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Reiseberichte

Im Reich der Nabatäer
20. Mai 2006
Zwischen Ocker, Beige und Rosarot. Etwa 90 Prozent von Jordanien sind Wüste, die zehn Prozent Grün verlieren sich in der Farbmonotonie.

Ein Sonnenaufgang in der Wüste Wadi Rum. Ein Muss, laut Mohammed. Der Sonnenuntergang, die Nacht im beduinischen Zeltlager, einheimische Spezialitäten wie Felafel (frittierte orientalische Kichererbsenbällchen) oder Humus (Kichererbsenpüree) mit warmem Fladenbrot und Shisha-Rauchen (arabische Wasserpfeife) am Lagerfeuer gehen dem Morgengrauen voraus.

Gerade in jener Nacht, als unsere Reisegruppe sich in das windgeschützte Zeltlager einquartiert, wechselt Winter- auf Sommerzeit. Reiseführer Mohammed hat, ebenso wie viele Europäer, leichte Unsicherheiten beim Vor- bzw. Zurückstellen der Uhr - misslich für all jene, die sich auf die Zeitangaben verlassen und im frischen Wüstenwind zwei Stunden zu früh auf einen der schroffen Felsen klettern, um sehnsüchtig die wärmende Sonne zu erspähen. Dennoch ein Muss, das sich zu gönnen lohnt. Die Ruhe surrt noch Stunden später - schon längst wieder im Bus sitzend - in den kalten Ohren nach, das bunte Farbenspiel flimmert wie Glühwürmchen in den müden Augen. Den genauen Zeitpunkt des morgendlichen Spektakels zu erfragen, bleibt ein kleines Detail, das nicht zu unterschätzen ist.

Fesselnde Landschaftsbilder, die von der kargen Einsamkeit des Wadi Rum über das fruchtbar-grüne Jordantal bis hin zu den bunten Korallenriffen des Roten Meers und dem gesundheitsfördernden Toten Meer reichen, treffen in Jordanien auf Geschichte, die bis ins biblische Zeitalter zurückgeht.

Das ganze Land ist übersät mit kulturellen Stätten und zweitausend Jahre alten Relikten der Nabatäer. Komprimiert anzutreffen sind diese in Petra, der versunkenen Felsenstadt. Auf den antiken Straßen pendeln keine Autos, keine Busse - die warten geduldig und diszipliniert aufgereiht vor den Toren. Rund 600.000 Besucher strömten allein im letzten Jahr hierher, um sich durch das enge "Siq" - Schlucht von Petra und einziger Zugangsweg - zu schlängeln.

Am Ende des labyrinthischen Weges liegt es dann vor uns, eingezwängt zwischen 100 Meter hohen Felswänden: Das imposante El Khaznah, das Schatzhaus von Petra. Wie Ameisen wuseln Touristen aus allen Ländern um das in Fels gehauene Gemäuer. Geschäftstüchtige Beduinen posieren für ein paar jordanische Dinar vor den Ruinen oder transportieren müde Fremde mit ihren haarigen Wüstenschiffen über antiken Stock und Stein.

Besonders populär sind hier - wie in den meisten arabischen Ländern - blonde Mähnen. Wer über eine solche verfügt, bekommt zwar immer früher ein Kamel als andere, muss aber auch um genau jene bangen. So seltsam es auch erscheinen mag, einheimische Männer bieten viel Geld dafür, güldenes Haar zu erwerben - als Mitbringsel für die Gattin, wer weiß?

Auf jeden Fall müssen alle Touristen aber für ihren Proviant sorgen, um auf den Spuren von Priestern und Pilgern dieses "achte Weltwunder" zu erkunden. Zumindest eine große Flasche Mineralwasser sollte im Handgepäck sein.

Weder Schaufenster noch Raststätten, weder Bars noch Bazare locken hier. Das einzige Restaurant liegt am Ende eines mehrstündigen Fußmarsches oder eines etwas kürzeren Kamelritts. Die fehlende Konkurrenz zum "The Basin" führt leider zu einer etwas minderen Küche im Kantinenstil. Der hiesige Kellner, der stolz von sich behauptet, das jordanische Double von Al Pacino zu sein, ist zumindest für Fans des amerikanischen Schauspielers eine Freude und einen Schmunzler wert.

Kaum Kriminalität vorhanden

Leider wird Jordanien fälschlicher Weise allzu häufig mit den von Israel besetzten Gebieten, dem so genannten "Westjordanland" verwechselt. Das Königreich Jordanien zählt jedoch zu den sicheren Reiseländern. Es gibt hier kaum Kriminalität. Hotels haben dennoch präventiv Sicherheitschecks vor den Eingangstoren eingerichtet, Autos und Busse dürfen nicht unmittelbar vor dem Hotel halten.

Touristen können sich ohne Furcht frei im Land bewegen. Um die vielen Facetten des Landes am bequemsten zu erleben, empfiehlt es sich eine geführte Rundreise zu machen. Einheimische Reiseführer kennen die Gepflogenheiten, bekommen oft bessere Tarife und zeigen versteckte Winkel - auch die zehn Prozent Grün -, die ein Individualreisender nur mit viel Glück oder einer besonders intensiven Vorabrecherche entdecken würde.

INFO JORDANIEN
Anreise

Royal Jordanian und Austrian Airlines fliegen je 4 mal pro Woche von Wien nach Amman und retour. www.rj.com bzw. www.aua.com

Auskünfte
Jordan Tourism Boardc/o Aviareps, Bernd KäferArgentinerstraße 2/4, A-1040 Wien, Telefon: 01/585 36 31 75, Email: jordanien@aviareps.com, www.see-jordan.com

Währung
1 Jordanischer Dinar = 1,17 Euro. Gängige Kreditkarten werden akzeptiert.

Autor/in: TINA EDER

© SN

 

diese seite | 22.05.2006 | 10:48

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