|
Käse, Heidi, Schokolade - aber nicht nur. Reden wir zur Abwechslung vom Eisenbahnnetz, dem Geschick der Tourismusmanager und den öffentlichen Kunstsammlungen.
Der Bürgermeister der Bundeshauptstadt Bern hat kein Dienstauto und folglich auch keinen Chauffeur - da staunt der Besucher aus Österreich etwas. "Für längere Dienstfahrten gibt es die Bahn", erklärt die Fremdenführerin, "und für kürzere Fahrten diesen Roller." Sie zeigt auf das Motorrad, das vor dem Amtssitz geparkt ist. Typisch Schweiz: Macht und Privilegien hat man vielleicht - aber man hat nicht damit zu prunken. Und als Volksvertreter schon gar nicht.
Nicht nur der Bürgermeister fährt Roller, auch die Bern-Führungen finden, so man es wünscht, auf zwei Rädern statt - mit robusten Tretrollern. Die sind bei den Schweizern als fitnessförderndes Fortbewegungsmittel sehr beliebt und heißen hier "Trottinettes".
51.000 Bahnkilometer
Wer in die Schweiz fährt, kann das Auto getrost zu Hause lassen. "Trotti" und "Velo" sind ideal, um die Städte zu erkunden - und zum Kennenlernen des Landes hat man 51.000 Kilometer Eisenbahn zur Verfügung, eines der dichtesten Bahnnetze der Welt.
Die Intervalle sind kundenfreundlich, die Pünktlichkeit - wie könnte es anders sein - typisch schweizerisch, die Züge sauber (die 1. Klasse der SBB erreicht geradezu Reinraum-Güte). Neben den SBB existieren übrigens noch viele Privatbahnen, die dafür sorgen, dass auch noch die kleinsten Täler per Zug zu erreichen sind.
Die zwei berühmtesten Strecken der Schweiz sind jene des "Glacier-Express", der zwischen Zermatt und Davos 291 Brücken und 91 Tunnel passiert und der den gleichnamigen Pass überquerende "Bernina-Express" von St. Moritz nach Tirano. Attraktiv sind aber auch die Panoramazüge der Goldenpass-Linie von Zürich über Interlaken nach Montreux.

Von derselben Gesellschaft wird auch eine Zahnradbahn betrieben, die auf den Gipfel der Rochers-de-Naye führt, den Hausberg der Genfer. Eine Stunde lang klettert der Zug die Bergstrecke hinauf, vorbei an dem Örtchen Caux, in dem Kaiserin Elisabeth wohnte, nachdem es ihr in Genf zu bunt geworden war und von wo aus nach dem II. Weltkrieg die "Moralische Aufrüstung" ihrer Briefmission begann. Nicht nur Wandern kann man hier am Gipfel und den Ausblick über den Genfer See und die Alpen genießen, sondern auch Murmeltiere in freier Wildbahn beobachten - im "weltweit einzigen Murmeltierreservat". Man kann aber auch in "original mongolischen Jurten" übernachten und am Morgen neben der Stupa, errichtet von den Mönchen des tibetisch-buddhistischen Klosters Vevey, die aufgehende Sonne und den Mont Blanc begrüßen.
Auch das ist eben typisch Schweiz: Diese Tüchtigkeit im Vermarkten der landschaftlichen und kulturellen Schätze. Da outet sich etwa das aus dem 12. Jahrhundert stammende Schloss von Gruyères bzw. Greyerz (aus der Region stammt der gleichnamige Hartkäse) im Kanton Freiburg als Ausstellungsort für Fantasy-Künstler aus der ganzen Welt. Und auch ein HR-Giger-Museum mit Giger-Bar gibt es in Gruyères - der in Chur geborene Alien-Erfinder und Oscar-Preisträger hat sich im Gemäuer zwecks Präsentation seines nekrophilen Lebenswerks und seiner Privatsammlung fantastischer Kunst eingenistet.
Schloss Greyerz: Käse und Grusel
Das Lebenswerk eines weitaus weniger düsteren Künstlers wird in Bern seit einem Jahr mit großem Erfolg vermarktet: Das "Zentrum Paul Klee", eine Heimstatt für 4000 Werke des Malers, der in Bern seine letzten Lebensjahre verbracht hat, zieht Besucher aus aller Welt an - schon allein wegen Renzo Pianos spektakulärer Architektur.
Damit wären wir bei einer weiteren landestypischen Eigenschaft: In der Schweiz wurde von den Reichen immer mit Leidenschaft Kunst gesammelt. Das hat mit dem schon eingangs erwähnten typisch schweizerischen Understatement zu tun.
Man prunkte hier nie gerne mit Palästen, sondern investierte lieber diskret in Rembrandts, Rodins und Picassos. Später, wenn dann die Sammlung riesengroß geworden war und die Erben begehrlich, schenkte man sie der Öffentlichkeit. So punktet heute die Stadt Basel mit der Fondation Beyeler als größter Picasso-Sammlung außerhalb von Paris. Die Fondation ist allein schon eine Schweizreise wert, wie auch das Kunstmuseum mit den "Bürgern von Calais". Man muss ja nicht gerade zur "Art Basel" im Juni ankommen - wenn nämlich jedes Hotel- und Notbett garantiert belegt ist.
REISELAND SCHWEIZ Railtours Austria bietet Reisen in die Städte Bern und Basel im Rahmen des Programms "Städtelive 05/06". Eine Fahrt nach Bern (inklusive Übernachtung) gibt es ab 165 Euro, eine Zugfahrt nach Basel plus Nächtigung ab 173 Euro pro Person. Kataloge und Buchungen in jedem Reseibüro. Info: www.railtours.at.
Netzkarten Der Swiss Pass ist eine landesweite Netzkarte und gilt in vielen Städten zusätzlich für alle öffentlichen Verkehrsmittel. In der 2. Klasse ist man vier Tage um 161 Euro unterwegs, Kinder bis 16 sind frei. Beim Flexi Pass kann man drei bis acht Tage innerhalb eines Monats frei wählen. Drei Tage kosten 154 Euro, ab zwei Personen nur mehr 131 Euro. Buchungen bei Rail Tours Austria, beim Österreichischen Verkehrsbüro und in Bahnhof-Reisebüros.
Informationen und Prospekte erhalten Sie unter der Gratistelefonnummer 00800/100 200 30. Tipps & Hinweise auch auf www.myswitzerland.com.
Autor/in: GERT DAMBERGER
© SN
|