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In Mexikos Barranca del Cobre leben Indianer noch wie zu Urgroßvaters Zeiten. Eine Reise mit dem" Zug der Wunder" durch das größte Schluchtensystem Nordamerikas, zu fremden Menschen und Gegenden.
Dicht neben uns der Abgrund. Fast 2000 Meter fallen die Felswände im mexikanischen Barranca del Cobre steil bergab. Die Kupferschlucht - so übersetzt - mit ihrem weit verzweigten Gewirr von gewaltigen Canyons - insgesamt 1500 Kilometer lang - gilt als größtes Schluchtensystem Nordamerikas - viermal größer als der Grand Canyon in den USA.
Tief unter uns - wir stehen am spektakulären Aussichtspunkt El Divisadero - entdecken wir einige winzige Hütten. Tarahumara-Indianer leben dort. Frühmorgens machen sich die buntgekleideten Frauen mit rotem Überrock auf den beschwerlichen Weg, um über Trampelpfade und zuletzt sogar über Leitern die Himmelshöhe zu erklimmen - auf dem Rücken in Bündeln Kind, Heilkräuter, Korbwaren und Gewebtes. Stundenlang sitzen die Indigenas dann an den Aussichtspunkten in sich gekehrt, um an die wenigen Touristen für einige Pesos ihre Souvenirs zu verkaufen. Ihre Männer - langhaarig mit breitem Stirnband, rauhen, weißen Hemden und Lendenschurz - verdingen sich derweil als Waldarbeiter, Apfelpflücker oder Hilfskräfte im Bauwesen, um das karge Leben ein wenig aufzubessern.
Etwa 50.000 Tarahumara-Indigenas leben hier auf traditionelle Art als Halbnomaden in ihren Stammesverbänden. Sie wohnen in winzigen Holzhütten oder in Fels- und Höhlenwohnungen - nur unter Mühen zu Fuß erreichbar.
Wahre Laufkünstler sind sie. Strecken von weit mehr als hundert Kilometern legen sie ohne Unterbrechung zurück und dabei alle Marathonläufer auf die Matte. Schließlich bedeutet das Wort "Raramuri", wie sich die Tarahumara selbst nennen, Leichtfüßige oder Fußläufer.Zu erreichen ist diese großteils unerschlossene Bergwelt der Sierra Madre mit dem "Chepe" - dem Zug der Wunder zwischen Himmel und Erde. 2420 Meter schraubt sich die Bahn bis zum höchsten Punkt bei Los Ojitos empor. Auf der 650-Kilometer-Strecke von Los Mochis bis Chihuahua, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, beeindruckt uns die Vielfalt der Landschaft: Zuerst tropisch-heiße Küstenebene, dann angenehm-kühle Bergregionen und zuletzt um Chihuahua weite Kakteensteppen.
"Die reizvollste Bahnfahrt der Welt"
1881 wurde mit dem Bau der Strecke von beiden Endpunkten aus begonnen. Als dann Anfang des 20. Jahrhunderts das Terrain der unwegsamen Schluchten und Bergketten begann, war das Latein und Geld der Ingenieure am Ende. Der Bahnbau ruhte bis 1938. Erst 1961 wurde die "reizvollste Zugstrecke der Welt" fertig gestellt. Unbestätigte Gerüchte besagen, dass bei den gefahrvollen Bauten 10.000 Helfer ums Leben kamen.
Der "Chepe" macht Station in Ciudad Cuauhtemoc. Ein Besuch bei den Mennoniten, den Angehörigen einer reformierten Freikirche, steht auf unserem Programm. 35.000 von ihnen leben im Umkreis der kleinen Stadt nach althergebrachter Weise.
Blauäugige, blonde Buben und Mädchen begrüßen uns. Männer in blauen Latzhosen und Frauen mit hochgeschlossenen Kleidern und bestickter Haube oder bänderbekränztem Strohhut gehen auf schmucken Bauernhöfen der täglichen Arbeit nach. Ihre Vorfahren stammten aus Deutschland; ihre Mütter und Väter kamen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus Kanada, nachdem die kanadische Regierung ihnen nicht mehr ihre religiösen Freiheiten zugesichert hatte. 
In einer der Siedlungen lernen wir den 40-jährigen Jacob Dyck kennen. In einer dem Plattdeutschen ähnlichen Mundart berichtet er aus dem Leben der Mennoniten: Durch Fleiß und handwerkliches Geschick sind sie in Mexiko allseits bekannt. Die Erträge bei Gemüse und Getreide, bei der Rinder- und Schafhaltung können sich landesweit sehen lassen.
Gemeinsinn ist den Mennoniten neben der Religionsfreiheit oberstes Gebot. So gibt es die Selbstverwaltung der Dörfer, eigene Schulen, Sorge für die Alten und vieles mehr. Doch zumindest einer der Mennoniten-Grundsätze gerät langsam ins Wanken - nämlich der selbst auferlegte Alkoholverzicht. Abends treffen sich auf sandiger Schotterpiste weitab des nächsten Dorfes junge Leute mit properen Pickups, und Bierflaschen werden bei flotter Musik reihum gereicht...
INFO MEXIKO Auskünfte Mexikanisches Fremdenverkehrsbüro , Taunusanlage 21, D-60329 Frankfurt, Tel.: 0049/69/25309, E-Mail: germany@visitmexiko.com, Internet: www.visitmexiko.com und www.mexiko-reisetipps.de
Reiseliteratur Reisehandbuch "Mexiko", Iwanowskis Reisebuchverlag, 26,70 Euro; Apa Guide "Mexiko", Verlag Reise Know-How, 25,70 Euro; Marco Polo "Mexiko", Mairdumont, 9,20 Euro.
Autor/in: ULRICH UHLMANN
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