|
Erloschene Vulkane, glasklares Meer, eine vielfältige Unterwasserwelt. Bora Bora, eine Trauminsel nicht nur für Hochzeitsreisende.
Leicht gleitet die „Maraamu“ über das türkisfarbene Wasser der Lagune. Kein Segel treibt den Katamaran. Das besorgt ein kräftiger Heckmotor. Denn unsichere Windverhältnisse will hier keiner riskieren: Der gebuchte und penibel geplante Tagesausflug, einmal rund um die Insel Bora Bora mit Picknick plus Rochenfütterung zum Pauschalpreis verträgt keine Flaute.
Alles läuft nach Plan. Die versprochenen Mantarochen beim ersten Schnorchelstopp inmitten der Lagune haben sich zwar verkrümelt, dafür sind ihre kleineren Verwandten, diese neugierigen Stachelrochen, um so erfreuter, Touristen zu sehen. Im flachen, kristallklaren Wasser vor der Riffinsel, dem so genannten Motu, werden nicht nur vom ersten Sonnenbrand gerötete Gäste mit Happen vom Holzkohlengrill versorgt, auch für die Rochen gibt es Futter – frische Sardinen. Freilich nicht umsonst, zuvor müssen die plattnasigen, eleganten Schwimmer einige Beine, Arme und Rücken betätscheln und sich ausgiebig streicheln lassen. Zwei Japanerinnen kreischen. Die blondierte Italienerin bekommt den Mund nicht mehr zu, ihr Mann steht hinter dem Camcorder wie festgewachsen. Doch Maud, die Rochenflüsterin, ist unerbittlich. Sie macht diese Tour fast täglich und gibt den Preis für die Rochen vor: einmal Touristentätscheln, eine Sardine. In diesem deklarierten Südseeparadies arbeiten sogar die Fische für den Fremdenverkehr.
Besatzer brachten Veränderungen
Weißhäutige Fremde sind auf Bora Bora nichts Neues. Die Trauminsel für frischgebackene Liebespaare, Ehepaare oder Erben – immerhin kosten über das Wasser gebaute Bungalows in den feinen Hotels ab 300 Euro pro Tag – war noch vor Tahiti die erste Insel Französisch Polynesiens, die ein Flughafen erschlossen hat. Auslöser für den Zivilisationsschub waren jedoch weder Qualität der Sandstrände noch das atemberaubende Farbspiel der Lagune, sondern „Operation Bobcat“. Weihnachten 1942 brachte den Insulanern 5000 amerikanische Soldaten, zwei Kilometer Flugpiste, acht Artilleriekanonen und Treibstofftanks. Nach der Kapitulation Japans zogen im Juni 1946 die Amerikaner wieder ab. Zurück blieben, wie ein französischer Zeitgenosse notierte, „ein paar überwucherte und verrostete Panzer, eine Generation von Mischlingskindern und vielleicht auch der Geschmack des Geldes und des Konsums“.
Im Vergleich zu überlaufenen Urlaubszielen ist Bora Bora jedoch eine Idylle geblieben. Für Augen und Seele eine Wohltat sind die wollig-grüne Silhouette der beiden erloschenen und verwitterten Vulkane Otemanu und Pahia, die schlanken Kokospalmen der flachen Riffinseln, die die Lagune vor den Launen des Ozeans schützen, das Leuchten des aquamaringrünen Wassers und die üppige Blumenpracht. Draußen, auf Piloten über dem Wasser der Lagune, stehen die typischen Fares, die polynesischen Häuser aus Pandanusholz und Palmstroh. Sie gehören meist großen Hotelketten wie Intercont, Le Méridien, Pearl Beach Resort, Bora Bora Nui Resort oder Sofitel und sind luxuriös eingerichtet, manchmal sogar mit Glasboden zum Fischerl-schauen.
Gastfreundlich sind die Polynesier noch immer, sogar auf Tahiti, ein bisschen auf Bora Bora und viel mehr noch auf einer der anderen Inseln, obwohl die einst legendäre Großzügigkeit seit der Zeit der Meuterei auf der Bounty durch Fremdenverkehr und französische Militärpräsenz doch etwas gelitten hat. Gut vierzehn Euro werden für einen klapprigen Drahtesel auf dem im Insel-Vergleich recht teuren Pflaster Bora Bora pro Tag verlangt, in dieser Zeit geht sich eine Inselumrundung locker aus. Rund 35 Kilometer Asphalt, aber gottseidank immer am Ufer entlang, der Drahtesel Fahrrad ist für Steigungen nicht gebaut.
Freundlichkeit ohne Hintergedanken
Fertigteilhäuser ducken sich um weißgetünchte Kirchen, am Straßenrand stehen Hibiskussträucher Spalier, die darunter schlafenden Hunde können nicht einmal zwei fremde Radfahrer wecken. Menschen winken aus Gärten. Selbst die alte Marktfrau in ihrem großgeblümten Kleid lächelt breit. „Mauruuru“, heißt der erstaunte Dank, als sie zu gekauften Bananen gratis noch eine halbe Staude drauflegt. Freundlichkeit ganz und gar ohne kommerziellen Hintergedanken gibt es noch, freilich abseits der Perlenboutiquen, Souvenirläden und Hotellobbys. Vor allem auch in der Kirche.
„Ia Orana e Maeva“. „Grüß Gott und willkommen“ ruft der gedrungene Herr im grauen Anzug von der Kanzel und so herzlich wie hier hat das bisher noch nie geklungen. Es ist Sonntag vormittag in der protestantischen Pfarre der „Hauptstadt“ Vaitape, und der freundliche Herr ist der evangelische Pastor, der den Gottesdienst hält. Ein Häufchen Touristen sitzt gedrängt in zwei blank polierte Bankreihen aus dunklem Holz und staunt über die anschwellende, noch nie gehörte Kraft der Gesänge und den Sonntagsputz der Gläubigen. Frauen sitzen dicht aneinander in strahlendweißen Kleidern mit Puffärmeln und Stickereien, die breitkrempigen Strohhüte schwer beladen mit Hibiskus, Pandanusblüten und Palmgrün, das lange schwarze Haar gewellt bis zur Taille. Auch die Männer haben ihr bestes Hemd angelegt, niemand würde hier in Jeans erscheinen.
Solche Mißgriffe in den Kleiderkasten bleiben den blassen Gäste aus Übersee vorbehalten, den „Popaa“. Doch an die und deren oft seltsame Bräuche haben sich die Bewohner von Bora Bora längst schon gewöhnt. Von denen gafft keiner mehr. Das überlassen sie den Touristen.
INFO BORA BORA Veranstalter Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet der Club Med auf Bora Bora, besonders für Sportler. Raiffeisen Reisen bietet sieben Tage all inclusive à la Club Med (exzellente Buffets) im DZ, mit Flug ab Salzburg via Paris und Transfer ab 2645 Euro. Info: www.raiffeisen-reisen.at.
Klima Warm und trocken, also angenehmste Reisezeit ist von Mai bis Oktober, da finden auch die meisten Veranstaltungen statt, wie Tanz- und Musikwettbewerbe und das Pirogenrennen „Hawaiki Nui Va’a“ im Oktober, dessen Ziel auf der Südspitze Bora Boras liegt.
Gesundheit In Polynesien gibt es weder giftige Tiere noch sind Impfungen vorgeschrieben. Ganz wichtig jedoch ist guter Gelsenschutz.
Währung Es gilt der pazifische Franc (XPF). Er ist fix an den Euro gebunden, 1000 XPF sind 8,38 Euro.
Autor/in: Barbara Hutter
© SN

|