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Neben der eindrucksvollen Skyline moderner Wolkenkratzer in Hongkong prägen auch kleine Märkte und grünes Umland das Stadtbild.
Wie kann man sich wohl fühlen in einer Großstadt, die beinahe so viele Einwohner hat wie die gesamte Schweiz, aber weniger als ein Viertel des Alpenlandes einnimmt? Wie kann man leben in einem Häusermeer, wo die Wohngebäude durchschnittlich vierzig Stockwerke zählen und die Bürowolkenkratzer gar sechzig Etagen? Wie können drei Generationen in einer Wohnung von nur dreißig bis vierzig Quadratmetern auskommen, wenn sie dem Nachbarn im Nebengebäude fast in die Zeitung schauen?
All dem wollen wir in Hongkong, der Stadt der ungewöhnlichen Kontraste und einträglichem Tor zu China, auf die Spur kommen. Des Rätsels Lösung ist das grüne Umland. Immerhin sind vierzig Prozent der Fläche Hongkongs als Landschaftsparks ausgewiesen – Pinienwälder, Palmen, Bambushaine, Man-grovensümpfe und nicht zuletzt mehr als 250 vorgelagerte Inseln im Südchinesischen Meer, meist unbewohnt.
Hauptattraktion für Besucher wie Einwohner ist allemal der Victoria Peak – 554 Meter über Hongkong Island gelegen. Vom „Hausberg“, wenn nicht wolkenverhangen, bietet sich ein traumhafter Blick auf das Panorama der Wolkenkratzer, auf den Hafen und weit ins bergige Hinterland hinein. Ein Wanderweg führt in einer knappen Stunde durch subtropische Natur rund um den Peak und zeigt nach wenigen Metern stets neue Ausblicke auf Stadt und Meer. Erstaunlich dabei – so kann man es aus der Höhe erkennen –, dass das Grün der Berghänge bis dicht an das Häusermeer der Großstadt heranreicht.
Reizt Hongkonger oder Touristen ein Tagesausflug, dann ist Lantau das rechte Ziel. Bekannt durch den vor wenigen Jahren eröffneten Großflughafen, hat die Insel trotzdem ihre ursprüngliche Landschaft bewahrt. Täglich zieht hier das Kloster Po Lin Hunderte Besucher in seinen Bann. Der aromatische Geruch von Räucherstäbchen, vergoldete Buddhastatuen und vielfältige Opfergaben der Gläubigen versetzen uns in eine andere Welt.
Hoch über der Klosteranlage am gegenüberliegenden Berghang thront seit 1993 der lächelnde, gigantische Bronzebuddha – 26 Meter hoch und über 200 Tonnen schwer. Die geschäftstüchtigen Mönche hatten die großzügigen Spenden für den Bau in aller Welt gesammelt. Nun knobeln sie schon am nächsten Vorhaben.
Hinter dem Klosterkomplex bietet sich eine kleine Wanderung an – vorbei an einer ehemals britischen Teeplantage zum vor wenigen Monaten eröffneten „Pfad der Weisheit“. 38 hölzerne Stelen verkünden Regeln der buddhistischen Lehre. Wen es von hier aus weiter in die Ferne zieht, kann in mehreren Tagesetappen über 70 Kilometer den Lantau-Trail erwandern.
Das ursprüngliche Leben auf Lantau aber lässt sich im 800-jährigen Fischerdorf Tai O erforschen. Typisch für den Ort sind die Stelzenhäuser, die einen kleinen Kanal säumen. Die hölzernen Pfahlbauten, traditionell überwiegend von dicken Stricken zusammengehalten, sind Familienunterkünfte der Tanka, eines früheren Seefahrervolkes, das das Gebiet um Hongkong lange vor den Briten besiedelte.
In den Straßen des Ortes offene Läden dicht an dicht, bei denen sich Wohn- und Verkaufsbereich fürs Auge kaum trennen lassen. Vorn werden Trocken- und Frischfisch in allen Varianten, Waschmittel, Werkzeuge oder Souvenirs verkauft, während im Hintergrund Schulkinder ihre Hausaufgaben machen oder das Mittagessen in der Pfanne brutzelt.
Naturfreunden ist eine Fahrt in die Neuen Territorien zu empfehlen. Dort wartet unweit der Grenze zum chinesischen Festland das Naturreservat Mai Po. Auf 280 Hektar sind in dem Mangrovenfeuchtgebiet neben Schlangen, Mungos, Zibetkatzen und Ottern über 300 Vogelarten zu beobachten – so Ibisse, Eisvögel, Möwen, Pelikane und auch Schwarzgesichtige Löffelreiher, eine vom Aussterben bedrohte Art.
Ein weiteres Naturschutzprojekt – ebenfalls in den Neuen Territorien – wird im kommenden Jahr eröffnet, der Hong Wetland Park, der mit seinen Mangrovensümpfen und künstlich angelegten Lagunen unmittelbar an die Satellitenstadt Tin Shui Wai grenzt. 500.000 Besucher werden jährlich erwartet, die sich u. a. über Natur- und Umweltschutz lebensnah informieren können.
Übrigens, der Hong Kong Tourism Board hat vor Ort für seine Gäste ein umfangreiches kostenloses Programm im Angebot, das mit Land und Leuten einleitend bekannt macht. Da gibt es Schnupperkurse in Tai Chi, dem Schattenboxen, eine Dschunkenfahrt durch den Victoriahafen, geführte Architekturausflüge und die Teilnahme an einer traditionellen chinesischen Teezeremonie. Rechtzeitige Anmeldung genügt.
© SN / ULRICH UHLMANN
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