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Auf der kleinen Paradies-Hotelinsel Katarina vor Rovinj funktioniert Urlaub mit Kindern, weil ihnen mit Respekt und Gelassenheit begegnet wird und ein Schiff jede Langweile besiegt.
URLAUBSKIND LOLA (AUFGEZEICHNET VON BERNHARD FLIEHER)
Nur die Möwen schreien. Sonst ist es hier ganz ruhig. Der Wind bewegt die Bäume leicht. Aber diese Luftbewegung kann nicht sehr gefährlich sein, weil ich keine Haube, kein Kapperl und nicht einmal ein Piratentuch auf dem Kopf tragen muss. Außerdem haben wir ja Urlaub und da ist immer alles ein bisserl anders. Wir, das sind übrigens Mama, Papa und ich, die Lola. Ich darf im Urlaub etwa das Essen beim Buffet selbst nehmen. Ich darf nach dem Essen gleich aufstehen, weil die anderen Kinder schon früher mit dem Essen fertig waren und meine Eltern es sich „definitiv nicht antun, diesen Krieg ums Aufstehen oder nicht“ mit mir zu führen. Also auch kein Kapperl beim Möwennest-Entdeckungsspaziergang mit Papa auf dem Rundweg um die Insel Katarina.
Fischmarkttreiben und Möwennest
Drüben in Rovinj hat an der Hafenpromenade, wo es in dem Lokal das so einheimisch und grindig ist, dass sich keine klassischen Touristen hin verirren und diese super gegrillten Tintenfische gibt, sicher schon die Fischmarkthektik begonnen. Da waren wir gestern. Papa hat schwitzend bei 104 aufgehört zu zählen. Da sind wir noch nicht einmal bei der Hälfte gewesen, erzählt Mama den netten Leuten, mit denen wir immer gemeinsam essen. Aber irgendwie war es dann oben egal, dass es so viele Stufen waren, die vom Meer hinaufführen durch romantische, alte Gässchen zur Kirche.
Der Blick übers Meer von dort oben ist nämlich voll toll. Immer sieht man Schiffe in den Hafen einlaufen. Und am besten war, dass wir aus der Hitze raus konnten hinein in die Kirche. Da gibt es einen riesigen Sarg aus Stein, in dem die Heilige Euphemia begraben ist und der Steinsarg soll übers Meer von der Türkei bis nach Rovinj geschwommen sein. Es weiß zwar keiner, wie das genau funktioniert haben soll, aber Legenden sorgen eben für Plätze mit Aura, sagt Papa. Und man muss schon sagen: Super Geschichte. Da hört man dem Stadtführer gern zu. Nach zwei, drei Stunden aber ist es erstens super, dass Rovinj recht überschaubar und schnell entdeckt ist und dass andererseits jede halbe Stunde eine Fährboot auf unsere Insel tuckert. Nur ein paar Minuten braucht das Boot vom Land hier herüber. Aber es kommt einem direkt vor wie eine andere Welt, sagt eine ältere Frau, die im gleichen Schiff wie wir ankam. Touri-Pathos, sagt Papa.
Aber schön ist es schon auf der Insel, ja wirklich und außergewöhnliche Dinge gibt’s hier auch. Gewohnt haben hier ja die Leute schon in der Bronzezeit, was lang, lang her sein muss, weil keiner sich mehr daran erinnern kann. Dann kamen Mönche und dann gab es ab 1779 viele verschiedene Besitzer bis ein Habsburger zuschlug. Erzherzog Karl Stefan kaufte 1898 die Insel. Sieben Jahre später verkaufte er sie billig weiter an seinen Freund Graf Ignaz Karol von Korwin Milewski. Der war ein Lebemann und ein bisserl verrückt. Er ließ Erde auf die Insel bringen, damit er alle möglichen exotischen Pflanzen anbauen konnte.
Er duellierte sich nämlich mit einem anderen Adeligen, wer den schöneren Garten auf den kargen Kalksteinboden zaubern konnte. Graf Ignaz dürfte gewonnen haben. Ein Paradies wollte er schaffen. Und in Rovinj hatten alle eine Freude. Es gab Arbeit und die Sommerfrischler aus dem Kaiserreich kamen in Scharen und Rovinj wurde fortan an „Perle Istriens“ genannt. Seit 1999 gibt es hier ein Familienhotel, in dem echt jedes Zimmer Meerblick hat. Und das beste: Nichts hat hier mit Cluburlaub und Kinderabschiebprogramm zu tun. Hier wollen keine Clowns uns zu Grimassen zwingen oder Akrobaten uns zum Mitmachen überreden. Hier herrscht Ruhe ohne Zwang.
Alles ist hier ein bisserl altmodisch, dafür aber aufregend. Dass nicht alles glänzt wie in Disneyland liegt auch daran, dass es seit einigen Jahren Ausbaupläne gibt. Noch gibt es aber keine Zusage von lokalen Politikern. Im Hotel ist alles pikobello. Und dass hier nichts so aussieht, als wäre es unecht und wie hingemalt, sondern durchaus der Charme der Vergangenheit zu spüren ist, hat den Vorteil, dass nicht jeder Depp herkommen will, sagt Papa.
Kinder, die keine schmutzigen Hände haben dürfen, die brauchen auch nicht herkommen. Die hätten gar keine Freude bei den Entdeckungsreisen, die auf der ganzen Insel möglich sind. Man muss schon mal durchs Gestrüpp und über die Felsen am Meer, damit man auf seinen Entdeckungsreisen richtig vorankommt. Hier haben Kids natürlichen Freilauf, sagt Papa. Abhauen kann ja keiner. Und im Hotel wissen auch die anderen Gäste schon nach zwei Tagen, wer zu wem gehört und weil alles recht überschaubar ist, sagt Mama, ist auch keiner zu übersehen.
Gut, zwölf Hektar sind schon groß genug, sich zu verirren, aber ein Teil gehört eh den Möwen und die besten Plätze für Kids sind in der Nähe des Hotels. Das liegt auch daran, dass es dort Schwimmbecken gibt extra für Kinder und dass das Meer zwar schon lustig ist und die Wellen auch sehr super sind, aber ein bisserl nerven tut es schon, dass überall Steine herumliegen, die beim Ins-Wasser-gehen nicht so günstig sind. Außerdem gibt es am Pool schneller Eis oder Pizza,
Gut, dass Mama und Papa eh ihre Ruhe haben wollen. Es sind zwar nur ein paar Minuten mit dem Auto bis Pula (und damit zu einer der interessantesten Städte der Region Istrien) oder nach Porec, dem touristischen Zentrum, oder zum spektakulären Limski-Kanal. Wir bleiben aber meist auf der Insel Katarina. Und wenn ich ein bisserl lästig bin, dann fahren wir eben eine Runde mit dem kleinen Fährschiff.
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