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Reiseberichte

Lissa – K.-u.-k.-Vorposten im Meer
5. August 2006
Wo vor 140 Jahren Admiral Tegetthoff die italienische Flotte vernichtend geschlagen hat, liegen heute Yachten aus halb Europa vereint.

Die Kaimauer gesäumt von mannshohen Weinfässern, die Offiziere links und rechts daneben in Reih und Glied aufgestellt: Die alten Fotografien in dem kleinen Hafenkaffee von Vis geben noch einen kleinen Aufschluss über die erfreulicheren Tage im Leben der  K.-u.-k-Marine auf dem einst österreichischen Vorposten inmitten  der Adria. Damals hieß Vis noch Lissa und in diesem Namen schwingt Ruhm und Glorie mit:  Vor genau 140 Jahren hat vor diesem Eiland Vizeadmiral Tegetthoff der italienischen Flotte eine verheerende Niederlage beigefügt und es war eine Trendwende in der Marinetaktik: Erstmals gaben gepanzerte Boote den Ausschlag.

Es war die ausgesetzte Lage der Insel, die sie seit jeher begehrlich gemacht hat. Venezianer waren hier, die Briten bauten hier Fort St. George auf, die Italiener haben stets ein Auge darauf geworfen gehabt. Für die österreichische Marine, die  ihren Kriegshafen im  istrischen Pula hatte, war Lissa  seit 1815 der südliche Stützpunkt. Das hat auch mit dem Hafen zu tun, den heute vor allem Segler schätzen. Die nach Norden hin geöffnete Bucht vergrößert sich landeinwärts um das Mehrfache. Damit war Lissa einst schwer einzunehmen, heute schätzen Skipper den Umstand, dass man auch bei der aus dem Norden kommenden Bora ruhig liegt.

Noch einmal zurück in das schicksalhafte Jahr 1864: Mit elf Panzerschiffen, vier Schraubenfregatten, einer Schraubenkorvette, zwei  Radkorvetten, fünf Kanonenbooten und einem Transportschiff  mit 2500 Mann Landungstruppen an Bord lief Kommandant Carlo di Persano am 16. Juli aus Ancona aus, um die Festung Lissa, die zu diesem Zeitpunkt von 1800 Österreichern gehalten worden war, sturmreif zu schießen. Als der in allen Biografien als ungemein ehrgeizig beschriebene Wilhelm Freiherr von  Tegetthoff am Morgen des 19. Juli davon erfuhr, ließ er die Kessel heizen und die Mannschaft kampfbereit machen. Zu diesem Zeitpunkt hieß das bei der Marine auch Ausgabe von Extrarationen Rum für die Mannschaft.

Während die Italiener eine Kanonade aus größerer Entfernung erwartet haben, entschied sich Tegetthoff zur Rammstoßtaktik mit  gepanzerten Booten.  In der folgenden Verwirrung unterlief Admiral Persano der entscheidende Fehler: Er wechselte das Kommandoboot, ohne dass es die weiteren Schiffe mitbekommen hätten. Die "Erzherzog Ferdinand Max" rammte daraufhin die "Re d’Italia", an der sich alle Italiener orientiert haben, mit voller Wucht, die sank innerhalb von Minuten und hat 380 Matrosen in den Tod gerissen.  Nach drei Stunden war die Schlacht entschieden.

 Hinweise sucht man in Vis vergeblich

Wer sich darüber informieren will, der ist leider im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien besser aufgehoben als in Vis selbst. Schon bei unserem ersten Besuch vor zehn Jahren freuten wir uns über einen Hinweis auf ein Museum,  doch es erwies sich als völkerkundliches Museum ohne Hinweis auf die Schlacht. Vielleicht hat dies auch mit der jüngeren Geschichte zu tun: Noch vor zwei Jahrzehnten war Vis kaum zu betreten. Die jugoslawische Marine hatte bis in die Achtziger Jahre  aus Vis ein militärisches Sperrgebiet gemacht.  Davon zeugt heute noch ein weitläufiges Stollensystem am Eingang der Bucht, für das man aber unbedingt festes Schuhwerk, Taschenlampen und einen guten Orientierungssinn mitnehmen sollte.

Auf die neuen Zeiten schnell eingestellt

Dennoch scheinen alle diese geschichtlichen Wirrnisse erstaunlich spurlos an dem Ort vorübergegangen zu sein. Auch den Umbruch in den Neunziger Jahren nahm man nur aus der Ferne war, der Krieg ereilte nie die dalmatinischen Inseln. Wo heute kroatische Flaggen an öffentlichen Gebäuden angebracht sind, sieht man noch darunter den vergilbten Umriss des einstigen roten Sterns.

Auf die neuen Zeiten  hat man sich recht schnell eingestellt. Fast jedes Jahr eröffnen neue Restaurants in dem gut drei  Kilometer entlang der Bucht verlaufenden Ort, der aber landeinwärts maximal drei Gassen hintereinander aufzuweisen hat. Selbst französische Haute Cuisine, serviert in einem weitläufigen Palmengarten mit Blick auf die Bucht, ist heute  zu finden. Ebenso schnell hat man auch das Preisniveau anderer europäischer Küstenregionen übernommen, doch das gilt heute leider für viele dalmatinische Segelreviere.

Nach tagelanger Schaukelei auf dem offenen Meer wechseln  wir für einen Tag den Untersatz und leihen uns im Hauptort Vis Motorräder aus, mit denen wir über den immerhin über  500 Meter hohen Bergrücken in den Nachbarort Komiza fahren. In den alten Hafenhandbüchern wird noch von der dortigen Fischfabrik und der daraus resultierenden Geruchsbelästigung gewarnt, doch auch das ist schon Geschichte.

Wo einst Fische verarbeitet wurden, liegt  heute ein sehenswertes und teilweise über das Meer ausgelagertes Restaurant. Die  Altstadt wird von einem venezianischen Turm geprägt und wer sich schon einmal auf den Weg bis Vis gemacht hat, der sollte den Abstecher nach Komiza unbedingt einplanen.

Auf dem Rückweg geht es durch das bergige Hinterland, das einzigartige Ausblicke auf zerklüftete, menschenleere Felsbuchten bereit hält. Und wie alle Jahre besuchen wir auch diesmal unseren alten Freund Darko. Er ist ein gutes Beispiel für Vis und den steten Wandel auf der Insel. Seine Frau pendelt wie viele Einwohner hier von Montag bis Freitag nach Split zum Arbeiten. Er selbst  übernahm die Landwirtschaft und hauptsächlich stellt er Ziegen-Frischkäse her, legt Oliven ein, dazu baut er Wein an und brennt verdammt scharfe Schnäpse. Das Feuermachen dürfte ihm im Blut liegen, er hat einen eigenen Grillstadel  errichtet, den er jedoch alle zwei Jahre neu eindecken muss, wie er uns lachend erzählt. Eine Viertelstunde später wissen wir warum: Die alten, verdorrten Rebstöcke verbrennt er mit derartiger Inbrunst, dass meterhohe Flammen über dem Rost züngeln.

 Auf dem Seeweg nach Vis war uns das Glück hold, drei Tunfische gingen an Bord und die bereitet nun Darko zu. Er selbst mag davon  nicht  kosten. Er freut sich auf den Abend, da will er mit seinem klapprigen Zastava hinunter nach Vis fahren. Dort hat gerade ein  neuer Italiener aufgemacht.

INFO VIS

Vis hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Eldorado für Segler entwickelt. Zwar gibt es im gleichnamigen Hauptort keine eigene Marina, aber im weitläufigen Stadthafen sind jede Menge Liegeplätze mit intakten Moorings, Strom- und Wasseranschlüssen vorhanden. Dazu gibt es auch eine Tankstelle für Boote. Der im Westen der Insel gelegene kleinere Ort Komiza hat nur wenige Liegeplätze entlang einer Mole.  Vis ist auch ein guter Ausgangspunkt für weitere Törns, von hier erreicht man in einem halben Tag den italienischen Stiefelsporn oder Dubrovnik. Wer nach Italien will, sollte aber beachten, dass die kroatischen Behörden penibel  auf das Ein- und Ausklarieren der  Boote achten.

Mit dem Auto  erreicht man Vis via Autofähre von Split aus, die täglich verkehrt.  In Vis und Komiza gibt es nur drei  Hotels, aber immer mehr Privatpensionen. Da es viele kleine Buchten zu entdecken  gibt, empfiehlt es sich auf jeden Fall mobil zu sein. Mofas und Motorräder können  gemietet werden. Auch die Gastronomie hat sich schon ganz auf den Yacht-Tourismus eingestellt, was sich mittlerweile auch im Preisniveau niederschlägt. Die Restaurantpreise  in Vis liegen um ein Drittel über den Preisen auf dem italienischen Stiefelsporn.

© SN / Michael Smejkal

diese seite | 07.08.2006 | 14:36

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