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Reiseberichte

Abseits vom Ballermann
29. Juli 2006
Eine malerische Altstadt, sehenswerte Museen und ein quirliges Nachtleben machen Mallorcas Hauptstadt Palma zu einem lohnenswerten Kurzreiseziel.

Neben dem Tisch stehen drei große Einkaufstüten. Die beiden Touristinnen genießen ihren Eiskaffee und die Sonnenstrahlen. Am Nachbartisch tauschen Einheimische ihre Neuigkeiten aus. In der Bar Bosch am Plaça Rei Joan Carles I ist immer etwas los, um sieben Uhr morgens genauso wie um drei Uhr nachts. Die Ober sind flink, die Preise moderat, die Tapas herzhaft und typisch mallorquinisch - ein guter Platz, um sich auf Palma einzustimmen.

Die elegantesten Geschäftsviertel liegen quasi vor der Tür der Bar: die schicke Avenida Jaume III mit ihren breiten Arkaden und Palmas Flaniermeile Passeig de Born. Gleich hinter der Bar kann man sich durch schmale Gässchen und Treppen bis zur Plaça Mayor treiben lassen und dabei einen Blick in die zahlreichen kleinen Läden mit originellen Kleidern, eleganten Schuhen und Lederwaren oder ausgefallenen Produkten wie altem Blechspielzeug oder mallorquinischen Kräuterlikören werfen.

Vom ehemaligen Marktplatz der Stadt führt die Einkaufsstraße Carrer Colom vorbei an den beiden schönen Jugendstilhäusern Can Fortesa Rei und L'Agila zum Rathausplatz. Von hier ist es nicht mehr weit zur Kathedrale La Seu, Palmas Wahrzeichen und einem der größten Sakralbauten der Welt.

"Früher sind die Touristen nur wegen der Strände nach Mallorca gekommen", erzählt Stadtführerin Maria Vallespir. "Heute interessieren sie sich auch für die Stadt und ihre Geschichte." Deshalb bietet das Tourismusministerium täglich geführte Stadtbesichtungen an, um den Besuchern die turbulente Geschichte der Stadt näher zu bringen. Mehr als dreihundert Jahre stand Mallorca unter arabischer Herrschaft und gehörte damals zu den acht wichtigsten Städten des Araberreiches. Noch im Mittelalter wurde die Stadt als Perle des Mittelmeers gepriesen.

In den schmalen Gassen hinter der Kathedrale residierten einst die Adligen in ihren Stadtpalästen. Nach außen wirken die Gebäude mit ihren hohen Wänden, dicken Holztoren und verschlossenen Fensterläden kalt und abweisend. Doch hin und wieder hat man Glück, und ein schmiedeeisernes Tor gibt den Blick in einen der mit üppigen Balustraden, wertvollen Steinböden und prächtigen Brunnen ausgestatteten Innenhöfe frei. "Über hundert solcher Patios aus verschiedenen Epochen gibt es in Palma", erklärt Maria.

Von der Kathedrale führen breite Stufen hinunter zur Plaça da la Reina. Hinter dem Platz beginnt das ehemalige Hafenviertel La Llotja. Bis vor einigen Jahren galt die Gegend als gefährlich. Heute drängen sich hier unzählige Bars, Restaurants und Musikkneipen. Hinter unscheinbaren Fassaden befinden sich dort auch zwei der neuesten Designerhotels von Palma. Das Hotel Puro überrascht mit klaren Formen, hellen Farben und orientalischen und afrikanischen Elementen. Im Hotels Tres erwartet den Gast kühles Design mit viel Weiß und Chrom. Gläserne Stufen verbinden mit schweren Holzdecken getäfelte Räume, die verschachtelte Dachterrasse lockt mit Minipool und Sauna.

Spektakulärer Bau im Hafenviertel

Eine eigenwillige Mischung aus Alt und Neu bietet auch Palmas viel besuchte Attraktion im Hafenviertel: das 2004 eröffnete Museum für moderne und zeitgenössische Kunst "Es Baluard". Allein der spektakuläre Bau aus Glas und Sichtbeton auf den Resten einer Renaissance-Festung ist sehenswert. Gleich hinter dem Museum taucht man wieder in das ursprüngliche Palma ein. Wo früher die Werften für die Schiffe waren und die Handwerker wohnten, tobt heute Palmas Nachtleben.

Je später der Abend, desto mehr Menschen drängen sich in den engen Gassen. Wer um zehn Uhr einen Platz in einem der Restaurants sucht, der tut sich schwer. Dagegen herrscht in den Bars zu dieser Zeit noch gähnende Leere. Nur ein paar Touristen nippen dann im Abaco an ihren sündhaft teuren Cocktails, lauschen der klassischen Musik und bewundern das tropisch-barocke Ambiente der Nobelbar mit seinen Bergen von frischem Obst und Blumen.

Rustikal und gemütlich geht es in der kleinen Tapas-Bar schräg gegenüber zu. Gerade sechs Tische haben in dem schmalen Raum Platz. Unermüdlich balanciert die gut gelaunte Bedienung kleine Schalen mit gebratenen Sardinen, pikanten Fleischbällchen und blanchierten Gambas zu den Tischen, während ihr Chef auch noch nachts um zwei Uhr Scheiben vom riesigen Schinken absäbelt.

INFO MALLORCA
Auskünfte
Spanisches Fremdenverkehrsamt, 1010 Wien, Walfischgasse 8/14, Tel. 01/512 95 800, www.spain.info. Die deutschsprachigen Stadtführungen des Tourismusministeriums der Balearen dauern zwei Stunden und kosten sechs Euro (Tel. 0034/971/177715, Internet: www.newsmallorca.com). Derzeit fliegt "Niki" sieben Mal von Wien, bis zu sechs Mal von Salzburg und vier Mal von Linz nach Palma de Mallorca. Näheres dazu im Reisebüro.

Freizeit
Viele Mitgliedshäuser der Hotelkooperation Reis de Mallorca, in der sich insgesamt 31 Vier- und Fünf-Sterne Hotels zusammengeschlossen haben, bieten geführte Wanderungen an. Spaziergänge zu typisch mallorquinischen Dörfern im Landesinneren gehören dabei ebenso zum Angebot wie Wanderungen ins Tramuntana-Gebirge oder Exkursionen zu den Ruinen ehemaliger Fincas. Weitere Informationen unter info@reisdemallorca.com oder www.reisdemallorca.com.

Autor/in: BÄRBEL SCHWERTFEGER

© SN

 

diese seite | 31.07.2006 | 10:35

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