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Reiseberichte

Im Land der Tuareg und Römer
17. Dezember 2005
Libyen öffnet sich vorsichtig für den Tourismus. Das Land bietet berührende Gastfreundschaft, eindrucksvolle römische Ruinen und die unendlich schönen Weiten der Sahara.

Abdurraghib sitzt auf dem mit Teppichen ausgelegten Boden seines Zeltes und knetet den Brotteig. Er walzt ihn aus, bestreut ihn mit Gewürzen - Koriander, Schwarzkümmel und noch ein paar anderen - und trägt den Teig zum Feuer und bedeckt ihn mit der heißen Asche. Später freuen sich die Besucher über einen Happen zu einem Glas Tee, das ihnen der Targi (Einzahl von Tuareg) anbietet.

Am Fuß eines Stückchens Sandwüste in Ghadames, ein paar hundert Kilometer südlich der libyschen Hauptstadt Tripolis, gelingt kurz vor Sonnenuntergang der Versuch der Besucher, mit dem Targi zu kommunizieren. Man lächelt einander zu, tauscht Geschenke aus. Die Gäste aus Nemsah (Österreich) klettern auf die Düne, genießen den Blick auf ferne Hügelketten. Zwei Tuareg galoppieren auf Pferden heran. Als eine der Besucherinnen Interesse an den Tieren zeigt, steigt ein Targi ab, hält ihr die Zügel hin und bedeutet ihr aufzusteigen. Für die anderen Gäste gibt es mehr Tee und freundliches Lachen.

Oasenstadt Ghadames

Ghadames ist nicht nur wegen der Gastfreundschaft der Tuareg eine Reise wert. In der Altstadt dieser wichtigen Station aller Karawanen, die schon vor der Zeit der römischen Herrschaft in Nordafrika vom Mittelmeer nach Schwarzafrika zogen, ist noch heute das Leben der Wüstenbewohner über die Jahrtausende hinweg nachzuvollziehen.

Die Altstadt ist seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnt, dient aber heute als eine Art Museum. Die Häuser von Ghadames sind so aneinander und ineinander gebaut, dass die Straßen überdacht sind. Nur alle zehn Meter lassen Öffnungen Licht herein, auch manche Plätze sind nicht überdacht. Diese Bauweise hat gleich mehrere Vorteile: In der Altstadt ist es im heißen Sommer der Wüste um bis zu 17 Grad kühler als draußen. Und die Stadt war leicht zu verteidigen. Feinde verirrten sich unweigerlich im Gewirr der Gassen und in der Dunkelheit.

Besucher sollten sich dicht an den einheimischen Fremdenführer halten. Höhepunkt einer Besichtigung ist das Festmahl in einem der Häuser.

Couscous mit Kamelfleisch

Wir sitzen auf bunten Polstern oder Teppichen auf dem Boden, die Wände sind mit roten Mustern bemalt, im Stil der traditionellen Malereien, wie ihn die Bewohner der Stadt seit hunderten von Jahren entwickelt haben.

In riesigen Schüsseln wird Couscous mit Fleisch und Gemüse gebracht. Die Frage, welches Fleisch denn das sei, wird zunächst mit "Beef" beantwortet. Ein Mitreisender, der immer wieder in der Sahara unterwegs ist, lächelt. Die Rinderzucht ist in Libyen selten, Rindfleisch ebenso wie Lamm relativ teuer, weil es an Weideflächen fehlt. Kamele gibt es dagegen in großer Zahl. Und schließlich gibt der libysche Reisebegleiter zu: es ist Kamelfleisch. Schmeckt durchaus gut.

Standardgericht ist die libysche Suppe. Das ist eine Tomatensuppe, meist scharf gewürzt mit ein wenig Gemüse und Fleisch oder Fisch als Einlage. Freilich darf bei keinem Essen das Harissa fehlen, eine rote, ölige Chilipaste, die scharf oder höllisch scharf schmeckt.

Die Libyer sind freundliche, neugierige Leute. Beim Spaziergang durch den Souk in Tripolis wird der Ausländer immer wieder angesprochen - auf Englisch, Französisch, Italienisch. Sie fragen nach der Herkunft, dem Beruf und manchmal auch nach der Familie. Sie bieten Waren an, aber sie drängen nicht, sie wollen niemanden in ein Geschäft hineinziehen, und sie betteln nicht.

Das Zentrum der Römer in Nordafrika

Nur schwer findet man größere, schönere und besser erhaltene Zeugen der Römerzeit rund um das Mittelmeer als in Libyen. Das römische Theater in Sabratha, wenige Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis, zählt zu den eindrucksvollsten derartigen Bauwerken. Da die Rückwand des Theaters noch gut erhalten ist, lässt sich hier die Akustik der antiken Theater noch recht gut demonstrieren. Unter der Bühne hatten die Römer noch riesige Amphoren aufgestellt, die, je nach Wetter, mit Sand oder Wasser gefüllt wurden, um den Stimmen der Schauspieler noch mehr Kraft zu verleihen. Als die Amphitheater mit ihren Gladiatorenkämpfen und den Hinrichtungen den klassischen Theatern immer mehr Konkurrenz machten, erweiterten diese ihr Angebot: Sie errichteten eine kleine Arena zwischen Bühne und Zuschauerraum und konnten so wenigstens "kleine" Zirkusspiele abhalten.

Die Ausgrabungen in Libyen waren in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts massiv vorangetrieben worden, weil der italienische Diktator Mussolini den historischen Beweis erbringen wollte, dass Nordafrika immer schon römisch, also italienisch gewesen sei. Für kurze Zeit wurde Libyen sogar als Provinz den anderen Provinzen Italiens gleichgestellt.

Ein wahrhaft großartiges Erlebnis ist die Stadt Leptis Magna, gut hundert Kilometer östlich von Tripolis. Dies war ein wichtiger Exporthafen für Güter, die aus Afrika nach Rom verkauft wurden. Vor allem der Transport von wilden Tieren, von Löwen und Elefanten, lief über diese Stadt, da vor allem in der römischen Kaiserzeit im dritten nachchristlichen Jahrhundert jedes Jahr tausende Tiere für die Zirkusspiele in römischen Städten rund ums Mittelmeer hier verschifft wurden.

INFO Libyen
Veranstalter

"Sarafea atemberaubende Orientreisen" bietet geführte Touren zwischen acht und elf Tagen an.

Info und Buchung bei Columbus Flug-Bahntours, Wien Tel. 01/53411-260, www.sarafea.at

Währung
Libyscher Dinar (LD) unterteilt in 1000 Dirham. Die Stückelung des Geldes ist gewöhnungsbedürftig, es gibt auch Halb- und Vierteldinarscheine.

Klima
Der schmale Küstenstreifen im Norden des Landes weist mediterranes Klima auf. Dieses ist durch warme bis heiße Sommer mit hoher Luftfeuchtigkeit und milde Winter gekennzeichnet. Im Rest des Landes herrscht wüstenhaft heißes und trockenes Klima vor. Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht.

Gesundheit
Bei der Einreise direkt aus Europa sind zurzeit keine Impfungen vorgeschrieben.

Autor/in: VIKTOR HERMANN

© SN

 

diese seite | 22.12.2005 | 18:19

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