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Reiseberichte

Stille Schönheit im Baltikum
24. Juni 2006
Moore, einsame Strände, Herrenhäuser und mittelalterliche Burgen: In Estland, Lettland und Litauen sucht man nach der verlorenen Zeit.

Noch ist das Baltikum ein Geheimtipp. Die einsamen Strände, Wälder, Seen und Moore der drei Länder im Norden bieten Naturliebhabern und Aktivurlaubern vielfäl-tige Betätigungsmöglichkeiten. Den Kontrast zur Landschaft bieten die Hauptstädte Estlands, Lettlands und Litauens mit fast südländischer Le-bensfreude und zahlreichen architektonischen Höhepunkten.

Schon Thomas Mann war von der Kurischen Nehrung und der Hohen Düne im litauischen Nida fasziniert. Er konnte sich an den Sandmassen nicht satt sehen und genoss immer wieder die Aussicht von seinem Haus auf das Haff. Besucher können Manns Begeisterung noch heute nachfühlen. Haben sie erst einmal den Aufstieg über die endlose Treppe geschafft, eröffnet sich ihnen von dem 60 Meter hohen Sandkoloss ein fesselnder Ausblick: Sand so weit das Auge reicht, vom Wind zu immer neuen Wellenmustern geformt, dazu die Stille einer unberührten Natur. Das ist der Lohn für diejenigen, die über die Dünen-kämme und durch die sandigen Täler streifen. Mit etwas Fantasie fühlt man sich hier fast wie in der Sahara.

Die Kurische Nehrung zählt zu den größten Attraktionen Litauens und des gesamten Baltikums. So ist es kein Wunder, dass sich der kleine Ort Nida am Fuß der Düne wieder zu dem international bekannten Ferienort entwickelt, der er schon zu Thomas Manns Zeiten war.

Einsame Sandstrände und Steinlabyrinthe

Doch die Bernsteinküste vom litauischen Klaipeda im Süden bis zum estländischen Narva im Norden hält noch mehr Überraschungen be-reit. Endlose, einsame Sandstrände, verborgen hinter Dünen und Kiefernwäldern, ruhige Buchten und bizarre Steinlabyrinthe versetzen Naturliebhaber immer wieder in Entzücken. Dazwischen liegen traditionsreiche Kur- und Badeorte, teils noch mit Spuren aus der Sowjetzeit, oft aber schon wieder liebevoll hergerichtet. Jurmala vor den Toren Rigas ist solch ein einst mondänes Seebad. Schon in den 1930er Jahren schwärmten die internationalen Gäste von dem 30 Kilometer langen Sandstrand und priesen ihn als "Baltische Riviera". Von dieser Blütezeit zeugen noch viele mit aufwändigen Schnitzereien verzierte Holzvillen, die jetzt nach und nach saniert werden. Auch das estländische Pärnu ist ein Badeort mit langer Tradition, der neben dem schönen Sandstrand noch vielfältige Kureinrichtungen zu bieten hat.

Pärnu und Jurmala sind nur zwei Beispiele dafür, wie sehr sich das touristische Angebot verbessert hat. Das Grau der Sowjetzeit ist verschwunden. Überall kann der Besucher durch lebhafte Einkaufsstraßen flanieren, unter einer Vielzahl von Restaurants und Hotels wählen und sich über die noch relativ günstigen Preise freuen.Die drei Länder des Baltikums sind zusammen etwa halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, aber viel dünner besiedelt. Estland hat gerade einmal rund 1,5 Million Einwohner, Lettland 2,5 Millionen und Litauen bringt es auf 3,5 Millionen Einwohner. So ist im Landesinneren genug Platz für ausgedehnte Laub- und Nadelwäl-der, landwirtschaftlich genutzte Flächen sind relativ selten. Die zahlreichen Seen, Flüsse und Moore runden das Bild einer intakten Naturlandschaft ab.Damit die Natur auch in Zu-kunft so urwüchsig bleibt und die unzähligen Störche weiter hier brüten, haben alle balti-schen Länder Nationalparks und Naturschutzgebiete eingerichtet.

Am Wegesrand sind immer wieder Zeugen der oft bewegten Geschichte zu finden. Viele Ordensburgen und Gutshöfe sind mittlerweile aufwändig restauriert worden. Besonders lohnend ist der Besuch der im Galve-See gelegenen Wasserburg Trakai, unweit der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas. Auch die alte Ordensburg im lettischen Cesis und das prächtige Barockschloss Jelgava auf einer Insel im Fluss Lielupe zählen zu den Höhepunkten des Baltikums. In Estlands östlichster Stadt Narva kann man die Hermannsfeste besichtigen und gleichzeitig einen Blick auf die am anderen Ufer liegende russische Festung Iwangorod werfen. Auch das im Barockstil erbaute einstige Anwesen der deutsch-baltischen Gutsherren von der Pahlen, der Gutshof Palmse, präsentiert sich in neuem Gewand.

Drei Hauptstädte als Weltkulturerbe

Unbestrittene Glanzlichter aber sind die drei Hauptstädte, allesamt bei der UNESCO als Weltkulturerbe geführt. Estlands Hauptstadt Tallinn erstrahlt als mittelalterliches Juwel, das die turbulente Geschichte fast unbeschadet überstanden hat. Von den einst 45 Türmen der Stadtmauer ist immerhin noch rund die Hälfte erhalten geblieben.

Das lettische Riga wurde einst als "Paris an der Düna" gelobt und ist auf dem besten Weg zurück zu altem Glanz. Besonders stolz ist die Stadt auf die vielen prächtigen Jugendstilbauten. Zum 800-jährigen Stadtjubiläum vor drei Jahren hat sich Riga mächtig herausgeputzt. Zu diesem Anlass wurde auch das prächtige Schwarzhäupterhaus vollständig rekonstruiert.

Die dritte baltische Hauptstadt, das litauische Vilnius, ist ein barockes Kleinod und wird oft als Stadt der 40 Kirchen bezeichnet. Auch sie hat den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden und sich so eine der schönsten Altstädte Osteuropas bewahrt.

WEITERE INFORMATIONEN:
Baltische Tourismuszentrale
Katharinenstraße 19
10711 Berlin
Tel. 0049/30/89009091
info@gobaltic.de
www.baltikuminfo.de
www.visitestonia.com
www.latviatourism.lv www.tourism.lt.

Autor/in: CHRISTIAN NOWAK

© SN

 

diese seite | 26.06.2006 | 11:29

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