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Mit dem Erdöl kamen der Reichtum, der Tourismus und eine rasch wachsende Einwohnerzahl. Die Vereinigten Arabischen Emirate boomen.
Wohnten bei der Gründung 1971 nur rund 180.000 Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, so sind es heute bereits über vier Millionen - Tendenz steigend. Die Bevölkerungszahl der Emirate gehört zu den am schnellsten wachsenden der Welt.
Verantwortlich für diesen rasanten Anstieg sind vor allem ausländische Gastarbeiter - sie machen etwa 80 Prozent der Einwohner aus und erbringen den größten Teil der Wirtschaftsleistung. Die meisten von ihnen kommen aus den Ländern des indischen Subkontinents, Südostasien und Europa. Sie dürfen weder Land noch Immobilien besitzen - Ausländer sind in den Arabischen Emiraten auf unbestimmte Zeit rechtlos.
Nur gebürtige Emiratis sollen vom Reichtum des Landes profitieren, so lautete die Philosophie von Scheich Zayed, der vor 35 Jahren die sieben Emirate Dubai, Sharjah, Abu Dhabi, Ras al-Khaimah, Umm al-Quaiwain, Ajman und Fujairah zu einer Föderation vereinte.
Zu den Privilegien der Einheimischen zählen unter anderem das Recht auf Land, kostenlose Ausbildung und medizinische Versorgung und die Befreiung von der Steuerpflicht. Kommt es zu einer Hochzeit, erhält die neue Familie von der Regierung ein schmuckes Haus und eine satte Mitgift zur Verfügung gestellt. Die österreichische Bildungs- und Familienpolitik wirkt angesichts solch paradiesischer Zustände beinahe lächerlich.
Trinkwasser ist teurer als Benzin
Dafür haben wir Österreicher Regen. Den gibt es in den Arabischen Emiraten nur ein Mal pro Jahr - wenn überhaupt. Das Land besteht - mit Ausnahme der Städte - vollständig aus Sandwüste. Dennoch werden stolze 503 Liter Wasser pro Kopf verbraucht. Zum Vergleich: In Österreich beträgt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch rund 130 Liter.
Brunnen sind in den Emiraten ein Zeichen für Reichtum - denn wer es sich leisten kann, Wasser einfach so sprudeln zu lassen, muss wohlhabend sein. Über 75 Prozent des Gesamtwasserbedarfs stammen aus Anlagen, die Ozeanfluten entsalzen. Ein großer Teil des Abwassers wird aufbereitet. So verwundert es nicht, dass ein Liter Wasser genauso teuer - oder günstig - wie ein Liter Benzin ist.
Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Föderation und das reichste Emirat. Der Grund dafür ist simpel: Abu Dhabi besitzt das meiste Öl - Schätzungen zufolge rund fünf Prozent der Weltgas- und zehn Prozent der Weltrohölreserven. Im Gegensatz zu den übrigen Emiraten gibt es hier auch für ausländische Investoren verlockende Privilegien: So müssen viele Firmen bis zu zwanzig Jahre keine Steuern bezahlen. Darüber hinaus dürfen sie in Abu Dhabi Wohnungseigentum erwerben, was sonst in keinem Emirat möglich ist - fantastische Bauprojekte wie "The World", eine Nachbildung des Planeten Erde aus Sand, oder "The Palm", gewaltige, palmenförmige Inselanlagen in Dubai, ausgenommen.
Hier findet nämlich zunehmend eine Lockerung der Regelungen statt und die Prominenz schlägt zu: Boris Becker und Rod Steward sollen sich angeblich schon auf dem Stamm der Palme eingekauft haben.
Die Gründung Abu Dhabis geht auf eine Legende zurück. Im 18. Jahrhundert wurde die Insel durch Zufall von Jägern aus Liwa entdeckt. Sie folgten einer Gazelle bis hin zu einer der zahlreichen Sandinseln vor der Küste des Arabisch-Persischen Golfs. Dort beobachteten sie die Gazelle beim Trinken aus einer Süßwasserquelle. Die Gazelle wurde getötet und um die besagte Quelle ein Fort errichtet, das für fast 200 Jahre Herrschersitz der regierenden Familie Al Bu Falah wurde. Der Gazelle zu Ehren wurde die Insel Abu Dhabi - "Vater der Gazelle" - getauft.
Heute ist Abu Dhabi eine moderne Metropole und unbestrittenes politisches und wirtschaftliches Zentrum. Nach und nach tritt es aus dem Schatten seines schillernden Bruders Dubai. Sein wirtschaftliches Einkommen ist durch das Öl für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Auch touristisch mausert sich das Emirat immer mehr - angetrieben durch einen ständigen Wettbewerb zum Nachbar-Emirat.
Wer hat das beste, teuerste und luxuriöseste Hotel? Abu Dhabis Antwort auf Dubais Siebensternehotel Burj Al Arab in Form eines aufgeblähten Segels, das mit einer Höhe von 320 Metern imponiert, ist das immerhin Sechssternehotel Emirates Palace, das mit einer Länge von einem Kilometer und 114 beleuchteten Kuppeln überzeugt.
Aber Abu Dhabi hat mehr zu bieten als das Emirates Palace. Auf Grund seiner üppigen Grünflächen gilt es sogar als die schönste Stadt am arabischen Golf. Zwischen unzähligen modernen Gebäuden im Stadtzentrum ziehen sich immer wieder saftig grüne Alleen.
Scheich Zayed hatte schon sehr früh begonnen, große öffentliche Parkanlagen zu installieren. Er wollte ein "grünes Emirat" schaffen. Heute schmückt sich die Hauptstadt mit dem Beinamen "Gartenstadt am Golf". Abends finden sich ganze Familien in den Parks oder - für Europäer eher verwunderlich - auf begrünten Verkehrsinseln oder Grünflächen am Straßenrand zum gemütlichen Beisammensein ein. Am Strand verläuft die acht Kilometer lange Corniche - die Strandpromenade -, an der seit 2003 weiter Land gewonnen wird. Für Urlauber besonders attraktiv ist das Nordende, wo sich das Stadtzentrum mit zahlreichen Geschäften und Shopping-Malls befindet.
130 Kilometer östlich von Abu Dhabi liegt die prächtige Oasenstadt Al-Ain, der Geburtsort von Scheich Zayed. Hier lohnt vor allem ein Besuch des letzten Kamelmarkts der Emirate, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und das ursprüngliche Abu Dhabi zu spüren ist.
Wochenende wurde "verwestlicht"
Durch das Aufkommen der Autos verloren die Kamele nach und nach ihre praktische Bedeutung - als Statussymbol werden sie aber weiterhin gerne gehalten. Besonders geschäftig war das Treiben immer donnerstags und freitags - dem bisherigen Wochenende in den Emiraten.
Ab dem 1. September 2006 verlegten die geschäftstüchtigen Emiratis das Wochenende jedoch auf Freitag und Samstag. Man erhofft sich damit eine zusätzliche Belebung der Wirtschaft und eine Anpassung an den westlichen Rest der Welt. Was wir daraus lernen? In den Arabischen Emiraten ist alles möglich.
INFO EMIRATE Auskünfte Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, Peter-Jordan-Straße 66, A-1190 Wien, Tel. 01/368 14 55, Fax: 01/368 44 85.
Veranstalter Ruefa Reisen bietet ab 975 Euro eine siebentägige Sternfahrt in die Vereinigten Arabischen Emirate an, Linienflug Wien-Abu Dhabi-Wien mit China Airlines inklusive. Weitere Infos im Reisebüro oder auf www.ruefa.at.
Klima Die beste Reisezeit ist von Oktober bis Mai. Von Juni bis September ist es am heißesten. Niederschläge sind sehr selten.
Autor/in: TINA EDER
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