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Nach Jahrzehnten der Abschottung ist Libyen erst seit kurzem wieder einfach für Touristen zugänglich. Eine Reise in den Wüstenstaat lohnt sich.
Man könnte glauben, wir lebten auf einem Wüstenplaneten", bemerkte jemand in der Reisegruppe am vierten Tag der Geländefahrt entlang der libysch-algerischen Grenze. Nichts als Wüste zwischen Ghadames und Ghat - Steppenwüste, Steinwüste, Schotterwüste, Kieswüste, Sandwüste. Alles in allem eine anschauliche Einführung in die Vielfalt der Sahara-Landschaften, in räumliche Dimensionen, von denen Wüstenliebhaber zeitlebens träumen. Spektakuläres sollte folgen: Ein Unesco-Weltkulturerbe und die rätselhaften Mandara-Seen.
Anfänge menschlicher Kultur
Es war der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth, der um 1850 einen großen Teil der prähistorischen Tierzeichnungen, Gravuren und Malereien im Fessan, Libyens südlicher Provinz, entdeckte. Kommt man von Ghat, dem einst bedeutenden Kreuzpunkt des Karawanenverkehrs, beeindruckt zunächst die Landschaft des Akakus-Gebirges: Imposante Felsgruppen und Tafelberge, von Wasser, Wind und Sand gestaltet, Sandverwehungen, die wie Meereswellen gegen Felswände prallen.
In einem wildromantischen Seitental, unweit eines gewaltigen Natursteinbogens, wird übernachtet. Wie jeden Abend nach dem Essen stimmen einige Reiseteilnehmer am Lagerfeuer gutturale Gesänge an. Kein Alkohol ist im Spiel, auch Touristen unterliegen dem totalen Alkoholverbot. Umso mehr wird Tee genossen, ebenso das urige Ritual des Teezubereitens. Hin und wieder entzückt eine Sternschnuppe am funkelnden Firmament. Mondnächte wie bei Eichendorff: "Es war, als hätte der Himmel die Erde still geküsst." Am nächsten Morgen berichten die Fahrer einer anderen Reisegruppe, sie hätten Gazellen gesehen - das Wild in der Sahara hat sich rar gemacht. Viel größer ist die Zahl von Abbildungen an Felswänden und in Höhlen. Zwei Tage vergehen mit Geländefahrten und Fußtouren zu Fundstellen. Hunderte Felsmalereien und Gravuren führen den Weithergereisten vor Augen, dass die Sahara einst eine Grünzone mit einer vielfältigen Tierwelt war. An glatt gespülten Sandsteinwänden haben steinzeitliche Jäger teils ungelenke, später feinere Darstellungen von Antilopen, Affen, Giraffen, Mufflons, Meerkatzen, Büffeln, Pferden, Straußen und Kamelen angebracht.
Man hat die Felsbilder in verschiedenen Perioden eingeteilt. Bis auf siebentausend Jahre vor Christus gehen die Schätzungen zurück. Manche Malereien sind so farbenfrisch, als seien sie erst vor kurzem entstanden. Die schönsten Bilder sind im Wadi Mathendous zu bewundern. Neben Tieren sind Menschen abgebildet - Jäger, Krieger, Jagdszenen, Tänzerinnen, Fruchtbarkeitsrituale. Die Interpretation der Bilder ist dem Betrachter überlassen. Wir stehen hier nicht vor Schöpfungen einer Hochkultur, vielmehr vor dem rührenden Versuch, sich mitzuteilen, einem Kult, einer Beschwörung Ausdruck zu geben, dem Schönen und Abenteuerlichen nachzuspüren, künstlerische Impulse in beschwingte Bilder umzusetzen. Wir erhalten Einblicke in die Anfänge menschlicher Kultur.
Ein Meer ohne Wasser
Bahr bela mar, "Meer ohne Wasser", nennen die Araber die Wüste. Durch diese uferlose Weite aus Sand und Stein zogen die Pilgerkarawanen von Timbuktu nach Mekka. Unter dem Wüstenboden entdeckten Geologen nicht nur immense Erdöllager, sondern auch eine gewaltige Wasserblase. Die Erdölausbeute hat Libyen von vielen Sorgen befreit, immer mehr Mittel werden in landwirtschaftliche Projekte gesteckt, um das Vordringen der Wüste aufzuhalten und neue, künstliche Oasen entstehen zu lassen.
Im Sandmeer von Ubari erwartet Libyen-Besucher ein Wüstenwunder, das von Reiseveranstaltern als "das absolute Highlight" gepriesen wird - die Mandara-Seen. Die wüstenerprobten Fahrer lassen sich nur zu gern auf ein Crossrennen ein, sie rasen ebenso forsch wie feinfühlig auf Dünenkämme zu, setzen zurück, wenn sie am Hang versanden, nehmen in weitem Bogen einen zweiten Anlauf und genießen den Überraschungseffekt, wenn sich der Albtraum in ein Märchenbild verwandelt: Wie eine Fata Morgana liegt ein See, umgeben von Palmen und Schilf, zwischen den Sanddünen.
Es gibt zwei Dutzend Seen in der Sandwüste zwischen Ubari und Sebha. Erst 1852 wurde der Mandara-See entdeckt - sein Name wurde zum Sammelbegriff. Wie ein artesischer Brunnen wird er durch Überdruck des Grundwassers gespeist. Den Wüstenfahrern bietet er derzeit einen weniger berauschenden Anblick als die Nachbarseen: Er ist ausgetrocknet, sein Grundwasserspiegel ist gesunken. Ein Spaziergang um den See kann tragisch enden: "Flüssiger Sand" an den Steilhängen droht den Ahnungslosen in den Salzsumpf hinabzuziehen.

Zu einem puren Vergnügen wird der Nachmittag am Gabrun-See - er erreicht eine Tiefe von 26 Metern und reflektiert den Wüstenhimmel in lieblichem Blau. Sein starker Salzgehalt bewahrt Badende vor der überall in Afrika auftretenden Wurmkrankheit Bilharziose, aber auch vor dem Ertrinken. Selbst als Nichtschwimmer könnte man sich bequem in der Horizontalen treiben lassen. Geht man hingegen in die Vertikale, erlebt man eine Umkehrung eines physikalischen Gesetzes: Unter den Füßen wird das Wasser unerträglich heiß. Die Regel, wonach warmes Wasser nach oben treibt, trifft auf die Seen von Mandara nicht zu.
WEITERE INFORMATIONEN: Volksbüro (Botschaft) der Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija, Blaasstraße 33, A-1190 Wien, Fax 01/367 76 01, Tel.: 01/367 76 39, E-Mail: libyanbureau@compuserve.com.
Autor/in: HANS DIETER KLEY
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