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Ein Berg von 1085 Metern Höhe war einst der "Sparrings-Partner" für Everest-Bezwinger Edmund Hillary - es ist der Snowdon in Wales.
Sind britische Berge eine Lachnummer für Alpin-Ösis? Mitnichten. Zwar können die Erhebungen des Inselreiches an Höhenmetern mit Glockner, Wildspitze, Venediger und Co. nicht mithalten, unterschätzen sollte man britische Berge aber nicht. Die Schotten haben mit dem Ben Nevis (1344 Meter) den höchsten Berg Großbritanniens. Unser Ziel galt aber dem Snowdon - dem Dach von Wales.
Dieser Berg ist 1085 Meter hoch und liegt im nördlichen Teil des Landes. Gemütlichere Naturen können ihn sogar per Zahnradbahn bezwingen. Doch der Aufstieg über den Ostkamm lässt erahnen, warum der Berg in der Sprache der Waliser "Yr Wyddfa" heißt. Das bedeutet "Das Grab".
Soweit soll es wohl nicht kommen. Voraussetzungen für einen Gipfelsieg sind aber Kondition, alpine Ausrüstung und Trittsicherheit. Die Wege auf den aus Schiefer bestehenden Berg sind verkarstet, verwittert und oft steil. Zwischen 700 und 800 Höhenmeter sind zu überwinden (bergab natürlich auch). Doch die Anstrengung lohnt. Der Snowdon bietet eine tolle Aussicht auf eine reizvolle Hügellandschaft und auch auf das Meer. An dieses wird man auch während des Aufstiegs erinnert. Zwischen das Blöken der Schafherden mischt sich immer wieder das gelächterartige Kreischen der Möwen.

An diese Aussicht und Geräuschkulisse wird eine Gruppe von Bergsteigern Anfang der 1950er Jahre nicht gedacht haben. Es war jene Gruppe um den Neuseeländer Sir Edmund Hillary. Sie trainiert auf dem "Miner's Track" den Anstieg zum Mount Everest. Der Snowdon entspricht etwa dem Everest im Maßstab 1:8. Expeditionsleiter John Hunt wollte im Jänner 1953 vor allem die Logistik des Everest-Gipfelsturmes erproben. Wer also den Snowdon achtmal besteigt, kann sich zumindest entfernt als Everest-Bezwinger betrachten. Irgendwie halt.
Nach dem Abstieg vom Snowdon sollte der Bergsteiger sich, seinen Knien und seinen Füßen eine Regeneration gönnen.
Prost heißt hier "Iechyd da!"
In den kleinen Städtchen im Nationalpark Snowdonia finden sich zahlreiche Möglichkeiten zur Einkehr. In den Pubs prosten sich die Menschen übrigens meist mit dem englischen "Cheers" zu. Nur noch etwa 20 Prozent der walisischen Bevölkerung verwenden die alte Sprache im Alltag, im Norden sind es jedoch mehr. "Cheers" würde "Iechyd da" bedeuten (wörtlich übersetzt heißt es "Gute Gesundheit").
Wales selbst heißt Cymru. Dieses Kymrische ist eine keltische Sprache. Der Name Wales hingegen kommt aus dem angelsächsischen bzw. germanischen ("welsch"). Die Einheimischen waren für die Eroberer aus dem Osten nämlich die "Fremden". Und auch in Westösterreich und in Südtirol gibt es ein ähnliches Wort mit der selben Bedeutung. Mit den "Walschen" sind dabei meist die Italiener gemeint. Als liebevoll kann man diesen Begriff aber nicht werten.
Und auch zwischen den Walisern und den Engländern stand es nicht immer zum Besten. Wales verlor im 13. Jahrhundert seine Unabhängigkeit. Llywelyn ap Gruffydd ( 1281) war der letzte walisische Herrscher von Wales. Seine Truppen wurden von jenen des englischen Königs Edward I. besiegt. Edward ließ am 10. Mai 1301 seinen gleichnamigen Sohn zum "Prince of Wales" (Fürst von Wales) krönen.
Um die Entstehung des Titels rankt sich folgende Anekdote: Nach Ende des Krieges soll Edward einige walisische Adelige in die Burg nach Caernarfon eingeladen haben. Dort fragte er die von ihm mit reichlich Wein bewirteten Gäste, ob sie einem Fürsten gehorchen wollten, der kein Wort Englisch spreche. Die Angetrunkenen stimmten zu, Edward wies auf seinen neugeborenen Sohn: "Das ist euer Mann."
21 männliche englische Thronfolger trugen seither diese ohne Regierungsfunktion verbundene Würde. Zuletzt wurde Charles Phillip Arthur George Mountbatten-Windsor am 1. Juli 1969 dieser Titel verliehen. Die feierliche Zeremonie fand in der Burg von Caernarfon statt. Prince Charles mag vielerorts belächelt, mitunter sogar bedauert werden. Er ist allerdings der erste "Prince of Wales", der tatsächlich walisisch, pardon: cymraeg, spricht.
Ein Nonsens-Name machte Dorf bekannt
Heute erscheint das Verhältnis Waliser - Engländer weitgehend entkrampft. Während der Fußball-WM hingen zahlreiche Fahnen mit dem St.-Georgs-Kreuz aus walisischen Fenstern. Das rote Kreuz auf weißem Grund flatterte auch auf vielen Autos.
Und zweisprachig sind die Ortstafeln allemal. Der berühmteste walisische Ortsname ist sogar mit einer englischen phonetischen Aussprachehilfe versehen: Llanfairpwllgwyngyllgogerych-wyrndrobwllllantysiliogogogoch (Llan-vire-pool-guin-gill-go-ger-u-queern-drob-ooll-llandus-ilio-gogo-goch).
Der Name bedeutet "Marienkirche in einer Mulde weißer Haseln in der Nähe eines schnellen Wirbels und in der Gegend der Thysiliokirche, die bei einer roten Höhle liegt". Ein Nonsens-Name? Nun, ein pfiffiger Waliser war im 19. Jahrhundert auf die Idee gekommen, ein verschlafenes kleines Nest auf der Insel Angelsey mit einem 58 Buchstaben umfassenden Wortungetüm berühmt zu machen. Der Plan ging auf, aus dem Dörfchen wurde ein aufstrebender Touristenort, der Gemeindename auf dem Bahnhofsgebäude ist das Foto-Highlight eines Wales-Urlaubs.
INFORMATION Reisezeit Frühsommer bis Frühherbst. Beim Wetter sollte man zumindest vorsichtshalber immer mit Regen rechnen.
Preise Großbritannien ist grundsätzlich kein billiges Urlaubsland, der Teilstaat Wales macht dabei keine Ausnahme. Die günstigsten Übernachtungsmöglichkeiten bieten die "Bed & Breakfast"-Pensionen.
Internet Allgemeine Informationen: www.visitwales.com Wanderungen, Ausflüge: www.edgeofwaleswalk.co.uk Nationalpark: snowdonia-npa.gov.uk Regierung: www.wales.gov.uk Prince Charles: www.princeofwales.gov.uk
CHRISTIAN SPRENGER
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