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Die Ruhe des Wassers und das langsame Vorbeigleiten der Landschaft geben einer Nilkreuzfahrt ihren hohen Erholungswert. Kaum ist man an Bord, stellt sich Urlaubsstimmung ein.
Der griechische Historiker Herodot, Ahnherr der Bildungsreisenden, hat den viel zitierten Ausspruch getätigt, Ägypten sei ein Geschenk des Nils. Und es gibt keine bessere Möglichkeit für den Ägyptenreisenden, als dieses Geschenk bei einer Nilkreuzfahrt auszupacken und zu bewundern. Besonders auf der ca. 200 Kilometer langen Strecke zwischen Luxor und Assuan reihen sich, am Band des Nils aufgefädelt, die beeindruckendsten Zeugen der über 7000 Jahre alten ägyptischen Kultur.
Der Reiz einer Reise auf dem Nil liegt zweifelsohne in der absoluten Beschaulichkeit. Während man auf dem Oberdeck seinen Drink schlürft, zieht eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch langsam vorbei. Links und rechts am Ufer ducken sich flache, strohgedeckte Häuser in das Grün, weiden Wasserbüffel und Pferde, glitzern Minarette in der Sonne. Kinder spielen Fußball, schwarz gekleidete Frauen transportieren Körbe auf ihren Köpfen, ein Vater sitzt mit seinem Sohn im Schilf und fischt. Ein Idyll.
Luxor, das ehemalige Theben, ist Ausgangspunkt der Nilkreuzfahrt, die allerdings mit einer Expedition an Land beginnt. Zuvor hat man jedoch noch die Hürden der akribischen Sicherheitskontrollen nach der Landung am Flughafen und des langen Wartens auf das Gepäck zu nehmen. In Ägypten, das muss der Europäer zur Kenntnis nehmen, ticken die Uhren anders, langsamer.
In der Ankunftshalle wartet Adel, der ägyptische Fremdenführer, schon geduldig auf seine Schäfchen. Im klimatisierten Bus geht es zur Anlegestelle für Nilschiffe, die, weil der Platz nicht ausreicht, nicht hintereinander, sondern nebeneinander vertäut sind. Daher kann es schon einmal vorkommen, dass der Reisende aus seinem Kabinenfenster nicht auf den Nil, sondern in ein Fenster des Nachbarschiffs blickt, wo sich gerade ein in Feinrippunterwäsche gekleideter rundlicher Nilkreuzfahrer eine Flasche ägyptisches Bier gönnt.
Adel gibt seinen Gästen gerade einmal eine Stunde, um sich auf der "MY LTI Alyssa", einem Fünfsterneschiff mit allem Komfort, frisch zu machen und das Gepäck zu verstauen. Die Ausflüge auf den Kreuzfahrten sind fakultativ, aber wer möchte schon einen Besuch der Tempelanlagen von Luxor und Karnak am Ostufer des Nils versäumen.
Der Tempel von Luxor war der Göttertriade Amun, Mut und Chons geweiht. Inmitten des Stadtgebiets von Luxor gelegen, bietet er besonders in den Abendstunden im Scheinwerferlicht mit seinem Obelisken, zwei Kolossalstatuen von Ramses II. und den zahlreichen Reliefs einen überwältigenden Anblick.
Die zwei Kilometer lange Sphingen-Allee verbindet den Tempel mit der Anlage von Karnak, dem größten und bedeutendsten Heiligtum des alten Ägypten. Will man den Weg dorthin allerdings zu Fuß bewältigen, braucht man starke Nerven. Händler, Straßenverkäufer und Kutscher bieten ihre Dienste an. "Hallo, woher kommst du? Alles Obi, oder was?" Die Händler müssen wohl längere Zeit als Zeitungskolporteure in Deutschland gearbeitet haben.
Hier wie auch bei allen anderen historischen Stätten wird alles angeboten, was kürzlich ausgegraben oder in Taiwan hergestellt wurde: "echtes" Papyrus, Schrifttafeln, Skarabäen, Schals, Statuen und vieles mehr.
Bauchtanz und Nubische Folklore
Nach eineinhalb Stunden anstrengender Besichtigung der Tempelanlagen locken Abendbüfett und anschließender Barbesuch an Bord: Bauchtanz und Nubischer Abend sind fixe Bestandteile der Unterhaltung auf einer Nilkreuzfahrt.
Am nächsten Tag steht ein Ausflug nach Theben-West, in die Nekropole der alten Ägypter, auf dem Programm. Auf dem Weg zu den Königsgräbern, vorbei an Palmenhainen, Zuckerrohrfeldern und Gärten, trifft man auf die Memnonkolosse, die einst den Tempel von AmenophisII. bewachten.
Im Tal der Könige wurden in 64 Felsengräbern, von denen nur etwa 15 für das Publikum geöffnet sind, Pharaonen und deren engste Angehörige beigesetzt. Vom mit Bussen, Taxis und anderen Fahrzeugen verstopften Parkpatz vor dem Eingang bringt ein als Kleinbahn verkleideter Traktor mit Anhängern die Besucher zum Eingang des Areals. Besonders sehenswert, auch wegen ihrer farbenfrohen Malereien und Reliefs, sind die Gräber von Tutanchamun, Ramses V./VI., Siptah und Thutmosis III.
Wer gut zu Fuß ist, kann anschließend in einem etwa einstündigen Fußmarsch über den Bergrücken zum Tempel der Hatschepsut, zum Deir el-Bahri, wandern. Der Tempel mit drei übereinander liegenden Terrassen klebt am Fuß des Bergmassivs und bietet besonders in der Morgensonne einen herrlichen Anblick.
Tags darauf wird der besterhaltene Tempel Ägyptens, Edfu, besucht. Seine Dimensionen sind beeindruckend: Der Eingangspylon ist 64 Meter breit und 36 Meter hoch, geschmückt mit einem riesigen Relief, das den Pharao darstellt, der den Feind am Schopf packt und auf ihn einschlägt. Auf den Darstellungen im Inneren des Tempels stechen ibis-, hunde- und andersköpfige Götter zuerst in See und dann auf den Gegner ein, Begräbnis-, Hochzeits- und Krönungszeremonien - eine unüberschaubare Menge an Szenen des altägyptischen Lebens prasselt auf die Besucher nieder. Adel versucht die Zusammenhänge zu erklären, doch leider geht ein Großteil seiner Ausführungen im babylonischen Sprachengewirr der Touristengruppen unter.
Flussaufwärts geht es weiter zum Doppeltempel Kom Ombo, direkt am Nil gelegen. Hier waren der Krokodilgott Sobek und der falkenköpfige Haroëris zu Hause.
Den Abschluss der Kreuzfahrt bildet eine beschauliche Felukenfahrt auf dem Nil in Assuan, kombiniert mit dem Besuch des Botanischen Gartens. Lautlos gleitet das seit Jahrtausenden in gleicher Bauweise produzierte Segelboot über das Wasser, vorbei an der Insel Elephantine mit ihren nubischen Dörfern und dem hässlichen Oberoi-Hotelklotz.
Am Ende der Fahrt gibt es noch eine kleine Gesangseinlage mit Trommelbegleitung vom Assistenten des nubischen Kapitäns. Und natürlich kramt er anschließend zwei Plastiksäcke mit Souvenirs unter dem Sitz hervor - wenn man nichts kauft, wer weiß, ob der Steuermann jemals zum Ufer zurück findet?
INFO NILKREUZFAHRTEN Veranstalter U. a. bietet Jahn Reisen einwöchige Kreuzfahrten mit Fünfsterneschiffen in der Außenkabine mit Vollpension ab österreichischen Flughäfen an. Info und Buchung im Reisebüro mit Jahn-Reisen-Programmen oder unter www.jahn-reisen.at.
Klima Ägypten hat ein trockenheißes Wüstenklima. Auch im Winter gibt es kaum Niederschläge, Regen fällt allenfalls in den Küstenregionen. Die beste Reisezeit für Ägypten ist von Mitte September bis Mai, die Mittagstemperaturen liegen dann selten über 25 Grad und die Nächte sind mit Temperaturen um 10 Grad eher kühl.
Währung Landeswährung ist das Ägyptische Pfund (EP). 1 Euro = 7 EP.Wegen des günstigeren Kurses sollte Geld auf jeden Fall erst in Ägypten getauscht werden.
Autor/in: HERBERT HILZENSAUER
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