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Reiseberichte

Von Hofgastein nach Maca Bana
13. Mai 2006
Auf der karibischen Insel Grenada geht es gemächlich zu. Tourismus in großem Stil gibt es bis heute nicht.

Sie sitzen zwar immer noch, die Drahtzieher des blutigen Putschs von einst. Aber das mit Aussicht auf das Schönste, was Grenada zu bieten hat: Gleich zu Füßen des Gefängnisses auf Richmond Hill zieht sich die Grand Anse, der Traumstrand von St. George's, kilometerlang dahin - schneeweiß der Sand, türkisfarben die See. Auch das Hafenbecken, die Carenage, ist von hier aus zu sehen: schlanke Yachten, bauchige Lastensegler und die lebendige Promenade mit ihren Cafés, Restaurants und Bars.

Sogar Fort George liegt im Blickfeld, wo die Putschisten im Herbst 1983 ein blutiges Gemetzel veranstalteten, um das Muskatnussparadies gewaltsam auf marxistischen Kuba-Kurs zu zwingen, was eine Intervention der US-Marines nach sich zog und Grenadas touristische Entwicklung in einen tiefen Dornröschenschlaf versinken ließ. So blieb die karibische Perle eine naturbelassene. Tourismus im großen Stil ist auf der Gewürzinsel bis heute unbekannt.

"Meine Schicksalswende", erinnert sich Uli Kuhn. Der 39-Jährige stammt aus Oberwinter bei Bad Godesberg. Nach dem Abitur am Nico-laus-Cusanus-Gymnasium in Bonn absolvierte er eine Ausbildung an der Hotelfachschule Bad Hofgastein in Salzburg.

Eine spätere Dokumentarsendung über die Intervention der US-Streitkräfte, verbunden mit einem Hilferuf nach Fachpersonal zum Aufbau der traumatisierten Trauminsel, ließ den Junggastronomen aufhorchen. Er kündigte kurzerhand seine Stellung im Berliner Hotel Excelsior - und machte sich auf nach Grenada.

Der Chef packt eigenhändig zu

Inzwischen führt Kuhn auf der Insel das Aquarium Restaurant und, gleich daneben, mit La Sirena eine der beliebtesten Strandbars Grenadas, romantisch zwischen Kokospalmen an einem Traumstrand versteckt. Rum Punch, Carib Lager, Gin Tonic? Der Chef rennt selbst mit, wenn er Lücken im Service entdeckt. Obendrein betreibt Kuhn ein Cateringservice, das Gesellschaften bis zu 1000 Personen beliefert sowie Geschäfte und Cafés auf dem Campus der St. Georges University School of Medicine.

Sein neuestes Projekt liegt auf einem bizarren Küstenfelsblock: Maca Bana, eine Hand voll luxuriöser Urlaubsdomizile mit Blick auf St. George's.

Ein Aussteiger? Uli Kuhn lacht. Er hält sich eher für einen Einsteiger, der seine deutsche Heimat nach wie vor liebt und die Mentalität des Anpackens nicht verlernt hat. Als im September 2004 Grenada ins Auge von Hurrikan Ivan geriet, der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h große Schäden auf der Insel anrichtete, war der Chef von 40 Angestellten einer der Ersten, der nach Hammer und Nägeln griff.

90 Prozent aller Gebäude hatte Ivan zerstört sowie beinahe die gesamte Plantagenwirtschaft - Muskatnuss, Gewürznelken, Zimt, Ingwer, Kakao. Mittlerweile ist die Infrastruktur auf der Insel weit gehend wiederhergestellt.

Unbestritten gilt St. George's als die hübscheste Hafenstadt der Karibik. An den Quais der Carenage geht es gemächlich zu. Kisten werden auf Karren herangerollt, Kleinmöbel stapeln sich. Zementsäcke, Baustahlmatten und Hohlblocksteine landen im Bauch der Segelschoner, die von hier aus die Nachbarinsel Carriacou sowie andere Eilande der Grenadinen beliefern. In den Hafenbars sitzt es sich vorzüglich bei einem eisgekühlten Carib Lager Beer. Am besten an einem Samstagvormittag, wenn die Schlauchboote der Yachtbesitzer heranschnurren, die auf dem bunt wimmelnden Markt ihrer Vorräte auffrischen. Echte Seglerveteranen sind das manchmal: bärtig, braun gebrannt und auf den Schultern Jutesäcke, in denen nach herzhaftem Feilschen mit humorigen Marktfrauen Melonen, Mangos, Papayas und Bananen verschwinden.

Zeugen der Kolonialgeschichte

Bei all dem Treiben wirkt die Kulisse wie ein kitschiges Werbeplakat: unten am Wasser alte Hafengassen mit gusseisernen Laternen, die Glockentürme der katholischen Kathedrale, der anglikanischen und der presbyterianischen Kirchen, der Marktplatz, die Bibliothek, der Gerichtsplatz, die Kolonnaden. Terrassenförmig ziehen sich ringsum leuchtende Fassaden in tropisch wuchernde Inselberge hinauf. Mittendrin thronen Fort George (1706) und Fort Frederick (1783) - beeindruckende Bastionen der Kolonialgeschichte, die Christoph Kolumbus vor einem halben Jahrtausend in Gang brachte.

Natürlich kennt Uli den Rudolf, der seit über 30 Jahren auf Grenada und selbst schon eine Legende ist. Genauer gesagt handelt es sich um Rudolf Hoschtialek aus der Steiermark, gelernter Metzger, gelernter Koch. "John Wayne kam jedes Jahr hierher", erzählt der Österreicher, und etwas Trauer um seinen alten Freund schwingt in der Stimme mit. Der Tresen in Rudolfs Hafenkneipe, die zum Bedauern von Stammgästen aus aller Welt bis auf die Grundmauern niederbrannte, war Waynes Lieblingsplatz.

Unausweichlich folgt die stammtischerprobte Geschichte über Raimund Harmstorf: Wie der "Seewolf"-Schauspieler damals für Pressefotografen als Hochseeangler posieren und einen riesengroßen Raubfisch so lange vor klickende Kameras halten musste, bis er davon blaue Finger bekam. Der Fisch stammte, in Ermangelung einer echten Trophäe, aus Rudolfs Tiefkühltruhe.

INfO GRENADA
Anreise
Mit British Airways ganzjährig von Frankfurt via London und Barbados.

Veranstalter
Grenada haben zahlreiche Veranstalter im Programm wie TUI, Dertour, Meier's Weltreisen, airtours, Sunny Islands und Ruefa Reisen.

Reisezeit ganzjährig; im Sommerhalbjahr feuchtwarme Nebensaison, November bis Februar trockene, kühlere Hauptsaison.

Währung
US-Dollar oder ECC (East Caribbean Dollar) sowie gängige Kreditkarten.

Reiselektüre
"Karibik", Kleine Antillen, APA-Guide, Polyglott.

Auskünfte
Grenada Board of Tourism (für Österreich, Schweiz und Deutschland), Wiesbaden/Deutschland, Tel. 0049/611/267 67 20, E-Mail: grenada@discover-fra.com, www.grenadagrenadines.com.

Autor/in: ROLAND F. KARL

© SN

diese seite | 15.05.2006 | 13:24

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