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Das Toraja-Hochland ist eine der schönsten Landschaften Indonesiens und Heimat des wohl berühmtesten Volksstammes von Sulawesi.
Dem Flugzeug von Bali kommend eben entstiegen, galt es eine zehnstündige Fahrt ins Land der Toraja zu überstehen. Kaum dass wir Ujung Pandang, die Hauptstadt Sulawesis, verlassen hatten, waren wir von den ersten landschaftlichen Eindrücken über die Maßen entzückt.
Unzählige Fischteiche, immer wieder durch kaum überblickbare Reisfelder getrennt, säumten den "Südsulawesi-Highway". Die auf Pfählen ruhenden Häuser der hier lebenden Buginesen fügten sich harmonisch in dieses Bild. Ihre seefahrerische Vergangenheit reicht weit zurück. Ursprünglich durch Piraterie, später verstärkt über ihre speziellen Fähigkeiten im Handel mit Waren in Erscheinung getreten, zählen sie zu den bekanntesten Seefahrervölkern Indonesiens.
Bald verloren wir die Küste begleitenden Mangrovenwälder aus den Augen, denn unsere Route führte dem Bergland entgegen. In ca. 1400 Metern Höhe zwang uns die Umgebung heimatliche Gefühle auf, mächtige Bergspitzen und steile Flanken stellten sich ein.
Umsiedlung als Entlastung für Java
Plötzlich befanden wir uns im Distrikt der Neusiedler. Das "Transmigrasi-Projekt" Indonesiens schien hier vortrefflich zu greifen. Mit diesem Projekt versucht der Staat eine Umsiedelungsaktion zu bewirken. Das von Menschen übersäte Java soll eine Entlastung erfahren. Vor allem die Außeninseln wie Sulawesi, Sumatra, Kalimantan und Irian Jaya werden dafür in Betracht gezogen. Zwei Hektar Land werden jenen, die sich dazu aufraffen können, in Sulawesi Fuß zu fassen, als Anreiz zur Verfügung gestellt. Die Rodung muss allerdings selbst durchgeführt werden, Geld für Haus und Gerätschaften sowie eine gesicherte finanzielle Versorgung für zwei Jahre werden von staatlicher Seite bereitgestellt. Die Kehrseite dieses gut gemeinten Projektes zeichnete sich auf dem Weg ins Toraja-Land bereits ab. Die gerodeten Flächen gaben nur ein paar Jahre vollen Ertrag, bald forderten die geringer werdenden Ernten zu neuerlichen Brandrodungen auf. Folglich wurden die alten Kulturflächen sich selbst überlassen und waren daher einer starken Erosion ausgesetzt.
In der Dämmerung erreichten wir endlich Rantepao, das in einem Hochbecken in einer Höhe von etwa 800 Metern liegt. Auf unserer ersten Tour wurden wir bei Lemo, im Süden des Hochtales, mit der eigenwilligen Hausarchitektur der Toraja konfrontiert. Es bedarf keiner allzu großen Fantasie, sich in der Dachform der Toraja-Häuser einen Schiffsbug vorzustellen. Der steile Anstieg des Dachfirstes zu beiden Enden hin, mit einer Einsenkung in der Mitte, ist für das extravagant erscheinende Satteldach schließlich verantwortlich. Vielfach ist man der Ansicht, in der Dachform komme die ehemals enge Verbundenheit dieses Volkes mit dem Meer zum Ausdruck. Das im Allgemeinen mit einem rechteckigen Grundriss versehene Haus ist zur Gänze aus Holz gefertigt. Besonders prächtige Häuser, die Tongkonan, die zusätzlich noch reiche Verzierungen aufzuweisen haben, sind meistens auch Sitz eines Clans. Die Büffelhörner, die so manchen Giebel zieren, sind Symbole der Ahnenverehrung und Insignien für Prestige und Wohlstand der Familie. In Tampang Alo konnten wir einen 400 Jahre alten Hof, der mit über 100 Büffelhörnern bestückt war, ausfindig machen. Die Tiere wurden bei diversen Totenfeiern geopfert. Festivitäten solcher Art beginnen allerdings erst Ende August, wenn die Reisernte eingebracht ist.
In der ersten Augusthälfte, als wir das Land bereisten, hatte die Ernte bereits eingesetzt. Wochenlang verbringen die Familien ihre Tage auf den Feldern. In Suaya wurden wir Zeugen, wie langwierig und mühsam eine derartige Ernte vor sich gehen kann. Nach alter Tradition und im Glauben, der Reis sei ein beseeltes Wesen, werden die Reishalme einzeln, aus Ehrfurcht vor der Reisgöttin Dewi Sri, mit einem verdeckt gehaltenen Messer geschnitten. Im Orte Nanggala war man mit der Ernte schon ein Stück weiter. Der Reis war gedroschen und lag auf großen Planen am Rande der Wege zum Trocknen auf.
Unweit des Dorfes führte unser Weg an einem Baumgrab vorbei. Für diese Art der Bestattung suchen die Toraja weit ausladende Bäume, in der Regel Banyan- oder Ficusbäume. Totgeborene, kranke und missgebildete Kinder werden, solange sie noch zahnlos sind, den Bäumen in eigens vorbereiteten Nischen, die anschließend mit Wachs und Bast versehen werden, übergeben. So wird das Kind der Natur zurückgegeben und wächst mit dem Baum nach oben, also himmelwärts.

Über 70% der Toraja sind dem Christentum zuzuordnen, können aber bis heute ihre traditionelle Aluk-Todolo-Religion noch immer nicht gänzlich vergessen, was wohl am besten in den mit Tieropfern verbundenen Totenfeiern zum Ausdruck kommt. Denn nach Ansicht der Toraja begibt sich die Seele des Verstorbenen erst nach der Versiegelung der Grabkammer und nach Abschluss der Bestattungsriten auf den Weg zum gestirnten Himmel. Häufige Grabschändungen ließen die Toraja von ihren ursprünglichen Erdbestattungen abkommen. Um Fremde von diesen unverzeihbaren Plünderungen abhalten zu können, wurden die Verstorbenen in natürlichen oder künstlichen Felshöhlen beigesetzt. Diese letzten Ruhestätten waren wesentlich sicherer, da sie hoch in den Felswänden lagen und nur per Bambusleiter von waghalsigen Kletterern erreichbar waren.
Im kleinen Ort Kete Kesu, im südöstlichen Teil des Hochbeckens gelegen, konnten wir uns davon überzeugen. Die Besonderheit dieses Bestattungsplatzes waren die vielen noch in gut erhaltenem Zustand befindlichen Tau Tau, die symbolischen Ebenbilder der Ahnen. Diese aus Holz geschnitzten Puppen, die zur Erinnerung an die Verstorbenen dienen, versuchte man durch Farbe und entsprechende Kleidung wirklichkeitsgetreu darzustellen.Doch zunächst gilt es für die Seele Puya, das Reich der Toten zu erreichen. Ehe ein Erscheinen vor dem Richter des Totenreiches möglich ist, bedarf es der Erfüllung mehrerer Prüfungen. Nicht auf die menschlichen Verdienste kommt es dabei an, sondern einzig auf die Art der Bestattungsriten, denen die Verwandten nachgekommen sind. Wehe denjenigen, welchen kein Totenritual oberster oder zumindest gehobener Klasse eingerichtet wurde! Solche Seelen, da sie nicht einmal Puya erreichen, irren des Nachts als Geister umher und finden keine Ruhe. Das Lebensziel der Toraja ist auf den Tod, die Reise nach Puya und zum Sternenhimmel ausgerichtet.
Relikte aus früherer Kopfjägerära
Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Toraja noch unter den mesolithischen Jäger- und Sammlerkulturen einzustufen. So manch ein Totenkopf, ein Relikt aus ihrer Kopfjägerära, ragt noch heute von den Giebeln einzelner Häuser. Dieser sollte Fremde auf die Wildheit dieses Stammes aufmerksam machen und vor einer Kontaktaufnahme warnen.
Unweit von Bori, nordwestlich unseres Ausgangspunktes, erklommen wir wieder den Mittelgebirgsrand des Talkessels, um noch ein letztes Mal die Weite der Landschaft in uns aufnehmen zu können. Umgeben von den sich in verschiedensten Farbschattierungen präsentierenden Reisterrassen, die uns zu Füßen lagen, überwältigt von den unsagbar vielen Erlebnissen und in der Hoffnung, dass die Menschen und das Land ihre Tradition und Ursprünglichkeit noch lange bewahren mögen, traten wir schweren Herzens unsere Heimreise an.
INFO SULAWESI Auskünfte Wiesenhüttenstraße 17,60329 Frankfurt, Tel.: 0049/69/233677, Fax: 0049/69/23084, Internet: www.indonesia-tourism.com
Währung Ein Euro ist ca. 11.700 indonesische Rupiah.
Klima Hauptregenzeit in Sulawesi ist von Ende November bis März. Das Toraja-Land, im Norden der Provinz Südsulawesi, ist eines der regenreichsten Gebiete Indonesiens. Jedoch kommt es selten zu Dauerregen und es heitert zwischen den Monsunschauern regelmäßig wieder auf.
Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER
© SN

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