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Reiseberichte

Kaiser Karl lässt die Traube frieren
12. August 2006
Auf Indianisch bedeutet Toronto "Treffpunkt". Heute ist die Stadt Heimat für über 80 ethnische Bevölkerungsgruppen, die "Torontonians".

Die Torontonians, das sind viereinhalb Millionen Menschen aus aller Welt. Die chinesischen und italienischen Gemeinden in Toronto sind die größten außerhalb Chinas und Italiens. "Wir sind kein Schmelztiegel, wir sind ein Mosaik", sagt Paul, der Kellner in "Paupers Pub". Wer einmal hier war, muss ihm zustimmen. Denn es ist diese Atmosphäre von leben und leben lassen, die so anziehend auf die Besucher wirkt - die über 80 ethnischen Gruppen leben nicht neben-, schon gar nicht gegen-, sondern miteinander.

Österreichische Torontonians

Auch knapp 20.000 Österreicher haben in Toronto eine neue Heimat gefunden. Einer von ihnen ist Armin Schroecker, der als General Manager der Hilton-Kette in Toronto für mehrere Häuser verantwortlich ist. Geboren in St. Margarethen im Lungau, hat er die Tourismusschule in Salzburg-Klessheim absolviert und war zuvor in 15 verschiedenen Ländern im Hotelgewerbe tätig, bevor er sich in Toronto niederließ. "Zwei Mal im Jahr fliege ich nach Österreich, um meine Mutter zu besuchen", erzählt Schroecker, "aber dort leben möchte ich nicht mehr." Und wie klein die Welt doch ist: Armin Schroecker hat seinerzeit mit Leo Bauernberger, dem Chef von Salzburger Land Tourismus, die Schulbank gedrückt.

Toronto ist die größte Stadt und zugleich das Finanzzentrum Kanadas. In der Ge-schäftswelt hat die 200-jährige Metropole der Rivalin Montreal schon längst den Rang abgelaufen. In den imposanten Glaspalästen spiegeln sich die Zeugen der Vergangenheit wie Spielzeughäuser, wie zum Beispiel das Flat Iron Building, ein beliebtes Fotomotiv im Financial District.

Toronto in zwei Tagen zu erkunden? Unmöglich. Den besten Überblick über die Stadt und ihre Umgebung erhält man auf dem CN-Tower, mit seinen 553,33 Metern höchstes freistehendes Gebäude der Welt. Expresslifte an der Außenseite katapultieren die Besucher in 58 Sekunden zur ersten Aussichtsplattform mit Glasboden, die schwindelfreien unter ihnen können auch noch den Lift bis zum 447 Meter hohen Sky Pod nehmen. Von hier aus ist bei guten Wetterverhältnissen sogar die Gischt der Niagarafälle in 130 Kilometern Entfernung zu erkennen.

Die interessantesten Ziele in Torontos Downtown sind zu Fuß leicht erreichbar, für jene, denen dies zu anstrengend ist, empfiehlt sich ein 24-Stunden-Ticket zum Preis von ca. sechs Euro, mit dem alle öffentlichen Verkehrsmittel benützt werden können. Und Sehenswürdigkeiten gibt es unzählige: Die ehemalige Whiskybrennerei Distillery District mit Galerien, Lokalen und kleinen Geschäften, das Royal Ontario Museum mit der weltberühmten Fernost-Sammlung, den St. Lawrence Market mit Köstlichkeiten aus aller Herren Länder. Oder die quirlige Chinatown, das Viertel Kensington Market, der Nathan Phillips Square und das Shoppingparadies Eaton Centre, um nur einige zu nennen.

Die Einwohner Torontos feiern gerne. Fast wöchentlich finden im Sommer farbenfrohe Paraden statt. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Yonge Street mit ihren Theatern, Restaurants und Shoppingmöglichkeiten. Für Kultur- und Vergnügungssüchtige hat Toronto einiges zu bieten. Über 40 Theater und Konzerthallen, Jazz-, Pop- und Folkfestivals sorgen das ganze Jahr über für Unterhaltung, eine lebhafte Restaurant- und Kneipenszene für die leiblichen Genüsse.

Am Wochenende stürmen Einwohner und Touristen die Fähren zu den Toronto Islands, einer autofreien, mit denkmalgeschützten Holzhäusern spärlich besiedelten Parklandschaft im Ontariosee mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten.

Ein Ausflug in das knapp eineinhalb Stunden entfernte Gebiet um die Niagarafälle zeigt eine von Landwirtschaft geprägte Gegend. Das milde Klima ist ideal für den Weinanbau, das hat sich der Österreicher Karl Kaiser aus Lilienfeld, der vor 37 Jahren nach Kanada ausgewandert ist, zunutze gemacht und gemeinsam mit einem Partner das angesehene Weingut Inniskillin gegründet. Hier produziert er hauptsächlich picksüßen Eiswein, der vor allem in Japan reißenden Absatz findet.

Ein Blick hinter die Wasserfälle

Die frühen Entdecker sollen schon drei Tagesmärsche von den Niagarafällen entfernt ein Rauschen und Donnern vernommen haben. Pitschnass - trotz blauer Regenmäntelchen - von der Gischt des "Donnernden Wassers", so die Übersetzung aus dem Indianischen, sind die Passagiere auf dem Schiff "Maid of the Mist" , das sie bis knapp an die Fälle heran schippert. Der anschließende Trip hinter die Wasserfälle ist eher enttäuschend - außer einer weißen Wasserwand ist nichts zu sehen.

Die 53 Meter hohen kanadischen Horseshoe Falls mit dem weniger spektakulären US-amerikanischen Teil der Niagarafälle sind die berühmtesten Wasserfälle der Welt. "Es schien, als hätte ich die Erde verlassen und erblickte den Himmel", so schrieb einst Charles Dickens.

© SN / HERBERT HILZENSAUER

diese seite | 14.08.2006 | 09:14

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