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Reiseberichte

Indisches Strandparadies in Goa
21. Januar 2006
Ob Pauschalurlauber, Rucksackreisende oder Partygänger - im indischen Bundesstaat Goa findet jeder seinen Traumstrand.

Mittwochs herrscht in Anjuna Hochbetrieb. Hunderte von Touristen strömen in das verschlafene Küstendorf im Norden Goas zum berühmten Hippieflohmarkt. Auf den engen Pfaden zwischen den Ständen herrscht dichtes Gedränge. Eine ältere Dame in Shorts feilscht um einen bemalten Holzelefanten, ein Pärchen mit zwei kleinen Kindern begutachtet eine bestickte Baumwolldecke. Hier gibt es alles, was Indiens Souvenirindustrie zu bieten hat: vom geschnitzten Elefantengott über bunt bestickte Röcke aus Rajasthan bis zur tibetischen Gebetsmühle.

Nur Hippies sieht man kaum mehr. In den 1980er Jahren war das noch anders. Da machten Aussteiger hier ihre Jeans und ihren Walkman zu Geld, um noch ein bisschen länger im indischen Strandparadies am Arabischen Meer bleiben zu können. Auch wenn der Flohmarkt heute längst vom Kommerz regiert wird, ist die einstige Hippiehochburg Anjuna nach wie vor Treffpunkt der alternativen Reiseszene. Aussteiger im Pensionsalter knattern mit ihren Motorrädern über die schmalen Straßen, in den Cafés trifft man Rucksacktouristen, und Raver aus aller Welt kommen zu den berühmt-berüchtigten Strandpartys. Im Club Paradiso am Ortsende von Anjuna zucken hartgesottene Partygänger noch um elf Uhr vormittags zu dröhnender Technomusik, während andere erschöpft auf einer der Terrassen vor sich hindämmern.

Die meisten Pauschalurlauber bekommen davon nichts mit. Ihre Hochburg ist Calangute. Rund sieben Kilometer erstreckt sich der breite Sandstrand vom Baga Beach im Norden über den belebten Calangute Beach und den ruhigeren Candolim Beach bis zum vornehmeren Siquerim Beach, an dessen Ende hoch auf dem Felsen das luxuriöse Fort Aguada Beach Resort thront. Am Strand reiht sich eine dürftig zusammengehämmerte Restaurant- oder Barhütte an die andere. Vom englischen Frühstück bis zum karibischen Cocktail ist hier alles zu haben. Wer etwas konsumiert, darf die Liegestühle kostenlos nutzen. Die Fischer lassen sich durch die knapp bekleideten Urlauberinnen nicht stören und ziehen direkt daneben ihre schmalen Holzboote auf den Sand.

Wie wohl keine andere Region Indiens wurde Goa schon früh europäisch geprägt. Knapp ein halbes Jahrtausend portugiesische Herrschaft hat seine Spuren hinterlassen. Weiß getünchte Kirchen, feudale Villen und westlich gekleidete Frauen bestimmen das Straßenbild. Besonders gut sichtbar ist das portugiesische Erbe in den alten Vierteln von Panaji, der Hauptstadt Goas. Schmale Häuser mit roten Ziegeldächern und den typischen, über der Straße hängenden Holzbalkonen säumen die Straßen. Auf dem Markt werden Chouricos, scharfe, geräucherte Würste aus Schweinefleisch verkauft.

Neun Kilometer entfernt liegen die Reste der einstigen Hauptstadt der Kolonie. Ende des 16. Jahrhunderts galt Old Goa als eine der prächtigsten Städte des Ostens. Heute zeugen nur noch einige Kirchen vom einstigen Reichtum. Etwas verloren stehen die imposanten Gebäude inmitten von gepflegten Parkanlagen mit uralten Bäumen.

Goas längste Strände liegen südlich der Hauptstadt. Die Fahrt geht vorbei an malerischen Reisfeldern, ausgedehnten Palmenhainen und kleinen Dörfern bis zum über 40 Kilometer langen Corva Beach, der sich in verschiedene Strandabschnitte aufteilt. Ungefähr in der Mitte liegt der beschauliche Ort Benaulim. In den Palm Grove Cottages wohnt man in einem alten portugiesischen Kolonialhaus mit tief heruntergezogenem Schilfdach inmitten eines üppigen tropischen Gartens. Gegenüber gibt es für einen Euro pro Tag Fahrräder zu mieten. "Nehmen Sie einfach eines. Bezahlen können Sie später", sagt der Knabe.

Besonderen Spaß macht das Radeln am Strand. Die Ebbe hat einen breiten Streifen harten Sand zurückgelassen. Der Fahrtwind ist angenehm kühlend. Nur Meer, Strand und Palmen, so weit das Auge reicht. Weil man in Goa erst 500 Meter hinter der höchsten Flutlinie bauen darf, verstecken sich selbst die luxuriösen Hotelanlagen in Cavelossim und Mobor hinter den Dünen. Während die Hotelkonzerne immer mehr Strände des kleinsten indischen Bundesstaats erschließen, gehört die wohl schönste Bucht noch den internationalen Globetrottern.

Palolem ist ein Traumstrand wie aus dem Bilderbuch: Die halbrunde Bucht ist mit Kokospalmen gesäumt, der Sand fein, das Wasser ruhig und klar. Man wohnt in spartanisch ausgestatteten Stelzenbungalows mit Gemeinschaftsbad und Meerblick. "Da wird einem wieder bewusst, wie wenig man braucht", schwärmt ein 35-Jähriger aus Kanada. Wie er entdeckt hier so mancher gut situierte Enddreißiger den Charme des einfachen Strandlebens.

Abends trifft man sich in einem der zahlreichen Restaurants unter dem Sternenhimmel. Und wen das Heimweh plagt, der chattet nebenan in einer Holzbaracke im Internet.

INFO GOA
Veranstalter
Bei Studiosus ist eine Südindienreise zwischen 12. 2. und 25. 3. 2006 buchbar. Infos im Reisebüro oder unter www.studiosus.de.

Klima
Beste Reisezeit Ende Oktober bis Mitte März. Temperaturen: 28 bis 30 Grad.

Währung
Eine Indische Rupie = 100 Paise. Banknoten von 1000, 500, 100, 50, 20, 10, 5, 2 und einer Rupie, ein Euro = ca. 53 Rupien.

Autor/in: BÄRBEL SCHWERTFEGER

© SN

diese seite | 23.01.2006 | 13:09

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