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Tosende Wasserfälle, nebelverhangene Regenwälder, bizarre Lavalandschaften, Feuer speiende Vulkane, 3000 Meter hohe Berggipfel, wilde Küsten und bunte Dörfer. Auf Réunion zeigt sich die Natur von ihrer wildesten Seite.
Vier Uhr am Morgen. Die Nacht ist sternenklar. Eiskalte Luft beißt in den Lungen. Wie weggeblasen ist die Müdigkeit. Der Lichtkegel von vier Taschenlampen geistert über den matschigen Boden. Meterlange Flechten überwuchern das Gebüsch am Wegrand. Ein mit Wassertropfen überzogenes Spinnennetz funkelt im Lichtstrahl. Das fast acht Meter mächtige Kunstwerk der handtellergroßen Seidenspinne schaukelt sanft zwischen den Agaven. Mühsam geht es voran, Felsstufe um Felsstufe. Noch 1800 Höhenmeter bis zum Piton des Neiges, dem höchsten Berg auf Réunion.
"La Réunion, c'est la France", sagte einst Charles de Gaulle über das Eiland mitten in den Tropen, das nur eine Flugstunde von Mauritius entfernt liegt. Ein Stück Frankreich, 10.000 Kilometer vom Mutterland entfernt und von der Größe Luxemburgs, das mit ewigem Sommer, Sonne und Wasser jedes Jahr tausende Besucher anlockt. Entstanden ist das französische Übersee-Département aus den Tiefen des Indischen Ozeans. Vulkanausbrüche und durch tropische Regenstürme verursachte Erosion haben den "Garten Eden" in Millionen Jahren geformt.
Das Herz Réunions bilden die drei Talkessel von Cilaos, Mafate und Salazie, "Cirques" genannt. Diese drei vulkanischen Einsturzkrater umgeben den höchsten Berg der Insel, den 3070 Meter hohen Piton des Neiges. Die drei Cirques könnten kaum unterschiedlicher sein. Mafate ist der einzige Krater, der bis heute nur zu Fuß oder per Helikopter erreichbar ist. Sieben Kilometer ist der Kessel breit. 180 Kilometer Wanderwege führen durch das tropische von Schluchten zerklüftete Bergidyll bergauf und bergab. Der saftig grüne Kessel von Salazie ist mit seinen ungezählten in die Tiefe stürzenden Flüssen das Paradies für Schluchtenwanderer. Passatwolken stauen sich dort in einem der regenreichsten Gebiete der Erde. Cilaos ist der trockenste der drei Cirques. Im einzigen Thermalbad im Indischen Ozean erholt sich der Besucher unter Palmen und Bananenstauden von anstrengenden Bergtouren.
Ein idealer Tag für den Gipfelsturm. Wolkenlos und herrlich blau. Tief unten im Talkessel erwacht Cilaos. Die märchenhaften Wälder aus Tamarinden und Farnbäumen haben die vier Gipfelstürmer weit hinter sich gelassen. Karge Büsche begleiten den Weg. Die Füße stolpern über grobes Geröll. Das nervt und die Zehen schmerzen. Der Rucksack drückt. Die dünne Luft macht sich bemerkbar. Endlich taucht das ersehnte Hinweisschild auf. Die Berghütte Caverne Dufour liegt auf 2478 Metern an der Südostflanke des Schneebergs. Von Südosten steigen Passatwolken auf und verhüllen die Landschaft mit dichtem Nebel. Noch sechshundert Kräfte raubende Höhenmeter zum höchsten Gipfel der Insel.
Ein Ausgangspunkt für traumhafte Trekkingwege und abenteuerliche Canyoningtouren ist das auf 1200 Metern Höhe gelegene Örtchen Cilaos. Dort verläuft der Rundwanderweg "GR R1". In sechs Tagen sind atemraubende 10.000 Höhenmeter und 95 Kilometer zu überwinden. Über steile matschige Pfade, fest montierte Aluleitern und ungezählte Treppen quält sich der Wanderer um den Piton des Neiges und durch die drei Cirques. Ein Abstecher auf den höchsten Berg der tropischen Schönen ist ein Muss. Zwei Wochen dauert die Nord-Südost-Durchquerung der Insel über den etwa 150 Kilometer langen "GR R2" von der Hauptstadt St. Denis nach St. Philippe. Ein Höhepunkt ist die Besteigung eines der aktivsten Vulkane der Welt, des Piton de la Fournaise. Bei 1000 Kilometern gut markiertem und gepflegtem Wegenetz fällt die Wahl eben schwer.
Paradies für Abenteurer
Nicht nur Trekker, auch Canyonauten und Wildwasser-Paddler fühlen sich in der grünen Wunderwelt wie im Paradies. Nirgendwo sonst findet sich eine solche Vielzahl an Wasserfällen und Bächen auf so engem Raum. Wenn Anfang Februar bis Ende März der Regen niederprasselt, dann schlägt das Herz der Wassersportler höher. Alljährlich tummeln sich die Freaks in hoch aufragenden Schluchten, kämpfen mit reißenden Flüssen oder seilen sich über tosende Wassermassen in die Tiefe ab. Und wer genug vom Wasser von oben und unten hat, der genießt die im Regenschatten liegenden Orte und Palmenstrände an der Westküste.
Was für ein Ausblick! Die scheinbar undurchdringbare weiße Nebelsuppe reißt kurz auf und gibt ein atemberaubendes Panorama frei. Eine Mondlandschaft aus rotbraunem Sand, bizarren Gesteinsbrocken und scharfkantigen Berggraten, die sich bis in die die Talkessel von Cilaos, Mafate und Salazie hinunterzieht. Tief unten glitzert der Ozean im Sonnenlicht. Im Südosten schiebt sich der schwarzbraune Vulkankegel des Piton de la Fournaise aus den Wolken hervor. Es ist unheimlich still auf dem Mittelpunkt der Insel. Nur der Wind bläst. Erste Wolkenfetzen kriechen langsam heran. Noch 1800 Tiefenmeter und ermüdend viele Stufen zurück nach Cilaos.
INFO LA REUNION Veranstalter U. a. führt Kneissl Touristik eine kombinierte Wander- und Erholungsreise vom 12. bis 27. August 2006 durch. Info und Buchung bei Kneissl Touristik Salzburg, Linzer Gasse 33, Tel. 0662/877070, www.kneissltouristik.at.
Einreise Réunion ist Teil der Europäischen Union. EU-Bürger und Schweizer brauchen bei einem Aufenthalt bis zu drei Monaten einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.
Geld Landeswährung ist der Euro, Geldabhebung mit EC-Karten an Geldautomaten möglich.
Klima Sommer von November bis April, feucht-heiße 30 Grad, Regenfälle; Winter von Mai bis Oktober, durchschnittlich relativ trockene 22 Grad, optimal für Trekking.
Informationen Maison de France, Lugeck 1-2, Stiege 1, Top 7, 1010 Wien, www.franceguide.com.
Autor/in: CLAUDIA HUTTICHER
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