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Zebras, Giraffen und Löwen sind in Namibia nicht nur in den Nationalparks zu sehen, sondern auch in jahrhundertealten Zeichnungen in den Bergen. Dazu kommen die Spuren der größten und reichsten deutschen Kolonie in Afrika.
Einige der Bilder sind 30.000 Jahre alt, andere sind aber auch erst vor hundert Jahren gemalt worden", erzählt Andy Auseb, Fremdenführer am Naturreservat Spitzkoppe. Antilopen, Löwen und Giraffen sind mit Erdfarben an die Wände des so genannten Buschmannparadieses gemalt, eines kleinen Tals hoch oben im Spitzkoppe-Massiv. Dazwischen sind immer wieder Bilder von Menschen zu sehen, die tanzen oder jagen.
Spitzkoppe, Brandberg und Fingerklippe heißen die Berge in Nordwestnamibia, an denen besonders viele Felszeichnungen zu finden sind. Und die deutschen Namen sind mit ein Grund, warum die Bevölkerung heute nichts mehr mit den Bildern anzufangen weiß. Als das deutsche Kaiserreich die Wüsten und Berge Südwestafrikas vor 120 Jahren zu seiner Kolonie erklärte, brachten die neuen Herren den Afrikanern auch das, was sie unter europäischer Kultur verstanden. Und darin war für Felszeichnungen kein Platz.
Andi Auseb gehört zum Stamm der Damara. Bei der Beschreibung der Pflanzen und der Landschaft mischen sich Knack- und Schnalzlaute in sein sonst sehr gutes Englisch. Sie sind ein typisches Merkmal der Sprache der ursprünglichen Bevölkerung Namibias, die früher abschätzig Buschleute oder Hottentotten genannt wurden. Eine große Büchse voll Wüstensand sei die Kolonie, sagten Spötter in Berlin über Deutsch-Südwest.
In den ersten Jahren war die Kolonie ein einziges Verlustgeschäft. Das änderte sich, als im Jahr 1907 Diamanten gefunden wurden. Mit bloßer Hand konnte man die Steine in der Wüste aufsammeln, und die Spuren des Diaman-tenrausches sind bis heute zu sehen.
Jugendstilvillen und eine neogotische Backsteinkirche prägen die kleine Hafenstadt Lüderitz im Süden des Landes. Für die Touristen werden die alten Häuser in den letzten Jahren wieder renoviert, und im Landesinneren kann auch das Städtchen Kollmanskuppe besichtigt werden: Eine deutsche Kleinstadt mitten in der Namib-Wüste, die in den 1950ern aufgegeben wurde. Meterhohe Dünen haben die Bahnlinie verschlungen, und in einigen Häusern liegt der Sand bis unters Dach.
Das Wasser war teurer als Bier
"Alles musste damals importiert werden, hier gab es gar nichts, nicht einmal der Sand kann zum Bauen verwendet werden, weil er so salzhaltig ist", erzählt Hartmut Helbich mit stark norddeutsch-hanseatischem Akzent. Seine Großeltern sind vor dem Ersten Weltkrieg nach Lüderitz ausgewandert, heute arbeitet er für die namibische Diamantgesellschaft Namdeb als Reiseführer. "Das Wasser musste aus Kapstadt importiert werden und war teurer als Bier. Und weil die jungen Leute auch damals schon sparsam waren, haben sie eben Bier getrunken."
Neben Kollmanskuppe gibt es noch eine Reihe anderer Geisterstädte in der Namib, sie dürfen aber nur mit einer Spezialgenehmigung besichtigt werden.
Namibia ist mehr als zehn Mal so groß wie Österreich, hat aber nur zwei Millionen Einwohner, und davon lebt etwa die Hälfte in einem schmalen Streifen an der Nordgrenze, in dem es genug Wasser für Ackerbau gibt. Der Rest des Landes besteht aus Gebirgen, Wüsten, Steppen und Halbwüsten, die nur sehr extensiv bewirtschaftet werden. "Um ein Schaf zu ernähren, brauchen wir 2,5 Hektar Weidefläche, für ein Rind sogar 15 Hektar. Das ist bei Ihnen in Europa schon ein ganzer Hof", erzählt der Bauer Raimar von Hase, der neben der Landwirtschaft Zimmer für Touristen anbietet.
Die Wildnis hat sich in den letzten Jahren zum größten Reichtum Namibias entwickelt, sie lockt immer mehr Touristen in das Land an der Südspitze Afrikas. Fast alle Farmen haben Fremdenzimmer, Appartements oder Zeltplätze, dazu kommt eine wachsende Zahl von Luxusressorts. Zielgruppe sind vor allem Touristen aus dem benachbarten Südafrika, denen ihr eigenes Land schon zu zivilisiert und zu stark erschlossen ist.
Wie in Südafrika ist "Braai" - Barbecue auf Afrikaans - daher ein ständiger Begleiter. Sobald das Zelt aufgeschlagen oder das Appartement bezogen ist, wird Feuer gemacht. Gegrillt wird vorzugsweise mit Holz, eine besondere Herausforderung für Mitteleuropäer, die eher an Holzkohle gewöhnt sind, und aufs Feuer kommt alles, was das Land zu bieten hat: Strauß, Rind und Oryx-Antilopen. "Das Jagen wird bei uns immer schwieriger", erzählt Dennis aus Kapstadt, "und wenn du wirklich gut fischen willst, musst du zur Skelettküste fahren, so viele Fische wirst du in ganz Südafrika nicht finden." Grund für den Fischreichtum ist der Benguela-Strom, eine kalte Meeresströmung aus der Antarktis, die an der ganzen Küste entlangzieht. Mehr als 18 Grad erreicht das Wasser auch in den heißesten Sommern nicht, und trotz der kilometerlangen Sandstrände sind kaum Schwimmer zu sehen.
An keinem anderen Ort Namibias wird das deutsche Erbe so hochgehalten wie in Swakopmund, und zwar nicht nur für Touristen. Das Café Anton würde jeder deutschen Kleinstadt zur Ehre gereichen, und die Schwarzwälderkirschkuchen und Schwarzbrot sind im ganzen Land zu bekommen.

Neben der deutschen Geschichte sind die Tiere eine der Hauptattraktionen des Landes. Bei Cape Cross nördlich von Swakopmund befindet sich eine der größten Robbenkolonien der Welt. 60.000 bis 100.000 Tiere leben auf einem knapp zwei Kilometer langen Küstenstreifen: Bullen kämpfen um die Rangordnung, Jungtiere balgen sich und ein paar Mal am Tag robben die Tiere ins Meer, um Fische zu fangen. Das Grunzen und Rufen der Robben ist atemberaubend, vom Gestank gar nicht zu reden.
Die "Big Five" sind im Etosha-Nationalpark im Norden des Landes zu finden: Löwen, Elefanten, Büffel, Nashörner und Leoparden. Während der Regenzeit im europäischen Winter braucht man etwas Glück, um alle fünf zu Gesicht zu bekommen. Während der Trockenzeit kommen alle Tiere aber zu den wenigen Wasserlöchern vor die Linsen der Touristen.
Jedes der drei Rastlager im Nationalpark hat sein eigenes Wasserloch, an denen es am Abend hoch hergeht: Vor dem Zaun drängen sich die Tiere, drinnen die Touristen. Während der Regenzeit im europäischen Winter geht es dagegen wesentlich ruhiger zu. Und die riesigen Herden von Springböcken, Zebras, Gnus, Antilopen und Giraffen sind auch in dieser Jahreszeit eine Reise wert ...
INFO NAMIBIA Veranstalter Die meisten großen Reiseveranstalter haben Namibia im Programm. Kneissl Touristik z. B. bietet mit der "Großen Namibia-Rundreise" die Möglichkeit einer Kombination mit dem Chobe Nationalpark in Botswana sowie den Viktoria Fällen in Simbabwe mit Flug ab/bis Salzburg. Auskünfte und Buchung: Kneissl Touristik Salzburg, Linzer Gasse 33, Tel. 877070, www.kneissltouristik.at.
Sicherheit Namibia gilt als sicheres Reiseland. Gefährlich ist vor allem der Verkehr: Jedes Jahr sterben mehrere Touristen durch in der Regel selbst verschuldete Unfälle im Gelände oder auf den Sandstraßen.
Gesundheit Im nördlichen Drittel des Landes wird Malaria-Prophylaxe empfohlen, der Rest Namibias gilt als malariafrei.
Reisezeit Namibia ist eine Ganzjahres-Destination. Die Trockenzeit im europäischen Herbst ist besonders zur Beobachtung der Tiere in den Nationalparks günstig, die Regenzeit im Winter überzieht das Land mit frischem Grün.
Auskünfte Namibia Tourism, Schillerstraße 42-44, D-60313 Frankfurt,www.namibia-tourism.com
Autor/in: MARKUS MÜLLER
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