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Reiseberichte

Verborgene Schönheit
8. Juli 2006
Abseits der überfüllten Touristenstrände findet man in Kroatien noch einsame Buchten, glasklares Wasser und schroffe Felsen. Ein Paradies für Kletterer, Schnorchler und Radfahrer - und nicht nur für Sonnenanbeter.

Irgendwie ist es fast wie fliegen. Unter den senkrecht abfallenden Wänden glitzert das Meer in der Morgensonne. Eine leichte Brise steigt auf. Die Luft ist kühl und frisch. Am Horizont gleitet ein Segelboot vorbei. Nur ein leises Klicken durchbricht die Stille. Wenig weiter ist auch eine zweite Seilschaft schon unterwegs. Beim Einhängen der Expressschlingen in die Haken an der Felswand klirrt es leicht metallen. Ansonsten ist auch das Klettern völlig lautlos.

Einen Moment noch die Stille genießen und den Ausblick, der ins Endlose zu führen scheint. Ein Zeichen nach unten. Ein kurzes Abstoßen mit dem Fuß. So muss sich die Möwe fühlen, wenn sie sich vom Felsen in Richtung Meer schwingt. Das Seil surrt leise, wenn es beim Abseilen durch den Haken gleitet.

Wem tagelanges Sonnenbraten zu langweilig ist, der ist in Istrien richtig. Südlich von Rovinj befindet sich einer der Klettergärten Kroatiens, vom Campingplatz oder den umliegenden Hotels zu Fuß leicht erreichbar. Wer das Rad mit hat, ist noch schneller. Den geschotterten Weg geht es der Küste entlang, durch schattige Kieferwälder. Zeit, um hier unter den Bäumen Siesta zu halten oder baden zu gehen, bleibt in der Nachmittagshitze genug.

Bummeln und speisen am Hafen

Augenblicke später ist man am Fuß der Felswand gelandet. Die Möwen ziehen hoch oben am Himmel ihre Kreise. Der Kirchturm von Rovinj ist in der Ferne schon erkennbar. Der Abend lädt zum Bummel durch das Städtchen ein. Durch enge, verwinkelte Gassen spazieren, am Hafen die Schiffe bewundern - die alten Fischkutter ebenso wie die eleganten Segelyachten der Touristen. In den Lokalen direkt am Meer wird der Fisch vom Grill serviert. Billig freilich sind Delikatessen wie Goldbrasse auch hier schon längst nicht mehr. Deutlich günstiger - und auch köstlich - sind herbere Fische wie Makrele oder die kleinen Tintenfischchen und Miesmuscheln. Zu Cevapcici und Raznjici, den kleinen Fleischspießchen, gibt's rote Paprika-Sauce.

Wer den Strand entlang zurückwandert, kann mit etwas Glück Delfine sehen - genauer gesagt "große Tümmler". Geschätzte 220 Tiere leben hier an der Küste.

Die langen Sandstrände Italiens findet man in Kroatien nicht. Dafür ist das Wasser kristallklar. Mit dem Boot oder - wenn man längere Märsche bei Hitze nicht scheut - auch zu Fuß kann man einsame Buchten entdecken. Die bunten Kiesel und Muscheln am Strand entschädigen auch Kinder rasch: eine Alternative zum Sandburgenbauen.

Auf den Inseln wie Krk oder Cres ist das Meer noch schöner - vor allem unter Wasser. Tauchschulen gibt es viele. Es genügt aber auch, Taucherbrille und Schnorchel dabei zu haben. Die steil abfallenden Felsabbrüche sind voll riesiger Fischschwärme. Abseits der Touristenstrände ist die Küste zerklüftet. Die Felsformationen, die man durchtauchen kann, ähneln mit ihren spitzen Steinen gotischen Kathedralen. Die Sonne fällt in Strahlen durch das Wasser und zaubert ein eigenes Licht.

Mit dem Paddelboot geht es rascher der Küste entlang, oder hinaus zu den zahlreichen winzigen Inselchen. Außer Steinen gibt es hier nichts. Manchmal dösen ein paar Schafe im Schatten größerer Felsen. Wovon sie leben, bleibt rätselhaft. Laut kreischend fliegt eine Schar Möwen auf, als das kleine Boot eine einsame Insel erreicht. Nur mit Schuhen kann man an Land gehen. Die Felsen sind messerscharf. Im Sturzflug fliegen die großen Vögel herab und drehen erst im letzten Moment ab. Der Grund für ihre Panik ist zwischen den Felsen versteckt. Braun gefleckte Möwenjunge ducken sich zwischen die Steine und sind so beinahe unsichtbar. Fliegen können sie noch nicht. Die Möwen suchen deshalb die verlassensten Inseln zum Brüten. In der Morgendämmerung besuchen sie mit ihren schrillen Schreien die Campingplätze. Die Müllplätze hier sind für sie ein willkommener Futterplatz.

Gut beschilderte Wanderrouten

Wer längere Wanderungen bevorzugt, findet im Süden der Insel Krk in Baska jede Menge gut beschilderter Routen. Bergschuhe sind von Vorteil. Der Weg führt durch enge Schluchten zu einsamen Leuchttürmen oder über "Mondlandschaften". Karst prägt die Landschaft der nördlichen Inseln Kroatiens. Das Wort kommt aus dem Istrischen - "kras", was so viel bedeutet wie felsige Landschaft. Die Wälder, die es einst hier gab, sind für die Flotten Roms und Venedigs abgeholzt worden. Über Jahrhunderte stand die kroatische Küste unter venezianischem Einfluss. Zu spüren ist das heute noch, vor allem an der Architektur.

Jetzt überzieht niedriger, meist dorniger Buschwald die Inseln, die Macchie. Dazwischen schlängeln sich endlose Steinmauern. Nur so war es möglich, Terrassen anzulegen und das wenige Erdreich und das Wasser zu halten, um etwas anzubauen. Ein bisschen Wein und Olivenbäume gibt es heute noch. Die Haupteinnahmequelle ist aber längst der Tourismus.

Die Steinmauern aber trotzen immer noch der Witterung. Ein ganz eigener Duft breitet sich aus. Vor allem der Salbei ist es, der mit seinen silber-samtigen Blättern ganze Steinhänge überzieht. Sein Duft bleibt in der Nase, auch wenn man längst auf dem Heimweg ist.

INFO KROATIEN
Veranstalter
Kneissl Touristik bietet im August 2006 eine Studien-Erlebnis-Reise mit einigen Wanderungen in den Bereich der Plitvicer Seen, eine der schönsten Gegenden Kroatiens. Mit Busanreise, Unterbringung im Dreisternehotel mit HP und Reiseleitung kostet die Reise ab Salzburg 350 Euro. Infos und Buchung: Kneissl Touristik Salzburg, Linzer Gasse 33, Tel.: 877070, www.kneissltouristik.at.

Kroatien hat im Vorjahr die Türkei im Ranking der beliebtesten Auslandsdestinationen der Österreicher überholt und liegt jetzt nach Italien und Griechenland an dritter Stelle, ergab eine Studie des Wiener Instituts für Freizeit und Tourismusforschung (IFT). Profitieren kann Kroatien dabei vor allem von der guten Erreichbarkeit mit dem Auto und den günstigen Urlaubsnebenkosten. War Kroatien in den 80er und Anfang der 90er Jahre Boomland für Österreichs Reiselustige, so hat die Türkei durch den Balkankrieg gewonnen. Zuletzt haben umgekehrt die Unruheherde im Nahen Osten das Blatt wieder gewendet. Kroatien verzeichnet zuletzt wieder deutliche Zuwächse im Tourismus.

Küste
Mit 1778 Kilometern Küste und unzähligen Inseln bietet Kroatien zahlreiche Abwechslung. Die Hauptstadt ist Zagreb. Bezahlt wird in Kuna. So gut wie alle Hotels und Privatzimmeranbieter nehmen auch Euro. Die Homepage der Tourismus-Zentrale (at.croatia.hr) bietet Infos über Land, Anreise und Unterkunft.
 
REGINA REITSAMER

© SN

 

diese seite | 10.07.2006 | 13:54

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