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Reiseberichte

Auge in Auge mit der Gefahr
29. Juli 2006
Shark-Cage-Diving ist eine beeindruckende Begegnung mit dem am meisten gefürchteten Raubfisch der Meere, dem Weißen Hai.

Auf der zweistündigen Fahrt von Kapstadt nach Kleinbaai, knapp vor der Südspitze Afrikas, schält sich langsam die südafrikanische Küste aus der Dunkelheit. Die R44 windet sich in engen Kurven über dem Meer durch die schroffen Abhänge, vorbei an malerischen Städtchen. Es folgen endlos wirkende Geraden über sanfte Bodenwellen. Die Gedanken sind aber weit weg von dem an Kroatien erinnernden Festland. Sie drehen sich um die Begegnung mit dem Weißen Hai. Kleinbaai ist Zentrum des Shark-Cage-Diving.

Am Treffpunkt fallen um acht Uhr die ersten Sonnenstrahlen auf unsere elfköpfige Gruppe Hai-Lustiger, ehe wir an Bord der Barracuda steigen. Zwei mächtige Außenborder treiben das 12-Meter- Boot nach Süden. Zehn Kilometer vor der Küste liegt Dyer Island, Heimstätte von 50.000 Robben - der bevorzugten Beute der Weißen Haie.

Kaum hat die Barracuda vor der nackten Felsinsel geankert und die Crew eine Fischöl-Blut-Mixtur ins Wasser gekippt, wird es plötzlich still an Bord. Der erste Hai umkreist das plötzlich gar nicht mehr so sicher wirkende Boot. Wahrscheinlich denken in diesem Moment auch alle anderen an Steven Spielbergs "Der Weiße Hai".

Keiner hört richtig zu, während Tauchmeister Ivan erklärt, dass in diesem Film das Verhalten der Tiere völlig falsch dargestellt worden und der Hai keineswegs eine Menschen jagende Fressmaschine sei. In der Folge unternimmt die Crew aber alles, um den je 800 Rand (knapp 100 Euro) zahlenden Kunden das erwartete Schauspiel zu bieten.

Mit an eine Leine geknoteten Fischköpfen wird der Hai direkt ans Boot gelockt, versucht den "Snack" zu packen, den Ivan immer wieder hochreißt, zeigt seine beeindruckenden Zahnreihen im Spritzwasser, während Fotoapparate klicken.

"Drei Meter", erklärt der Profi zur Größe des ersten Fisches, viereinhalb Meter misst sein Artgenosse, der sich bald an der Jagd nach den Fischköpfen beteiligt. Der mittlerweile an der Seite des Bootes befestigte Tauchkäfig wirkt plötzlich erstaunlich zerbrechlich, trotzdem steigen auf Anordnung der souveränen Crew alle in die bereitliegenden Neopren-Anzüge.

Der Tauchkäfig wirkt zerbrechlich

Sechs Taucher haben im engen, schaukelnden Gitter Platz. Hier reduziert sich alles auf Luft holen, Abtauchen, beeindrucktes Starren durch die Taucherbrille, Auftauchen, um wieder Sauerstoff in die Lungen zu pumpen, ohne dabei allzu viel Wasser zu schlucken, ehe es wieder abwärts geht.

Teilweise kreisen drei Haie gleichzeitig um die Fischköpfe und man starrt mehrmals in das aufgerissene Maul eines Weißen Hais, den Ivan direkt vor den Käfig gelotst hat, ehe der Fisch in jähem Schwung abdreht, nicht ohne dabei mit seinem an den Stäben entlangstreifenden Körper den Käfig ordentlich durchzuschütteln. Es bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Nach 20 Minuten steigt man, um eine grandiose Erfahrung reicher, aus dem Wasser, um Platz für die zweite Gruppe zu machen, ehe es noch einmal in den Käfig geht.

Niemand kümmert sich um die bereitgestellten Sandwiches - zum Teil liegt dies auch an der Seekrankheit, die einigen alle Farbe aus den Gesichtern weichen lässt, bis die Barracuda gegen Mittag wieder in Kleinbaai anlegt. Um 350 Rand ist hier das Video der eigenen Begegnung mit dem Weißen Hai zu haben, das an Bord gedreht worden ist.

Auf dem Rückweg nach Kapstadt wird ein Zwischenstopp in Hermanus notwendig, um das Erlebte Revue passieren zu lassen. Die Küstenstadt an der Walker Bay ist touristisches Zentrum der Region. Anfang Juni erholen sich die Menschen in der kurzen Zwischensaison, ehe die ersten Wale in der Walker Bay auftauchen und das Whale-Watch-Geschäft beginnt.

Hier genießt auch Mike Rutzen die beginnende Abendstimmung. Ihm gehört die Barracuda und er ist seit zwölf Jahren im Cage-Diving-Geschäft. Berühmt wurde der 35-Jährige durch seine Tauchgänge mit den Weißen Haien ohne schützenden Käfig - nach den eben gewonnenen Eindrücken schier unvorstellbarer Leichtsinn. "Ein kalkulierbares Risiko, wenn man die Körpersprache der Tiere versteht", relativiert Rutzen.

Routiniert begegnet er auch der Kritik von Fischern und Surfern, die Haie würden durch das Shark-Cage-Diving an Boote und Menschen gewöhnt und verbänden damit leichte Beute: Nicht das Boot, sondern das Blut locke die Fische an. Vor dem Käfig werden sie zudem nicht gefüttert, es könne also keinen "Lernprozess" geben, der Haie gezielt auf Boote oder Surfer losgehen ließe.

Vor den Klippen ist inzwischen eine Gruppe Delfine aufgetaucht und durchpflügt in einer weiten Schleife die Wellen, während die Walker Bay langsam wieder in der Dämmerung verschwindet.

INFO
Veranstalter
Wer dem Haitauchen nichts abgewinnen kann, für den hat Kneissl Touristik in Salzburg, Linzer Gasse 33, Tel. 0662/877070, www.kneissltouristik.at, im Herbst mehrere interessante Südafrika-Rundreisen mit Abflug ab Salzburg im Programm, u. a. eine 16-tägige Reise "Höhepunkte Südafrikas" und eine elftägige Reise "Naturwunder Südafrikas".

Kontakt Haitauchen
Michael Rutzen, P.O. Box 511, Gansbaai 7220, South Africa, www.sharkdivingunlimited.co.za.

Autor/in: THOMAS SPIELBÜCHLER

© SN

 

diese seite | 31.07.2006 | 10:43

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