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Groß gewachsen und schlank, auf den Speerschaft gestützt, auf einem Bein stehend, das andere abgewinkelt, stehen sie da, die lebendigen Legenden der ostafrikanischen Savanne: die berühmten Massai.
Die Massai geben ihre Traditionen so schnell nicht auf. Waren sie doch einst - und sind es zum Teil heute noch - die Herren der trockenen Savanne, die ihre Herden zwischen dem Rift Valley vom Turkanasee bis hin zum Kilimandscharo weiden ließen.
Denn dieses Land, so der Mythos, wurde ihnen vom Gott Enkai gegeben, als dieser von seinem Thron auf dem 2878 Meter hohen Ol Doinyo Lengai (Berg Gottes), zwischen dem Serengeti- und Ngorongoro-Nationalpark gelegen, die Welt in Himmel und Erde teilte, die Menschen, die Tiere, das Land, die Sonne und den Mond überwachte, der den Ackerbau verbot, damit seine Erde nicht verletzt wird. Nur wild wachsende Früchte dürften sie essen, um aber an Hirse und Mais zu kommen, erlaube er ihnen, mit den umliegenden Bauern Getreide gegen Tierfelle und Tierprodukte zu tauschen. Auch wurde ihnen von Enkai das Jagen und Töten der wilden Tiere der Savanne, oder gar ihr Fleisch zu essen verboten, denn nur so könnten sie Reinheit erlangen. Dafür gab er ihnen das Vieh, die Rinder, Schafe und Ziegen, damit sie sich von deren Milch und Blut ernähren könnten.
Schönheit geht vor Kampfeslust
Daher glauben die Massai, dass nur ihnen das Vieh vorbehalten sei. "Ich hoffe, es geht deinen Kühen gut", ist der Gruß der Männer, die sich den ganzen Tag nur um ihr Vieh kümmern, mit ihm leben und leiden. Denn die Größe der Herde und die Anzahl der Ehefrauen erhöhen das Ansehen des Mannes, vor allem aber seinen Einfluss im Stamm. Als geachtete Krieger schützten sie einst ihre Herden vor Raubtieren und Viehdieben und ihre Familien gegen feindliche Stämme.
Früher, so erzählen die Alten, waren ihre Kriegszüge bis hoch zum Turkanasee, nach Uganda und Tansania gefürchtet. Aber heute erschreckt der Krieger mit Speer oder Keule nur noch wilde Tiere oder Touristen. Zwar üben sich die jungen Krieger noch heute in überlieferten Kampfspielen, aber eher zum Zeitvertreib. Dafür wird heute mehr Zeit der Schönheitspflege gewidmet. Der ganze Körper, einschließlich der Haare wird dabei mit ockerfarbenem Lehm und vermischtem Rindertalg eingerieben, damit die Haut schön glänzt und geschmeidig bleibt. In die durchstochenen Ohrläppchen werden kleine Gewichte gehängt, und so, für die Massai, in eine schöne Länge gezogen.
Ihr eigentlicher Lebensinhalt sind und bleiben ihre Rinder, um deren Wohlergehen sie sich mehr sorgen, als um das ihrer Familien. Denn eine neue Frau kostet "nur" drei Kühe, einen Ochsen und ein Mutterschaf und so kann sich manch einer, dank seiner großen Herde, mehrere Frauen "leisten".
Die Frauen kümmern sich während der Wanderung durch die Savanne um den Hausrat, der auf Esel geladen, von enk'ang zu enk'ang oder Kraal (oft fälschlich Manyatta genannt), den ringförmig angelegten Massai-Dörfern, transportiert wird. Auf ihren Wanderungen suchen die Massai-Familien immer die gleichen enk'ang auf, in denen nach der Ankunft die Hütten des letzten Aufenthalts wieder in Ordnung gebracht werden.
Diese Hütten sind einfache, aber schon genial zu nennende Konstruktionen. In ein aus Ästen bestehendes Grundgerüst werden belaubte Äste eingeflochten, die dann mit einer Lage feinen Reisigs abgedeckt werden. Das Ganze wird dann mit einem Gemisch aus Sand und Rinderdung, der während der Wanderschaft von den mitziehenden Kindern aufgesammelt wurde, dünn verputzt. Dieser atmungsaktive Verputz hält den Regen ab und lässt den Rauch der innen liegenden Feuerstelle entweichen. Der Rauch dieser Feuerstellen dient nur zur Vertreibung der lästigen Fliegen, die von den in einem angrenzenden Verschlag lebenden Ziegen oder Schafen angezogen werden.
Nur ab und zu, oder zu besonderen Festen töten die Massai eines ihrer geliebten Tiere. Zu hohen Festen ein Rind, sonst ein Schaf oder eine Ziege. Dabei wird das Tier nicht geschlachtet, sondern erstickt, denn es darf, so will es Gott Enkai, kein Tropfen Blut die Erde berühren. Danach wird das Tier enthäutet und zerteilt, die Innereien am offenen Feuer geröstet und das übrige Fleisch gekocht.
Dabei wird höllisch aufgepasst, dass sich ja keine Frau in der Nähe befindet, denn sollte ihr Blick das Opfertier treffen, müsste das gesamte Fleisch sofort vernichtet werden, weil es durch den weiblichen Blick verdorben würde. Nur wenn die Männer ihre Stärke und Ausdauer zeigen, meist bei großen Festen, dürfen die Frauen zuschauen, ja sogar aktiv mitmachen. Dann tanzen die Männer stundenlang und führen ihre berühmten Sprünge vor. Umringt von ihren Altersgenossen springen sie aus dem Stand mehrmals kerzengerade in die Höhe. Je höher und öfter ein Krieger springen kann, umso angesehener ist er bei der anwesenden Damenwelt, die die Krieger mit rhythmischen Kehllauten unterstützt.
Während die Jugend tanzt und springt, sitzen die Ältesten abseits unter einem Baum auf ihren vierbeinigen Hockern, dem Zeichen der Weisheit, schauen mit skeptischem Blick dem Treiben zu, lachen und erzählen von den alten Zeiten, in denen es natürlich viel gefährlicher, härter aber auch sehr viel schöner war. Und höher gesprungen sind sie sowieso, es war eben alles besser und vor allem hatte man noch Respekt vor den Alten, aber heute?
Zwar ziehen noch heute die meisten Söhne des Enkai, wie schon seit Jahrhunderten, auf den alten Pfaden ihrer Vorfahren über die Savanne der Hochebenen Ostafrikas, denn als der Gott die Welt in Himmel und Erde teilte, gehörte das Land niemandem, es gab keine Gebiete oder Grenzen. Bis englische Siedler ab 1904 das Land in Besitz nahmen und die Massai vertrieben oder mit ihnen Pachtverträge über 99 Jahre abschlossen. Die heute auslaufenden Verträge führen inzwischen zwischen den Nachkommen der Siedler und den Massai zu Spannungen bis hin zur Landbesetzung, weil die Massai ihr Land zurückhaben wollen.
Aber auch der Naturschutz vertreibt das "Naturvolk" aus seinen angestammten Gebieten. Immer mehr Stämme werden mit ihren Rindern wegen neu einzurichtender Nationalparks zwangsweise umgesiedelt.
Man kann nur hoffen, dass noch lange die Gebete der Massai - "Herr, schenke uns freigiebig das Vieh und gib uns den Stock für die Zeit, in der wir alt werden" - Enkai, ihren Gott, auf dem schneebedeckten Kilimandscharo erreichen.
INFO KENIA Veranstalter Pauschalreisen bieten der African Safari Club mit Frühbucherbonus (www.ascag.net) oder Meier's Weltreisen (ein All-Inclusive-Paket, buchbar bei Geo Reisen), beide mit Abflug ab München.
Klima Die Küstengebiete weisen tropisches Klima mit kühlenden Monsunwinden auf. In den Niederungen ist es heiß und trocken, im Hochland eher gemäßigt mit vier Jahreszeiten. Nairobi bietet das ganze Jahr über ein angenehmes Klima. Am Victoria-See höhere Temperaturen, daher regnet es hier zum Teil stark.
Gesundheit Keine Impfungen vorgeschrieben, Vorsorge gegen Hepatitis A wird jedoch empfohlen. Eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe sollte vorgenommen werden.
Währung 1 Kenia-Schilling = 100 Cents. Banknoten sind im Wert von 1000, 500, 200, 100 und 50 KSh im Umlauf, Münzen von 20, 10 und 5 KSh sowie 50, 10 und 5 Cents. 1 Euro = ca. 87,69 KSh.
Autor/in: LOTHAR KUCHARZ
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