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Reiseberichte

Karge Schönheit im Atlantik
7. Jänner 2006
Auf den Kapverdischen Inseln konzentriert sich der Tourismus vorwiegend auf die Insel Sal, besonders auf Santa Maria im Süden mit bester Wasserqualität, schönen Stränden und idealen Bedingungen für Surfer.

Unerhört positiv sieht man seit Jahren der fortschreitenden Entwicklung des Tourismus auf den Kapverden, einem Archipel vor der Küste Westafrikas, entgegen. Die Wachstumsraten können sich sehen lassen. Dabei bezieht man sich in erster Linie auf die Insel Sal, die auf Grund ihres internationalen Flughafens zunächst alle Gäste an sich bindet. Bade- wie Surfgäste verbringen ihren Urlaub vorwiegend hier, wo sie in Santa Maria, im Süden der Insel, dem zurzeit einzigen Fremdenverkehrsort westlichen Standards, in passablen Hotels untergebracht sind. Sauberste Wasserqualität, unüberschaubare, hell leuchtende Sandstrände und konstante Surfwinde sorgen für grenzenlose Begeisterung.

Seit ihrer Entdeckung im 15. Jahrhundert lag das Schicksal der Kapverden nahezu ausschließlich in portugiesischen Händen. Eine Wechselfolge von Höhenflügen und Tiefschlägen charakterisiert die Wirtschaftsgeschichte. Für einen kurzen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte die Insel Sao Vicente, als ihr Hauptort Mindelo zu einem wichtigen Kohleversorgungshafen für den Schiffsverkehr zwischen Europa und Übersee avancierte. Regelmäßig wiederkehrende Dürren und die Verarmung des Mutterlandes hatten nachhaltige Auswirkungen für den Inselverband.

So fielen ca. 40 Prozent der Bevölkerung gegen Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dem Hungertod zum Opfer. Von Portugal im Stich gelassen, war der Kampf um die Unabhängigkeit nicht mehr aufzuhalten. Trotz der im Jahre 1975 erreichten Selbstständigkeit konnte die nahezu vollständige Abhängigkeit (95 Prozent) von ausländischen Lebensmitteln nicht beseitigt werden.

Über Entwicklungshilfen ist man bemüht, den Menschen in ihrem wirtschaftlichen Nachholbedarf - die Kapverden sind zu den zwanzig ärmsten Ländern der Erde zu rechnen - Unterstützung in Form von Projekten angedeihen zu lassen. Leider muss man vielerorts die Feststellung machen, dass nach Abschluss der Projekte fehlende Eigenständigkeit, Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und auch das nötige Interesse zum Stillstand geleisteter Vorarbeiten führten.

Die Nähe der Inseln zueinander bietet gute Voraussetzungen für diverse Inselsprünge, unter anderem zu den wilden Gebirgslandschaften Santo Antaos mit seinen "Hängenden Gärten" bei Fontainhas. Der in den Fels gesprengte Steig ermöglicht die Annäherung an die wie Schwalbennester an den Felswänden klebenden Gehöfte.

Abwanderung oft einziger Ausweg

Immer wieder drängt sich dabei die Frage nach den Lebensgrundlagen der hier in totaler Abgeschiedenheit lebenden Menschen auf, aber auch die Frage nach den Zukunftschancen der Kinder.

Vorbei an schwarzen Basaltsäulen windet sich der Pfad in Richtung Cruzinha abwechselnd auf- und abwärts, aber immer hoch über den Fluten. Aufgelassene strohgedeckte Steinhäuser dokumentieren häufig, dass viele mit den überaus harten Lebensbedingungen nicht mehr zurechtgekommen waren und in der Abwanderung den einzigen Ausweg gesehen hatten.

Bereits beim Anflug auf die Insel Fogo ist man von dem die Insel beherrschenden Kegelvulkan, dem 2800 Meter hohen Pico de Fogo, einem Relikt des jüngsten Ausbruches im Jahre 1995, maßlos beeindruckt. Welch ein Schrecken muss den Bewohnern von Cha das Caldeiras in die Knochen gefahren sein, als der Gigant seine jüngsten Lavaströme bis knapp vor ihre Haustüren schickte. Rücksichtslos wälzte sich die Gesteinsschmelze meterhoch über die einzige Durchgangsstraße, so dass die Evakuierungen der Menschen enorm erschwert wurde.

Entsprechend einem typischen Sommavulkan erhebt sich der Pico aus dem Caldeiraboden, wobei dessen Geburt mit der gleichzeitigen Sprengung der alten Krater-Ostwand verbunden war. Grau und Schwarz sind tonangebend in dieser bilderbuchartigen Vulkanlandschaft. Majestätisch und mitunter bedrohlich - obwohl inzwischen wieder zur Ruhe gekommen - wirkt dieser Koloss, dessen überaus steile Flanken beinahe symmetrisch zum Kraterrand emporführen. Hat man die wunderschönen Ornamente, die die Stricklava in den Caldeiraboden gelegt hat, hinter sich gelassen, beginnt ein schweißtreibender, ungefähr zweistündiger Aufstieg bis zum Kraterrand.

Dabei ist es weniger die Steilheit des Geländes, die Mühen verursacht, als vielmehr der geringe Halt, den die aus Asche, Lapilli und Geröll bestehende Unterlage zu bieten hat. Am Kraterrand nach etwa 1000 bewältigten Höhenmetern angekommen, hat man angesichts des grandiosen Panoramas die Anstrengungen des Aufstiegs rasch vergessen. Auf der einen Seite öffnet sich mit einem jähen Abbruch der ca. 170 Meter tiefe Krater, dessen Solfataren nicht nur optisch, sondern auch geruchsmäßig ein höllisches Ambiente liefern, auf der gegenüberliegenden Seite hingegen kann man sich erstmals ein Bild von der vollen Ausdehnung der einstigen Caldeira machen.

Die Farbenpracht der Märkte in den größeren Städten ist überwältigend, oftmals ist dies aber leider auch das Einzige, das für den Fremden eine gewisse Attraktivität besitzt. Selbst Praia, die Hauptstadt, verfügt über keinen Trumpf in der Hand, denn die spärliche, aus der Kolonialzeit stammende Bausubstanz wirkt desolat und abbruchreif.

Trotz der an allen Ecken und Enden gegenwärtigen Armut legen die Menschen großen Wert auf ein gepflegtes Outfit. Die Kapverdier, eine Mischung aus Afrikanern und Europäern, machen gerade die Vermengung rassentypischer Merkmale so interessant und anmutig, denn dunkle Hautfarbe, blondes Kraushaar und dazu blaue Augen sein Eigen nennen zu können, ist eine Spezifität, auf die man sonst nicht häufig trifft.

INFO KAPVERDEN
Veranstalter
U. a. bietet TUI auf Santa Maria eine Woche Aufenthalt All inclusive im Viersternehotel Riu Funana mit Abflug ab Wien, Linz oder Graz ab 899 Euro an. Infos im nächsten TUI-Center, in den Reisebüros sowie Tel. 01/52 552-0; www.tui.at.

Klima
Das ganze Jahr über warm und trocken mit nur seltenen Regenfällen, deren Intensität von Insel zu Insel verschieden ist. Die Lufttemperatur liegt das ganze Jahr zwischen ca. 25 und 30° C, die Wassertemperatur schwankt zwischen 20° C im Winter und 25° C im Sommer.

Einreise
Für die Einreise sind ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass und ein Visum notwendig. Das Visum kostet dz. 40 Euro.

Währung
Landeswährung ist der Kapverdische Escudo (ECV). 1 Euro = ca. 110 ECV, Kreditkarten werden nur in größeren Hotels akzeptiert.

Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER

© SN

 

diese seite | 09.01.2006 | 11:10

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