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Reiseberichte

Maskentanz im Dogonland
17. Dezember 2005
In der westafrikanischen Republik Mali werden durch die Sahara nicht weniger als zwei Drittel der Landesfläche abgedeckt.

Bei Morgengrauen waren wir bereits von Mopti aufgebrochen, um rechtzeitig bei der Fähre nach Djenne zu sein. Lange Wartezeiten versprach diese einzige Übersetzmöglichkeit über den Bani, denn seit dem Vortag waren bereits zahlreiche Händler der verschiedensten Völker des Binnendeltagebietes auf dem Weg zum Montagsmarkt von Djenne, dem größten Marktspektakel Malis. Und wir hatten Glück, denn neben einem Holzfuhrwerk, vier Pferden und einer Schar Frauen, die um ihre vollen Warenkörbe standen, fand auch noch unser Jeep Platz. Ergänzend zur Fähre waren auch einige Pirogen im Einsatz, in einer davon war man gerade auf das Heftigste bemüht, einen ausgesprochen störrischen Esel unterzubringen.

Der Marktplatz von Djenne hat die weltberühmte Moschee, den größten und schönsten sakralen Lehmbau Malis, zur Kulisse. Mit einer Seitenlänge von 150 Metern beherrscht die quadratische Anlage im sudanischen Stil die Altstadt. Der Bau, der in der traditionellen Banko-Technik (als Baumaterialien wurden Lehm, Kuhmist und Hirsestroh verwendet) im Jahre 1907 vollendet wurde, wirkt wesentlich höher als es die tatsächlichen Maße ausweisen. Dies liegt vor allem an den zahlreichen Pfeilern, den Ecktürmen sowie an den drei deutlich hervorstehenden Minaretts, die sich alle nach oben verjüngen. Seit diese religiöse Kultstätte durch ein Foto-shooting mit schwarzen Models für ein amerikanisches Magazin entehrt wurde, ist der Zutritt für Nichtmuslime untersagt.

Außerhalb der wallartigen Einfriedung der Moschee ist die Farbenpracht des Marktgeschehens nicht mehr zu überbieten. Der indigoblaue Beitrag stammt von den Wickelröcken der Dogonfrauen, die mit Zwiebeln und den daraus gefertigen Zwiebelknödeln ihre Aufwartung machen. Auffallend hübsche Erscheinungen findet man unter den schmalgesichtigen Fulbefrauen, zu deren Schönheitsideal neben gedrehten Zöpfen eine tätowierte Mundpartie, des Öfteren sogar eine Ziernarbe zählt. Das Tüpfelchen auf dem i dieser freundlich lachenden Gesichter bilden ihre traditionellen goldenen Ohrgehänge und die mit der Frisur zu einer Einheit verschmolzenen Amberkugeln und Silbermünzen.

Jede Volksgruppe mit eigener Tracht

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Bambara, die mit einem ca. 40-prozentigen Bevölkerungsanteil die größte Volksgruppe des Landes vertreten und durch ihre langen, weiten Gewänder, die Boubous, stattliche Gestalten abgeben und vorwiegend Heilkräuter sowie landwirtschaftliche Produkte anbieten. Jede Volksgruppe ist somit relativ leicht an ihrer traditionellen Tracht und an ihren typischen Verkaufsgegenständen zu erkennen.

Genauso wichtig wie der wirtschaftliche Aspekt ist für viele der hier zum Markt kommenden Bauern die kommunikative Bedeutung. Über den Marktbesuch kann der Nachholbedarf an Neuigkeiten weitgehend abgedeckt werden, Beziehungen werden nicht nur angebahnt, sondern oft auch hier besiegelt.

Die westafrikanische Republik Mali kann durchaus als Wüstenstaat bezeichnet werden, da durch die im Norden weit vordringende Sahara nicht weniger als zwei Drittel der Landesfläche abgedeckt werden. Gegen Süden schließt der äußerst problematische Streifen des Sahel an, der durch die wiederkehrenden Dürren der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und durch eine verfehlte Agrarpolitik von sich reden macht. Ganz im Süden des Landes, bedingt durch die Zunahme der Niederschläge, stellen sich Feuchtsavannengebiete ein. Obwohl eigentlich für die Landwirtschaft keineswegs gute Bedingungen vorliegen, finden trotzdem über 80 Prozent der Bevölkerung ihr Hauptbetätigungsfeld in ihr. Mehrfache Strukturanpassungsprogramme von Seiten des Internationalen Währungsfonds und Finanzspritzen der EU konnten zwar der Landwirtschaft zu einer höheren Produktivität verhelfen, aber nicht verhindern, dass nach wie vor rund drei Viertel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze angesiedelt sind.

In Tirelli, einem der ungefähr 400 Dogondörfer im Südosten Malis, hatten wir das große Glück, einem Maskentanz beiwohnen zu können. Durch diesen animistischen Totenkult der Dogon, der nur anlässlich eines männlichen Todesfalles inszeniert wird, sind erst die Voraussetzungen geschaffen, dass die Lebenskraft des Verstorbenen auf seinen Sohn weitergegeben werden kann, und somit erst eine unbehinderte Reise des Verstorbenen ins Jenseits möglich wird. Zu lauten Trommelschlägen bewegen sich junge Männer stampfenden, wiegenden oder hüpfenden Schrittes, an deren Hüften ein roter Faserrock flattert und über deren Schultern Bänder aus Kaurimuscheln in der Form von Hosenträgern hängen. Meist handelt es sich bei den vor dem Gesicht getragenen Masken um Abbilder von Menschen oder Tieren. Durchaus können damit aber auch wichtige Symbole dargestellt werden, wie es beispielsweise bei der Kanga- oder der Stockwerkhausmaske der Fall ist. Unerhörter Kraftaufwand ist für die Darbietung des Tänzers mit der bis zu fünf Meter hohen Stockwerkhausmaske, die die Großfamilie vergegenwärtigen soll, vonnöten.

Wüste zwingt zur Abwanderung

In der Falaise von Bandiagara, dem Abbruch eines sich ca. 250 Meter aus der Gondo-Ebene erhebenden Sandsteinplateaus, kleben viele Dörfer der Dogon wie Schwalbennester in den Felswänden, andere wiederum liegen weit verstreut auf der unüberschaubaren Hochebene. Die kleinen turmartigen Lehmbauten, auf welchen ein kegelförmiges Strohdach sitzt, ziehen auf Grund ihrer Fremdartigkeit die Blicke an. An der Zahl der Speicher lässt sich der wirtschaftliche Status einer Familie ablesen. Die restlose Abwanderung dieses zum großen Teil noch animistischen Volkes scheint vor programmiert zu sein, denn die Desertifikation macht den Bauern hier in der Sahelzone sehr zu schaffen.

Bei der Flusswanderung per Pinasse auf dem Niger von Mopti nach Timbuktu sorgte permanenter Fahrtwind für eine gute Ventilation und die langsame Reisegeschwindigkeit auf dem Langboot ermöglichte eine beschauliche Landesstudie. Viele Überraschungen hatte der drittgrößte Fluss Afrikas, der zwischen Segou und Timbuktu ein riesiges Binnendelta von der halben Fläche Österreichs zur Aufschüttung gebracht hat, zu bieten. Oft erreichen die seenartigen Erweiterungen dieses Stroms derartige Dimensionen, dass man die Ufer zu beiden Seiten beinahe aus den Augen verliert. Häufig begegnet man zum Bersten beladenen Pinassen, die stromaufwärts, die Windkraft zusätzlich für den Vortrieb nutzend, ihre "Fetzensegel" gesetzt haben.

Timbuktu, die legendäre Oasenstadt Malis, präsentiert sich heute als Konglomerat aus Lehm, Sand und Staub. Vom Dach der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gjinger-Ber-Moschee gewinnt man einen guten Einblick in das Stadtgefüge, ein Wirrwarr von durchaus sehenswerten alten Bürgerhäusern, die mit wunderschönen Friesen und verzierten Fensterläden sowie Portalen ausgestattet sind, und unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehenden Gebäuden.

INFO MALI
Veranstalter

U. a. bietet Kneissl Touristik 20-tägige Erlebnisreisen nach Mali im Februar und März an. Infos und Buchung bei Kneissl Touristik Salzburg, Tel. 06 62/87 70 70, www.kneissltouristik.at

Währung
1 CFA Franc = 100 Centimes. Währungskürzel: CFA Fr, XOF. Banknoten im Wert von 10.000, 5000, 2500, 1000 und 500 CFA Fr, Münzen in 250, 100, 50, 25, 10, 5 und 1 CFA Fr.

Klima
Regenzeit von Juni bis Oktober, der kühleren Zeit von Oktober bis Februar folgt bis Juni sehr heißes und trockenes Wetter.

Gesundheit
Eine Impfbescheinigung gegen Gelbfieber ist Pflicht. Malariaprophylaxe wird empfohlen.

Autor/in: HEIMFRIED MITTENDORFER

© SN

 

diese seite | 22.12.2005 | 18:24

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