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Ferraris, Golf und Nachtleben: Das "zügellose" Bahrain ist ein beliebtes Ziel für Kurzurlauber aus strengeren muslimischen Nachbarländern.
How are you today, Sir?" Das Lächeln der indischen Aushilfskraft, die den feinsandigen Strand vor dem Privatgärtchen penibel reinigt, ist so perfekt, dass gute Laune einfach überspringt. Die rund 4400 Dollar, die eine "Strandhütte" des Hotels Ritz Carlton pro Nacht kostet, verdient eine Servicekraft vielleicht nicht im ganzen Jahr, doch dieser Umstand trübt die Laune keineswegs.
Vor allem am Donnerstag und am Freitag, der in dem islamischen Land ein Ruhetag ist, nutzen tausende von Saudis den "King Fahad Causeway", die 25 Kilometer lange Landbrücke zwischen Saudi-Arabien und Bahrain, um in den Bars und Nachtlokalen von Manama zu feiern. Im "Savage Garden" herrscht Nightclub-Atmosphäre, im "JJ's" gibt es Guiness vom Fass, im "Sherlock Holmes" herrscht urige Kneipenatmosphäre, im "Al Layali" legen DJs die neueste arabische Musik auf. Frauen müssen sich längst nicht so sehr beschränken wie in anderen islamischen Ländern - man sieht topmodisch gekleidete Bahrainis mit üppiger Lockenpracht und auffallendem Make-Up. Lokale mit Shisha (Wasserpfeife) und Tee locken hier niemanden hinter dem Ofen hervor. Wird man von einem Bahraini aber zum Kaffee eingeladen, gilt es als grob unhöflich, abzulehnen. Außerdem brächte man sich um eine kulinarische Erfahrung: Der "quawa", wie der Kaffee hier genannt wird, wird in der Schnabelkanne serviert und ist meist frisch geröstet und mit Gewürzen wie Kardamon, Ingwer und Rosenwasser abgeschmeckt.
Im Gegensatz zu Dubai finden Urlauber in Bahrain mehr Ursprüngliches. Künstlich angelegte Hotelstrände wie die des Ritz Carlton sind eher die Seltenheit.
Weil der sprudelnde Reichtum, die Ölquellen und das Gas, in absehbarer Zeit versiegen, setzen die Bahrainis auf neue Finanzquellen. Dazu gehört auch der neue Golfplatz, der erste Golfplatz der Insel im Riffa-Tal, eine grüne Oase mitten in der Wüste. Weil es tagsüber meist zu heiß zum Spielen ist, leuchtete man die gesamte Anlage einfach mit Flutlicht aus. "Mal sehen, was der Sohn des Königs dazu sagt, wenn abends seine Schlafgemächer hell ausgeleuchtet sind", sagt Maeve Galvin vom Riffa Golf Klub, und ihre Augen leuchten bei dieser Vorstellung. Denn einer der neuen, bombastischen Königspaläste ist gerade direkt neben der Golfanlage fertig geworden.
30 Kilometer südlich von Manama, am Rande der Ölfelder und der ausgedehnten, antiken Hügelgrabfelder, flimmert die neu erbaute Formel-1-Rennstrecke wie eine Fata Morgana im Staub.
Auf dem Weg ins Inselinnere prangen an den gut ausgebauten Straßenkreuzungen bunte Werbeplakate - allerdings nicht für schnödes Shampoo oder Schnellrestaurants, sondern für den Herrscherclan. Fotogen posiert darauf der Emir mitsamt Turban und weißem Schimmel, umgeben von Ministern und anderen Oberhäuptern.
Stress macht man sich in Bahrain nicht. Die Eile, die Besucher aus dem Westen manchmal sogar im Urlaub an den Tag legen, löst bei Bahrainis nur Kopfschütteln aus. Steuern muss hier niemand zahlen, die ärztliche Versorgung ist kostenfrei, Bildung ebenso.
Die unentwegt hämmernden Ölpumpen in Form von Reitern, einst Kennzeichen der Golfinsel, scheinen müde geworden zu sein. Dabei hat auf Bahrain die Geschichte der Ölausbeutung ihren Lauf genommen: Am Djebel Dukhan, dem höchsten Berg Bahrains, befindet sich der "Oil Well No 1", die älteste Ölquelle am Golf.
Einen intensiveren Einblick in die Eigenheiten des Landes bieten Reiseführer wie Muhanna. Ihm war sein Leben als Rentner zu langweilig, deshalb arbeitet der Mittsechziger als Tourguide. 20 "BeeDees", wie die Währung von den Einheimischen genannt wird, verlangt der agile Mann mit den abenteuerlich funkelnden Augen für eine Tagestour von fünf Stunden, minimale Teilnehmerzahl: Zwei Personen. Dabei geht es immer zum "Tree of life", einer ausladenden Akazie, die saftig und grün mitten in der Sandwüste steht. "Woher sie ihr Wasser bekommt, ist nicht ganz klar", erzählt Muhanna. "Manche glauben, er bezieht es aus einer unterirdischen Quelle. Nur - warum ist dann in der meilenweiten Umgebung nichts von dieser Quelle zu spüren?"
Der zweitägige Dauerregen, ein höchst seltenes Ereignis, hat derweil zarte grüne Pflänzchen in der Wüste sprießen lassen, ein Leckerbissen für die Kamelherde von Ali, einem der königlichen Kamelhirten. Nur zu gerne posiert er mit seinen Tieren für Fotos und hilft beim Aufsteigen auf die struppigen Tiere für einen Proberitt.
Das Kamelreiten duldet Muhanna mit gelangweiltem Blick. In seinem Element ist er dagegen im alten Stadtviertel Muharraq, wo sich Shaikh Isa bin Ali's Haus befindet. Von 1869 bis 1932 residierte hier der Kalif, und die Anlage gleicht einem Irrgarten mit unzähligen Höfen, Hinterzimmern und Verbindungsgängen. Wegen der Hitze sind die Fenster klein - zum Lesen in der Bibliothek gab es aber damals schon eine ausgeklügelte Licht- und Luftzufuhr. Arabische Architekten waren damals auf einem hohen technischen Stand: Für eine erträgliche Temperatur im Wohnzimmer sorgte ein "Windturm", ergänzt durch nasse Säcke, die als Luftbefeuchter dienten.
Nach all der historischen Spurensuche speist man authentisch in traditionellen, alteingesessenen Restaurants. "Laylai Zaman" ist so eines, ein Geheimtipp von Muhanna - versteckt neben einer ganzjährig geöffneten Eislaufbahn im "Corniche", dem diplomatischen Viertel. Für einen halben "Beedee" gibt es hier das köstlichste Falafel der Insel, dazu eingelegte saure Gemüse und Coca-Cola. Alkohol schenkt der strenggläubige Wirt nicht aus, doch der Blick auf die glitzernde Silhouette von Manama ist nüchtern eigentlich viel schöner.
INFO BAHRAIN Veranstalter Ein Pauschalangebot mit sieben Übernachtungen mit Frühstück im Viersterne-Novotel Al Dana Resort Bahrain und Linienflug ab München über Dubai ist beim deutschen Veranstalter EWTC bereits ab 1001 Euro im DZ p. P. erhältlich. Nähere Infos und Buchung unter www.ewtc.de.
Klima Die beste Reisezeit ist der Winter mit Temperaturen zwischen 15° und 30° C. Im Sommer steigen die Temperaturen bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit über 45° C an.
Währung 1 Bahrain Dinar (BD) = 1000 Fils. Banknoten sind im Wert von 20, 10, 5 und 1 BD, 500, 250 und 100 Fils im Umlauf; Münzen in den Beträgen 500, 100, 50, 25, 10 und 5 Fils. 1 Euro = ca. 0,45 BD.
Buchtipp: Königreich Bahrain von Kirsten Kabasci, Reise Know How Verlag Rump, 2004, 12,50 Euro.
Autor/in: MARC BOLLENDORFF
© SN
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