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Reiseberichte

Rangiroa ist die Rhapsody in Blue
25. Februar 2006
Umspült von 20.000 Quadratkilometern Ozean, verkörpern die Inseln des Tuamotu-Archipels in Französisch-Polynesien den Südseetraum.

Wir stehen bis zum Bauch in der kristallklaren Lagune und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Szenerie rund um uns ist einfach unverschämt schön. Andächtig sehen wir zu, wie die untergehende Sonne die tropischen Wolkentürme pinkfarben bis violett färbt. Bunte Korallenfische ziehen zwischen den Pfählen der Wasserbungalows ihre Runden. Auch die für Menschen ungefährlichen Baby-Schwarzspitzen-Riffhaie sind rechtzeitig zur Dämmerung eingetroffen. Es ist mucksmäuschenstill, man kann sogar die Kokosnüsse von den Bäumen plumpsen hören. Jeder, der Rangiroa zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht, ist überwältigt. Daran ändert auch die Vermarktung dieses Paradieses auf Shampooflaschen und Fototapeten nichts. Es ist einer dieser Plätze, nach denen man sich sehnt, auch wenn man noch nie da war.

Die Tuamotu bilden die größte der fünf polynesischen Inselgruppen. Rangiroa ist das bekannteste Atoll des Archipels und gleichzeitig das nach Aldabra im Indischen Ozean zweitgrößte Atoll der Welt. Es ist eine Welt in Blau in allen Nuancen und Schattierungen. Blauer Himmel, blaues Meer, blaue Lagune. Darunter mischen sich weitere intensive Farben der restlichen Tuamotuinseln. Weiß sind die endlosen Sandstrände auf Fakarava, grün die dichten Kokospalmenhaine auf Ahe und leuchtend rot die Hibiskussträucher auf Vanavana, die aber von Touristen kaum besucht werden.

Leben auf einem dünnen Landstreifen

Die Lagune von Rangiroa muss man sich wie eine gigantische Badewanne mit einem Umfang von ca. 225 Kilometern vorstellen, in der die ganze Insel Tahiti Platz hätte. Die Ringform des Atolls ist am eindrucksvollsten vom Flugzeug aus zu betrachten. Je nach Sonnenstand und Tiefe schimmert das Wasser blau, grün oder türkis. Die glasklare, lauwarme Lagune und der tintenblaue, wilde Ozean sind mehr oder weniger nur durch einen dünnen Landstreifen getrennt. Darauf findet das Atollleben statt. Fernab städtischen Treibens leben die wenigen Einwohner im Einklang mit der Natur.

Das Tiefseetauchen beispielsweise hat hier eine lange Tradition. Der Fischfang ist die wichtigste Einnahmequelle der Insulaner, ihr Fang landet hauptsächlich auf den Märkten Papeetes. Die Kopragewinnung - das Trocknen des Fruchtfleischs der Kokosnuss - wurde zu Gunsten der ertragreicheren Perlenzucht fast aufgegeben. Seit Jahrtausenden ist in der warmen Südsee eine Muschel heimisch, die die weltbekannte schwarze Tahitiperle hervorbringt. Rangiroa ist ein Zentrum der Perlenzucht mit eigenem Forschungszentrum dafür.

"Atolle sind ringförmige Überbleibsel ehemaliger Vulkane", erklärt uns Olivier, unser Tischnachbar, der erstaunlich viel über unser Urlaubsziel weiß. "Die oft nur minimal aus dem Wasser ragenden Erhebungen sind keine Inseln im herkömmlichen Sinn, sondern ein Megaorganismus abertausender Kreaturen. Zuerst wachsen im Laufe der Erdgeschichte Vulkane aus den Tiefen des Meeres empor und bilden Inseln. Korallenpolypen siedeln sich an. Wenn der Druck aus der Tiefe nachlässt, beginnen die Inseln ganz langsam ins Meer zurückzusinken. Nach Millionen von Jahren sind sie gänzlich verschwunden und es verbleiben ringförmigen Atolle, die Generationen von Korallen geschaffen haben", fährt er fort und tätschelt dabei verliebt die Hand seiner kürzlich Angetrauten.

Er und Florence verbringen hier die Flitterwochen. Ein perfekter Ort für Honeymooner und bestens geeignet für alle, die den Traum vom Robinsonleben noch nicht ausgeträumt haben. "Die Hotelzimmer sind unseren Gästen nicht so wichtig", sagt Joice, das Zimmermädchen des einzigen Luxusressorts Rangiroas. "Es ist sowieso schade um jede Minute, die man hier von Mauern umgeben ist", strahlt sie uns an, während sie das Bett mit frischen Blüten schmückt. Deshalb hat man wahrscheinlich auch ein Glasfenster in den Boden des Overwaterbungalows gemacht. So kann man von der Wohnzimmercouch aus auch abends dem Treiben im Wasser bei Scheinwerferlicht zusehen.

Tauchen mit ein wenig Nervenkitzel

Getümmel herrscht auf unserer Trauminsel wirklich nur unter der Wasseroberfläche. Was es hier zu sehen gibt, ist so ziemlich das Beste, was leidenschaftlichen Tauchern vor die Brille kommen kann. Sie kommen wegen des Nervenkitzels. Seltene Arten wie Limonen-, Tiger- und Makrohaie warten im tieferen Wasser außerhalb der Lagune. "Heute Morgen haben wir sechs Mantas und einen Hammerhai gesehen", berichtet Fred, seit sieben Jahren Tauchguide hier. Wer nicht in den Neoprenanzug schlüpfen will, wird auch mit Schnorchel und Maske das Auslangen finden. Die Vielfalt an Fischen ist beinahe unendlich. Der weiße Sand reflektiert das Licht auch noch in einigen Metern Tiefe, als würde man an einem sonnigen Tag aus dem Fenster sehen.

Dass der Maler Paul Gauguin Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Französisch- Polynesien lebte und arbeitete, ist hinlänglich bekannt. Sein Nachfolger Henri Matisse, der ebenfalls hierher kam, formulierte seine Gefühle sehr trefflich. "Ich habe", so schrieb er, "das magische Universum Ozeaniens in mich aufgesogen wie ein Schwamm." Wir halten es wie er. Tief durchatmen und das Paradies inhalieren, damit wir daheim noch lange davon zehren können.

INFO RANGIROA
Anreise
Flüge mit Air France acht Mal pro Woche ab Wien via Paris und Los Angeles ab 999 Euro, Telefon 01/50 222 2400 oder www.airfrance.at. Rangiroa wird von Air Tahiti ab Papeete mehrmals wöchentlich angeflogen.

Auskunft
Umfangreiche Informationen bei Maison de la France Österreich,Tel. 0900 25 0015 (0,68 €/min.), E-Mail: info.at@franceguide.com oder www.tahiti-tourisme.pf oder www.franceguide.com.

Klima
Das tropische Klima beschert den Tuamotu 3000 Sonnenstunden pro Jahr, es regnet selten. Jahresdurchschnittstemperatur relativ gleich bleibend um die 26 Grad.

Allgemeines
Die meistbesuchten Inseln auf den Tuamotu sind Rangiroa, Tikehau, Manihi und Fakarava. Es gibt wenige, aber gute Hotels. Freundliche Familienpensionen sind weit verbreitet. Das Preisniveau ist wie in ganz Französisch-Polynesien relativ hoch. 

Autoren: ELISABETH SCHMIDT UND JUAN MARTINEZ

© SN

 

diese seite | 27.02.2006 | 16:31

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