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Reiseberichte

In der Stadt der Hindu-Pilger
27. Mai 2006
Indien ist ein Land, das Fremde schon immer fasziniert hat. Viele Gegenden sind vom Tourismus noch nicht entdeckt. Etwa die Region Orissa.

Es hat 40 Grad im Schatten. Der Schweiß rinnt in Strömen. Selbst wenn man sich nicht bewegt, kleben Hemd und Hose am Körper. Die paar Europäer, die auf einer Terrasse in der prallen Sonne stehen, kümmert das im Moment nicht. Fasziniert beobachten sie das Leben, das sich einige Meter tiefer, auf der Hauptstraße von Puri, der heiligen Stadt der Hindus, abspielt.

Frauen in farbenprächtigen Saris eilen an Bettlerinnen vorbei, die um ein paar Rupien bitten. Männer, die eher westlich mit Hemd und Hose bekleidet sind, unterhalten sich mit Geschlechtsgenossen, die nur ein Tuch um die Hüften geschlungen haben. An ihnen vorbei zieht eine Prozession von Mönchen aus dem Jagannath-Tempel.

Die am Straßenrand aufgebauten Marktstände bieten von Gewürzen bis zu Gemüse alles an, was zum täglichen Leben benötigt wird. Rad- und Mopedfahrer bahnen sich klingelnd und hupend ihren Weg durch die Tausenden Menschen. Das geht so lange gut, bis eine der heiligen Kühe es sich auf der Straße bequem macht. Dann heißt es warten oder einen Umweg rund um das Tier machen.

Puri liegt im ostindischen Bundesstaat Orissa. Eine Region, die vom Tourismus bisher noch kaum entdeckt worden ist. Gerade einmal 15.000 Ausländer kommen pro Jahr in diese Gegend. Dafür aber vier Millionen Inder. Zum einen für einen Badeurlaub am Golf von Bengalen, zum anderen als Pilger. Für Hindus ist ein Besuch im Jagannath-Tempel quasi Pflicht. Die Weiße Pagode, die zu den vier wichtigsten Pilgerorten der Hindus zählt, wurde im 12. Jahrhundert gebaut und liegt inmitten eines riesigen Gebäudekomplexes, der von einer sechs Meter hohen Mauer umgeben ist. Mehr als fünftausend Priester und Tempelangestellte leben in den Gebäuden, die für Nichthindus allerdings gesperrt sind. Allein beim Wagenfest, das im Sommer stattfindet und bei dem die göttlichen Geschwister Jagannath, Balabhadra und Subhadra verehrt werden, bevölkern eine Millionen Menschen die Straßen.

Orissa ist eine Region der Tempel

Orissa ist generell eine Region der Tempel. So können Kulturinteressierte in der Hauptstadt Bhubanshwar etwa den Lingaradscha- oder den Uttraversara-Tempel besichtigen. Das sind nur zwei von knapp fünfhundert Sakralbauten, die das Stadtbild prägen. In einige ist der Eintritt für Touristen erlaubt. Die bemerkenswerteste Sehenswürdigkeit in Orissa ist aber der Sonnentempel in Konarak, der von der UNO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Ursprünglich war die Region ein Zentrum des Buddhismus, bis sich im vierten und fünften Jahrhundert nach Christus der Hinduismus breit gemacht hat. Der Sonnentempel wurde im 13. Jahrhundert zu Ehren des Sonnengotts errichtet. 1200 Handwerker und Künstler arbeiteten 16 Jahre, bis er fertig war.

"Ein großer Trick, es ist ein nur ein großer Trick." Der indische Reiseführer warnt seine Gäste eindringlich davor, eine der Perlen zu kaufen, die Einheimische aus den aufgeschlagenen Muscheln holen. Wenn man sich den Spaß erlaubt und eine der Perlen kauft, dann seien 15 Rupien als Preis angemessen. Gerade als er seinen Vortrag beendet, läuft ein junger Mann auf ihn zu. Er habe ein Mitbringsel für seine Freundin gekauft, eine echte Perle, und nur tausend Rupien (etwa 19 Euro) dafür bezahlt, erzählt er. Wenig später schaut der österreichische Tourist ein wenig betreten drein. Seine "echte" Perle ist aus Plastik, und wie der Trick funktioniert, hat der Reiseführer inzwischen ebenfalls erfragt.

Plastikperlen in echten Muscheln

Die Lösung: Die Fischer tauchen zu den Muscheln. Wenn diese ihre Nahrung aufnehmen, stülpen sie den Mund aus der Schale. Die Plastikperle wird hineingelegt und schon kann man den Touristen "echte" Perlen verkaufen, die vor ihren Augen aus dem Fruchtfleisch der Muschel geholt werden.

Schauplatz der Perlengeschichte ist eine etwa hundert Meter breite Sandbank, die den Golf von Bengalen vom Chilka-See trennt. Die Fahrt über den See ist ein beliebter Ausflug, nicht nur wegen der schönen Sandbank, die sich über 75 Kilometer erstreckt, sondern auch weil sich in dem Gewässer jede Menge Delfine tummeln, die dort beobachtet werden können.

Die Natur ist überhaupt die zweite Stärke der Region. Zahlreiche Nationalparks warten auf die Besucher, in denen Löwen, Nashörner und Tiger beobachtet werden können. Und wer sich den Weg in die wilde Natur ersparen will, für den besteht die Möglichkeit , im Zoo von Bhubanshwar ein paar weiße Tiger anzusehen.

Raghurajpir ist ein Dorf der Künstler. Neben dem Tänzerinnen, die in Wirklichkeit gut geschminkte Buben sind, wird in vielen Hütten traditionelle indische Malerei angeboten. Wer durch das Dorf spaziert, wird aber nicht nur mit indischer Kultur konfrontiert, sondern auch mit dem alltäglichen Leben in dem Subkontinent. Und das ist vor allem eins: arm.

Wer sich nach Indien aufmacht, der sollte darauf gefasst sein, dass er teilweise mit flächendeckendem Elend konfrontiert wird. Und auch wenn die Touristenhotels wahre Paradiese sind, wer sie verlässt, der wird vieles sehen, was für Europäer unfassbar ist. Von bettelnden Kindern angefangen bis zu alten in Lumpen gekleidete Menschen, die versuchen, über die Runden zu kommen.

Abhalten sollte man sich von einer Reise aber nicht lassen. Wer vom Fernweh geplagt wird, der sollte unbedingt einmal Indien einen Besuch abstatten. Der Spruch, der auf der Jacke des Reiseführers zu lesen ist, sagt alles: "Incredible India." Kürzer kann man das Land wohl nicht beschreiben.

REISE-INFO
Wer eine
Reise nach Indien machen will, der ist bei Geo Reisen gut aufgehoben. Orissa ist nur eine der Regionen, die angeboten werden. Reisen gibt es auch zu bekannteren Zielen wie Goa oder Radschastan. Air India fliegt mehrmals pro Woche von Wien aus den Subkontinent an.

Der Zeitunterschied zwischen Indien und Österreich beträgt während der Sommerzeit drei Stunden und 30 Minuten. Gilt hier die Mitteleuropäische Zeit, dann sind die Inder 4 Stunden und 30 Minuten voran.

Die beste Reisezeit nach Orissa ist zwischen September und März.

Die Landeswährung heißt Rupie. Ein Euro sind 100 Paisa, das sind 54 Rupien.

Impfungen sind für eine Reise nach Indien nicht vorgeschrieben. Die meisten Ärzte sprechen Englisch, die Apotheken sind gut bestückt.

Autor/in: ALFRED PFEIFFENBERGER

© SN

 

diese seite | 29.05.2006 | 14:45

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