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Reiseberichte

Schaukeln im Dschungel
1. Juli 2006
Elefantentrekking in Thailand ist ein sanftes Abenteuer. In der Tourismusregion um Khao Lak geht es nach dem Tsunami langsam wieder bergauf.

Nennen wir ihn "Bubi". Gut, er ist schon 38 Jahre alt und wiegt ungefähr zwei Tonnen, aber der Bursche ist für einen Arbeitselefanten noch ziemlich jung und im Vergleich zu seinen Kollegen eher ein Zwutschgerl. Sein Job ist längst nicht mehr, Baumstämme für Holzhändler aus dem Urwald zu ziehen. Sein Arbeitsplatz liegt im Khao-Sok-Nationalpark in der südthailändischen Provinz Phang Na, einer gebirgigen Region an der Andamanensee nahe Khao Lak. Elefantentrekking ist eine besondere Form des sanften Tourismus. Ein Elefant trägt zwei Erwachsene wie nichts - unvergleichlich sanft und trittsicher werden die Passagiere durch den Dschungel geschaukelt.

"Bubi" heißt in Wirklichkeit Kay-Eh und gehorcht seinem Führer, dem Mahoud Fed, aufs Wort. Ohne etwas Skepsis setzt sich wohl kaum jemand auf so ein Riesentier, vielleicht gefiel uns der Spitzname deshalb so gut.

Zum Aufsitzen wurde eine Hütte gebaut, von der die Gäste vom ersten Stock direkt in den Sattel steigen. Der Doppelsitz sieht aus wie aus einem ausrangierten Bus. Mit Stricken ist er unter dem Schwanz und den Vorderbeinen festgezurrt, als Unterlage dienen Jutematten. Im Gänsemarsch tragen die Elefanten Touristen in den Dschungel. Von hinten sieht ihre Bewegung genauso aus wie die Schluss-Szene beim rosaroten Panter: trotz der enormen Masse dieser herrlich lockere, schlendernde Gang. Die Route quert einen Bach, verläuft über gerodete Flächen und folgt dann einem Bachlauf aufwärts in den Regenwald. Auch Steilstufen meistern die Tiere elegant. Ihre Führer geben eigentümliche Kommandos. "Ay" dürfte "vorwärts" bedeuten. Die Worte stammten aus einem alten kambodschanischen Dialekt, wird uns erzählt. Als "Bubis" Mahoud einmal kurz ausrutscht, steht der Bulle ruckartig still. Nach einer halben Stunde ist der Umkehrpunkt erreicht. Unter bis zu 30 Meter hohen Baumriesen reizt ein Bad bei einem kleinen Wasserfall. Das Wasser ist erstaunlich kühl. Das wissen auch "Bubi" und Kollegen. Sie genießen es mit einem Schlauch bespritzt zu werden, manche duschen sich selbst mit dem Rüssel.

Wer will, darf direkt auf dem Nacken eines Elefanten reiten. Da gibt es keine Haltegriffe, die riesigen Ohren scheiden aus - das wäre wohl nicht ratsam und außerdem sind sie zu weit unten, wacheln einem nur um die Knie. Bleibt also nur, sich mit den Fingern an den Falten des Riesensäugers festzukrallen. Das kratzt "Bubi" vermutlich gar nicht, jedenfalls lässt er sich nichts anmerken. Am Kopf stehen seine harten Borsten einige Zentimeter aus der zerfurchten Haut. Beim Abwärtsgehen beugt er sich so weit nach vorn, dass der Passagier glaubt, jeden Moment abzustürzen. Ob "Bubi" dann auch sofort stehen bleiben würde?

Ein Ritt bei der "Win Elephant Tour" (der Besitzer heißt so) kostet 1000 thailändische Baht, ein unvergessliches Erlebnis für rund 20 Euro. Zehn Elefanten werden hier im Tourismus eingesetzt, sie ernähren 15 Familien. Die Tiere schlafen im Wald, die Mahouds holen sie jeden Tag in der Früh wieder ab.Allmählich geht es mit dem Tourismus in der Region wieder bergauf. Der Tsunami wütete 2004 an den Küsten der Provinz Phang Na nördlich der beliebten Ferieninsel Phuket am ärgsten. Die tropische Vegetation hat die Wunden in der Natur längst wieder geschlossen. Den Menschen hilft am meisten, wenn wieder Urlauber kommen. Die Geschäfte sind wieder geöffnet, auch fast alle Hotels. In Khao Lak hoffen die Menschen in der kommenden Hauptsaison auf Besserung, wenn die Destination wieder in den Katalogen aufscheint.

Ein erfreuliches neues Hotel ist das Sarojin etwas nördlich von Khao Lak. Das britische Ehepaar Kate und Andrew Kemp wollte es knapp nach dem Tsunami eröffnen. Die riesigen Schäden waren zum Glück versichert, von den Mitarbeitern starb niemand. Nun sind die luxuriösen Bungalows nach den Vornamen jener Angestellten benannt, die nach der Katastrophe blieben. Die Besitzer sammeln für Wiederaufbauprojekte.

INFO THAILAND
Lage und Klima
Thailand liegt zwischen dem 6. und dem 20. Grad nördlicher Breite. Im Süden herrscht tropisches Klima mit 27 bis 30 Grad (ähnlich wie das Meer), häufig über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Reisezeit
April und Mai sind am heißesten, am trockensten ist es von November bis Februar. Im Süden regnet es zwar viel, aber meist nur kurz. Monsun an der Südwestküste (Khao Lak, Phuket, Krabi etc.): Mai bis September/Oktober.

Anreise & Buchung
Erst seit einigen Monaten geöffnet ist das Luxushotel The Sarojin nördlich von Khao Lak. Bis 31. Oktober 2006 gibt es ein Sonder-Arrangement mit für diese Kategorie erstaunlichen Halbpreistarifen. Motto: aus zwei mach vier, aus sieben mach 14 etc. Bei vier Nächten müssen nur zwei bezahlt werden usw. (Ab ca. 210 Euro für zwei Personen pro Nacht mit À-la carte-Frühstück und Massage).

Buchung: www.sarojin.com oder in guten Reisebüros, in Österreich ist TaiPan Partner.

Auto/in: GERALD STOIBER

© SN

 

diese seite | 03.07.2006 | 12:46

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