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Stille Bergdörfer, atemberaubende Steilküsten, Grotten und blaues Wasser: Die Venezianer nannten die Insel "Blume der Levante" und noch heute blühen dort inmitten von Olivenhainen die wilden Hyazinthen.
Urlaub für die Seele – dafür ist eine griechische Insel wie geschaffen, sucht man sein Quartier nicht in einem All-inclusive-Club mit allgegenwärtiger Animation. Die Natur genießen, sich Zeit lassen, die Landschaft auf sich einwirken lassen, sie einatmen.
Zakynthos, die südlichste der Ionischen Inseln, ist auch für den erfahrenen Griechenland-Urlauber immer wieder neu zu entdecken, egal von welchem Punkt die Reise auf der 400 Quadratkilometer großen Insel beginnt.
Aber starten wir diese Reise in der kleinen Ortschaft Volimes im Nordwesten der Insel und treten wenige Kilometer westwärts an den Rand der Steilküste, um die wohl meist fotografierte Szenerie von Zakynthos, die Myriaden von Prospekten, Ansichtskarten und Plakaten ziert, mit eigenen Augen zu betrachten: Mehr als 100 Meter unter uns schmiegt sich in der Navagio-Bucht ein von leuchtend blauem Meerwasser umspülter Sandstrand nahezu im Halbkreis an die senkrecht abfallenden Felswände. In der Mitte liegt ein Schiffswrack, verrottet wie ein angebissener Apfel. Zwei Touristenboote haben in Ufernähe die Anker geworfen. Es soll ein Schmugglerschiff gewesen sein, das vor vielen Jahren hier gestrandet ist und sich zum fotografischen Touristenmagneten entwickelt hat.
Nur wenige Kilometer entfernt, am Nordzipfel der Insel, erwartet den Besucher das einmalige Naturschauspiel der "Blauen Grotten" von Korithi. In den engen Felshöhlen manövrieren die Kapitäne die Ausflugsboote durch die bizarre Landschaft. Das Blau des Wassers wechselt dabei ständig seine Leuchtkraft – einmal schillernd hell, dann in pastell- lila. Mineralstoffe und der wechselnde Lichteinfall zeichnen für das prächtige Farbenspiel verantwortlich, klärt der Reiseleiter die staunende Gruppe auf.
Zum Beweis dafür rührt der Bootsführer also gleich mit einer Stange im Wasser, und siehe da: Fast hat es den Anschein, er hätte zuvor eine blaue Brausetablette hineingeworfen oder einen Kübel mit blauer Farbe ausgeschüttet.
Bizarre Formen in den blauen Grotten
Schade, dass man an diesen Stellen nicht sofort ins Wasser springen kann. Das ist den Tauchern vorbehalten, die im funkelnden Wasser die Welt des Poseidon, dem Gott des Meeres, erkunden und von mystisch schönen Unterwasser-Erlebnissen erzählen.
So unterhaltsam, wenn auch routiniert, ein Reiseleiter sein mag, eine griechische Insel auf eigene Faust erkunden, ist eine feine Sache: Bei der Wahl der Fortbewegungsmittel bieten sich praktisch nur zwei an: Entweder per pedes und mit Rucksack das hügelige Waldgebiet im Inselinneren durchkämmen, um zu erkennen, warum Zakynthos die griechische Toskana genannt wird, oder ein Auto mieten. Offene Geländefahrzeuge sind angesichts der mancherorts steinigen Pisten ideal, doch empfiehlt es sich, vor dem Start die Lenkung zu überprüfen. Ausgeschlagene Lager lassen ansonst die Fahrt zu einem albtraumhaften Erlebnis werden. Und wer es kühl haben will, wird sich für einen Kleinwagen mit Klimaanlage entscheiden.
Wir wollen es kühl haben, brechen zu einem weiteren Naturschauspiel auf und fahren Richtung Südosten los, ehe wir am Keri-Beach in ein Motorboot umsteigen.
Ziel ist die kleine vorgelagerte Insel Marathonisi, die Brutstätte von Meeresschildkröten, der so genannten unechten Karettschildkröte, die vom Aussterben bedroht ist. Gemächlich tuckern wir mit unserem gemieteten Acht-PS-Außenborder dahin, um am kiesigen Strand den Anker zu werfen. Ungezählte kleine Sandhügel zeugen vom Werk der Schildkröten, die seit einigen Jahren streng bewacht werden. Ein paar unbedachte Schritte zu weit auf die Hügel zu gegangen, schon gellt die Trillerpfeife des uniformierten Wächters, der unmissverständlich um Distanz ersucht.
So ergreifend wild-romantisch sich die Steilküsten präsentieren und vermutlich das Herz eines jeden Basejumper höher schlagen lassen – ein Abstecher zum Leuchtturm von Keri an der Südspitze ist ein Muss. Von einem Gastgarten aus schweifen die Blicke lange in die Ferne, verfolgen die Fischerboote, die wie Spielzeugschiffchen im blauen Meer dahintümpeln. Am Horizont ist die Krümmung der Erde zu erkennen: Ein Gefühl, ganz oben zu sein – und rasch sind alle Gedanken an Büro und Termine vergessen.
Derart von Alltagsgedanken losgelöst empfängt uns auf der Rückfahrt das kleine Bergdorf Kiri. Dort hat es den Anschein, dass die Zeit stehen geblieben ist, sich die wenigen Bewohner von der Hektik der heutigen Konsumgesellschaft ausgeklinkt haben. Wir genießen im liebevoll gestalteten und mit Blumen geschmückten Innenhof eines Steinhauses bei einer alten Griechin ein Glas Ouzo, das einfach besser schmecken will, obwohl auf der Flasche ein Spar-Etikett prangt.
© SN / BERTHOLD SCHMID
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