkorallen - mit fünf Metern Durchmesser und vier Metern Höhe", betont er voller Stolz. Dann setzt er seine Sonnenbrille auf, zieht mit einem gekonnten Ruck an der Reißleine des Außenbordmotors und steuert das schwere Glasbodenboot mit lautem Knattern über die flachen Wellen zum Nylon Pool - einer fünfzig Meter langen Sandbank mit äußerst beliebter Badestelle.

"Man sagt, Frauen würden durch ein Bad im Nylon Pool zehn Jahre jünger", sagt Renaldo Roberts, während die Augen einiger Urlauberinnen zu leuchten beginnen. "Und was passiert mit den Männern", fragt eine. "Die werden zehn Jahre weiser", ergänzt er lächelnd.
INFO TOBAGO Einreise Für Österreicher besteht keine Visumpflicht bei Aufenthalt bis drei Monaten. Der Reisepass muss mindestens sechs Monate gültig sein, das Einreiseformular wird im Flugzeug ausgefüllt.
Anreise Der internationale Flughafen in Crown Point (TAB) wird u.a. von Lauda Air, British Airways, American Airlines und Condor angeflogen. Die Flugdauer beträgt zehn bis zwölf Stunden.
Klima Es herrscht tropisches Klima mit ganzjährig sommerlichen Temperaturen von 28 bis 35 Grad Celsius. Die Trockenzeit dauert von Jänner bis Mai. In der Regenzeit gibt es oft nur einen kurzen Tropenschauer am Tag.
Schnorcheln, Tauchen Riff-Schnorcheln mit "Power Water Sports" ab Pigeon Point, Tel. (001) 639 0241, 15 US$ (englischsprachig). Tauchen mit "Extra Divers", Pigeon Point Road, Tel. (001) 639 7424, www.extra-divers.de (deutsche Leitung); oder mit den "Manta Divers", Pigeon Point Road, Tel. (001) 639 9969, www.mantadive.com (deutschsprachig).
Währung Landeswährung ist der "Trinidad & Tobago"-Dollar (1 US$ = 6 TT$). US-Dollar werden oft akzeptiert, Kreditkarten nur in guten Hotels. Geldautomaten sind rar.
Auskunft Tourist Office Trinidad and Tobago, Bahnhofsplatz 4, D-55116 Mainz, Telefon0049-6131-73337; www.visitTNT.com.
Autor/in: MARTIN SEGER
© SN

|