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Reiseberichte

Touristen als Tarzan
11. Februar 2006
Mehr landschaftliche Vielfalt als in Costa Rica ist auf einem Stückchen Erde, das um ein Drittel kleiner ist als Österreich, wohl nicht unterzubringen.

Natur ist Trumpf in diesem Musterland Mittelamerikas - fast ein Drittel des Landes sind Nationalparks und Naturschutzgebiete.

Wer hier wohl mehr Spaß hat? Die Menschen, die im Klettergeschirr an Stahlseilen von Baumkrone zu Baumkrone rauschen, oder die Affen, die ihre seltsamen Verwandten mit lautem Geschrei eskortieren? Canopy nennt sich diese abenteuerliche Art, die Wälder Costa Ricas wie Tarzan zu entdecken. Naturforscher, die bei ihrer Arbeit in den bis zu 30 Meter hohen Baumwipfeln nicht ständig auf und ab klettern wollten, entwickelten diese Fortbewegungsmethode. Heute vergnügen sich auf diese Weise schwindelfreie Naturliebhaber - zum Beispiel auf der Buena Vista Lodge im Norden des Landes. Doch die luftige Fahrt von Baum zu Baum durch das dichte Blätterdach ist nur eine, wenngleich vielleicht die reizvollste Möglichkeit, die grandiose Natur Costa Ricas zu entdecken.

Steppen, Gebirge und grüne Täler, Mangrovensümpfe und saftige Almen, Seen, Wasserfälle, Geysire und Vulkane: Mehr landschaftliche Vielfalt als in Costa Rica ist auf einem Stückchen Erde, das kaum größer ist als Niedersachsen, wohl nicht unterzubringen. In der Gegend um die Buena Vista Lodge gibt es außer Urwald vor allem Viehweiden: Millionen Rinder grasen hier, um später in den USA zu Fastfood oder Hundefutter verarbeitet zu werden. "Für Steaks ist das Fleisch den Amerikanern nicht gut genug, weil die Rinder nicht mit Hormonen behandelt werden", berichten die Campesinos verständnislos. "Aber was will man machen?"

Ein Logenplatz für den Vulkanausbruch

Vor ein paar Jahren haben die Landarbeiter auf der Buena Vista Lodge mit dem Tourismus eine neue Aufgabe bekommen. Seit es auf der Hacienda auch einige rustikale Bungalows gibt, sind die Campesinos nebenbei Barkeeper, Canopy-Guides und Führer bei Wanderungen und Ausritten zu den Geysiren am Fuß des schlafenden Vulkans Rincón de la Vieja im gleichnamigen Nationalpark.

Insgesamt finden sich in dem kleinen Land im Herzen Mittelamerikas 112 Vulkane, die teilweise noch aktiv sind. Das spektakulärste Schauspiel bietet der Vulkan Arenal. Glutrote Magmabrocken schleudert er seit fast 40 Jahren beinahe täglich aus seinem Krater. Ein Spektakel, für das es im Thermalbad Tabacón einen Logenplatz gibt. In gebührendem Abstand zum Vulkan, dessen Husten und Fauchen sich mit den Geräuschen des Regenwaldes mischt. Ticos - wie sich die Costa-Ricaner nennen - und Touristen aalen sich gemeinsam im 40 Grad heißen Thermalwasser und genießen von den Außenanlagen des Bades den Blick auf das glutrote Feuerwerk.

Abkühlung gibt es wenige Kilometer östlich bei den Wasserfällen von Fortuna. Eine holprige Schotterstraße führt ins Hinterland. Bilder wie für Postkarten arrangiert: Pferde grasen auf den üppigen Wiesen vor dem 1633 Meter hohen Vulkan Arenal, um dessen Gipfel wenige Wölkchen tanzen. Ein Helikopter verschafft Ausflüglern den Blick in den Krater. Die Alternative: Man umrundet den Vulkan mit dem Auto und steigt zu den Cascadas ab, den Wasserfällen, an denen die Gischt meterhoch nach oben spritzt.

Wer auf den schmalen Pfaden in Atemnot gerät, der hat angesichts der exotischen Blüten am Wegesrand Ausreden genug für eine Verschnaufpause: 12.000 Pflanzenarten wachsen in Costa Rica. Darunter etliche Exemplare, die man vom heimischen Blumenfenster kennt - allerdings bei Weitem nicht in der Pracht, in der sie hier gedeihen.

Auch die Brüllaffen lieben Blumen. Die handtellergroßen roten Blütenblätter der Kakaopflanze haben sie zum Fressen gern. Ihrem Namen machen sie übrigens alle Ehre: Man vernimmt ihr Geschrei im ganzen Land, besonders durch die dünnen Wände der Urwaldlodges im Nationalpark Tortuguero. Als würde es ihnen nicht passen, dass Touristen in der Abgeschiedenheit der Dschungelkanäle Ruhe suchen, übertönen die possierlichen Tierchen mit ihren furchteinflößenden Schreien das Rauschen der Karibik.

Spätestens bei einer Kanutour im Morgengrauen bekommt man die Brüllaffen zu sehen. Flink turnen sie von Ast zu Ast und sind dabei viel leichter zu erkennen als die trägen Faultiere und Leguane, die auf den exponiertesten Ästen hoch über dem Wasser liegen.

Nur Christian, ein Deutschperuaner, der als Urwaldspezialist wissbegierige Gäste begleitet, sieht sie alle. Sogar den winzigen Pfeilgiftfrosch, der knallrot wird, wenn er ihn schüttelt.

Sehenswertes Schildkrötenreservat

Berühmt ist Tortuguero allerdings weder wegen der Frösche noch wegen der Tukane, die mit ihren bunten Schnäbeln weithin sichtbar sind. Seinen Namen hat das Dorf von den Tortugas, den Meeresschildkröten, die im feinen weißen Karibiksand ihre Eier ablegen. 1970 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Kein Weg führt in das ausgedehnte Sumpfland. Wer das Schildkrötenreservat besuchen will, der landet mit dem Flugzeug auf der kitschig-malerischen Piste zwischen Meer und Lagune oder er fährt per Boot.

Die Fahrt geht vorbei an grellbunten Häuschen mit der obligatorischen Hängematte vor der Tür. Vorbei an kleinen fensterlosen Schulhäusern, aus denen lachende Kinder winken. Costa Rica ist ein friedliches Land mit relativ großem Wohlstand.

1949 schaffte Costa Rica das Militär ab und stärkte das Bildungs- und Gesundheitswesen. Die niedrigste Analphabetenrate und die höchste Lebenserwartung Lateinamerikas sind die Folge.

Mitten im Urwald stellen staatliche geförderte Internetcafés den Kontakt zur Außenwelt sicher. Auch die Computermaus hat bei den Ticos eine Heimat.

INFO COSTA RICA
Veranstalter

U. a. bietet Ruefa Reisen bis 30. März 2006 eine sieben- oder 14-tägige Mietwagenrundreise ab 1100 Euro ex Wien. Info und Buchung in Ruefa-Reisebüros oder unter www.ruefa.at.

Klima
Costa Rica hat lediglich zwei Jahreszeiten: Die trockene Jahreszeit von Dezember bis Mai mit wenig und die feuchte Jahreszeit von Juni bis November mit mehr Regen.

Währung
1 Costa Rican Colón (CRC) = 100 Céntimos. 1 Euro = 585,82 CRC. Die Mitnahme von US-Dollar in bar wird empfohlen, Kreditkarten werden in der Regel akzeptiert.

Autor/in: HEIDI SIEFERT

© SN

 

diese seite | 13.02.2006 | 14:54

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