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In Tunesien gilt der Fremdenverkehr mit rund fünf Millionen Besuchern im Jahr als weitaus wichtigste Devisenquelle. Daher wird mit Wüste, Steppe und Palmenoasen der Bilderbuch-Orient beworben.
Es ist dieser Sonnenuntergang hinter den Sahara-Dünen bei Zafraane, auf den alle warten. Wie der blendende Feuerball fast zögernd zu versinken beginnt, gleichzeitig Wüste und Firmament mit leuchtenden Bonbonfarben von Orange bis Violett bemalt, nicht ohne zum Finale am Himmel noch einen blassrosa Schimmer zurückzulassen, das hat schon was.
Eine Karawane von Dromedaren und holpernden Einspännern brachte die Frem-den vom Busparkplatz hierher, die nun die Kuppen der Sandwechten erklimmen. Vielleicht Antoine de Saint Exupéry im Herzen, Michael Ondaatjes "Der englische Patient" oder die Szenen aus dem "Krieg der Sterne", die seinerzeit hier in der Gegend gedreht wurden. Oder auch Karl May, der 1892 in seinem sächsischen Dichterstübchen beschrieb, wie er damals in der Rolle des Kara Ben Nemsi unter Lebensgefahr über den nahen Schott el Djerid ritt.
Douz nebenan, das sich für die wüstenhungrigen Europäer zu einer veritablen Touristenstation mauserte. Und dann der Schott, ein endlos flaches, mit weithin angetrocknetem Salzschlamm gefülltes Becken, das sich nach der Regenzeit im Winter leicht in einen trügerischen Salzsumpf verwandelt.
Ehedem wussten nur die hier nomadisierenden Beduinen, wo sich von Kebili nordwärts nach Kris Furten über den Schott el Djerid erstreckten, auf denen man den Salzsee ungefährdet überqueren konnte. Alles vorbei jetzt, Abenteuer adieu: Nun haben sie einen wetterfesten Damm mit Asphaltstraße und auf halbem Weg sogar eine Art Raststation mit Zwei-Klassen-Toilettenhäuschen, unter-schieden nach "Confort" und "Normale".
Tunesien, mit 164.000 Quadratkilometern so groß wie Tschechien und Österreich zusammengenommen, hegt seine Touristen und stellt islamistische Eiferer vor Gericht; schließlich gilt der Fremdenverkehr mit rund fünf Millionen Besuchern im Jahr als weitaus wichtigste Devisenquelle. Umso mehr wird der Bilderbuch-Orient gepflegt: Die Wüste, die Steppe, die Palmenoase. Die Souks, die Gewürzhändler, die Teppichgeschäfte. Die Moscheen, Schafe, Tarbouka-Trommeln. Und die als Souvenirs ungemein populären Sandrosen, die vom Rand der Oasen stam-men; sie verdanken ihre bizarren Formen der Symbiose aus mit Gips und Baryt minerali-siertem Grundwasser und dem ewigen Sand.
Oder Tozeur an der Nordseite des Schotts. Araber bis vom Tigris her wanderten dort ein und importierten ihre ungewöhnliche Lehmziegel- Architektur mit vorkragenden, vielfältige Gittermuster bildenden Steinen. Mit einem Wald von 400.000 Dattelpalmen neben der Stadt, aber auch seit 1990 mit dem aufwändigen Kunst- und Kulturmuseum "Dar Cherait", das im Ausmaß eines feudalen Herrensitzes mit Atrium, Hufeisenbögen und Marmor auf mehreren Etagen erlesenes Kunsthandwerk und eine bemerkenswerte Gemäldegalerie präsentiert.
Grüner Norden und brauner Süden
Der Schott el Djerid und seine fast bis zum Mittelmeer reichenden Ausläufer teilen Tunesien in den mehr oder weniger fruchtbaren, häufig von Pinienwäldern und riesigen Olivenplantagen begrünten Norden und den kargen, braunen Süden. Hier verlaufen sich von Algerien her die letzten Höhenzüge des Atlasgebirges, die 40 Kilometer vom Schott entfernt noch über 900 Meter emporsteigen.
Dorthin brechen von Tozeur Konvois hochbordiger Toyota "Land Cruiser" zum Besuch eines unerwarteten Naturwunders auf: Über Jahrtausende hinweg bildeten reißende Bäche tiefe Schluchten, in denen sich bis heute Palmen drängeln. Bei Chebikha führt ein befestigter Wanderweg weit in einen solchen Abgrund hinein, bei Tamerza lockt ein Teich unter einem rauschenden Wasserfall Bade-gäste, bei Midès bricht sich ein glatt gespülter, 60 Meter tiefer Canyon seinen Weg durch die Felsen. Und von Metlaoui aus schlängelt sich durch die Gorges du Selja sogar ein Oldtimerzug, der "Lezard Rouge", sprich "Rote Eidechse". Einst fuhren die Beys von Tunis damit durchs Land, die Regenten von Frankreichs Gnaden in der Protektoratszeit vor 1956.
Die eindrucksvollsten Überreste hinterließen auch hier die Römer, die sich bekanntlich in ihrer Blütezeit überall in pompösen Bauwer-ken verewigten. Auf tunesischem Boden beispielsweise in Dougga, Sbeitla oder in El Djem, 190 Kilometer südlich der Hauptstadt. Dort ragt die spektakulärste ihrer Hinterlassenschaften 36 Meter hoch aus der Ortschaft empor, das viertgrößte Amphitheater des römischen Imperiums. Das grandiose Oval, ungefähr ab 230 n. Chr. errichtet, bot einst über 30.000 Besuchern Platz.
Auch jene Stätte ist Ausländern zugänglich, von der hier die Verbreitung des Islam ihren Ausgang nahm. Die Wiege der Nation ist mit Bastmatten belegt und lässt ihr Dach von hunderten Säulen tragen, die alle von Sbeitla und El Djem herbeigeschleppt wurden. Die Rede ist von der Sidi-Okba-Moschee in Kairouan, der größten, prächtigsten und ältesten in Tunesien.
Die modernen Reisenden aus Europa kommen allerdings nicht vordringlich, um sich mit arabischer Kultur und Gedankenwelt vertraut zu machen. Sie kommen, weil die Hotels an Tunesiens feinsandigen Stränden unter fast immer blauem Himmel beispielsweise im Süden auf der prominenten Ferieninsel Djerba für die begehrte Urlaubszeit Fun und Action bis zum Abwinken bieten.
Auf Djerba erkennt man, dass die Tunesier nicht nur zu ihren christlichen Gästen und Einwohnern ein entspanntes Verhältnis pflegen, sondern auch zu ihren jüdischen Mitbürgern. Ausgerechnet auf dieser Insel steht die berühmteste Synagoge der Republik, die "Al Ghriba", im April 2002 Schauplatz eines Terroranschlags, dem 19 Menschen zum Opfer fielen. Mittlerweile wurde die Zufahrt jedoch mit Betonbarrieren verbaut, und die vielen Besucher müssen nun wie an Flughäfen Sicherheitsschleusen passieren.
Ghorfas als Schutz gegen die Hitze
Auch hier erstreckt sich am Festland wieder ein flaches Gebirge, an dessen Hängen Berber leben. Niemand würde die eintönige Gegend bereisen, hätten sie dort nicht merkwürdige, nie gesehene Lehmbauten. In der Provinzstadt Medenine verdanken sie ihr Überleben sogar ausschließlich dem Tourismus. Es sind so genannte Ghorfas, mehrstöckige, als kühle Wohnhöhlen oder auch Warenlager gedachte Tonnengewölbe, worin das Handelsgut gelagert wurde, das einst die Karawanen brachten.
Ebenso gut widerstanden der glühenden Sommerhitze die höher in den Bergen gelegenen Höhlenhäuser von Matmata. Die Berberfamilien gruben sich hier buchstäblich in den Boden ein, schachteten Innenhöfe aus und trieben von dort Wohnkammern ins Erdreich.
Im Ort offeriert ein würdiger Berber gebleichte Schaffelle, wenn nicht zum Eigen-gebrauch, dann "für Kollege vor Kamin". Und ein junger Mann preist seine Kunstfertigkeit in der Herstellung von Tätowierungen mit einem überall im Orient gebräuchlichen Färbemittel an. Bei ihm kann man sich "Henna Tattoos" machen lassen - Haltbarkeit während der restlichen Ferienzeit garantiert.
INFO TUNESIEN Veranstalter Mehrere Veranstalter haben Tunesien im Programm, z. B. Gulet Touristik, www.gulet.at; TUI Reisecenter, www.tui.at; ITS Billa Reisen, www.itsbilla.at; Jahn Reisen, www.jahnreisen.at; Magic Life, www.magiclife.com; Neckermann/Thomas Cook AG, www.neckermannreisen.at.
Klima Von Juni bis September ist Sommer mit Wassertemperaturen bei 25 Grad. Im Oktober wird es Herbst, Winterbeginn ist Ende Dezember. Wintermonate und Vorfrühling eignen sich für Kameltrekking oder Wüstentouren.
Landeswährung Tunesischer Dinar. Ein tunesischer Dinar hat 1000 Millimes. Es gibt Banknoten zu 5, 10, 20 und 30 Dinar und Münzen zu 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100 und 500 Millimes.
Weitere Infos Tunesisches Fremdenverkehrsamt, Opernring 1/R/109, 1010 Wien, Tel. ++43/1/585 34 80office@tunesieninfo.at
Autor/in: HEINZ HARTMANN
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