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Reiseberichte

Schönste Stadt der Karibik
15. Oktober 2005
Die Sanierung von Habana Vieja, der Altstadt der kubanischen Metropole, geht voran, doch noch ist das Kleinod nicht gerettet. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, der nur mit dem Geld der Touristen gewonnen werden kann.

Havanna gilt als schönste Stadt der Karibik. Daran ändern auch die nüchternen Wohnsilos nichts, die den historischen Kern mit seinen prachtvollen Kolonialbauten umgeben. Kubas Hauptstadt wird demnächst noch schöner werden. Denn mittlerweile macht die lange vernachlässigte Sanierung der Altstadt sichtbare Fortschritte.

Schon Alexander von Humboldt hat Havanna in den höchsten Tönen gelobt, die Schriftsteller Graham Greene und Ernest Hemingway verliebten sich einst in die kubanische Metropole. Die prachtvollen Monumente des Kolonialismus, der Reichtum und Luxus vergangener Tage existieren zwar immer noch, doch an vielen Bauwerken nagt der Verfall. Mittlerweile sind auch die modernen, nüchternen Betonbauten der Ära Castro ein nicht zu übersehender Bestandteil des Stadtbildes.

Die Revolution hat Havanna gezeichnet. Doch auch Ölembargo und Versorgungsengpässe konnten der schönsten Stadt der Karibik kaum etwas anhaben. Barocke und klassizistische Fassaden, koloniale Paläste und Kirchen, unzählige Säulen und Arkaden vermischen sich in Havanna mit sozialistischer Einfallslosigkeit zu einem Gesamtkunstwerk, das jeden in seinen Bann zieht.

Auch wenn in den warmen Nächten nicht an jeder Ecke nach mitreißenden Rhythmen getanzt wird oder der Duft schwerer Zigarren in der Luft liegt, verströmt die Drei- Millionen-Stadt doch eine unwiderstehliche Faszination. Es ist der morbide Charme einer gealterten Diva, die sich auch durch Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt.

Das moderne Zentrum im Stadtteil Vedado zeigt sich vom Wasser aus mit einer Skyline aus schmutzig-weißen Wolkenkratzern. Hier regierten früher die Mafiabosse. Sie bauten imposante Hotels und verdienten ein Vermögen mit noblen Spielkasinos. Das legendäre Habana Libre und das Nacional haben alles miterlebt, ihre wechselvolle Geschichte steht stellvertretend für das ganze Land. Einst die feinsten Adressen Havannas, wurden sie während der Revolution zum Treffpunkt der Rebellen, enteignet gammelten sie lange Jahre vor sich hin, bis sie zu neuem Leben erweckt wurden.

Keine geschönte Postkartenromantik

Auf der 23. Straße, der Rampa, ist der Besucher mitten drin im modernen Havanna. Hier herrscht keine für Touristen geschönte Postkartenromantik. Die breite Straße führt schnurgerade den Hügel hinab bis zum Meer und mündet in den legendären Malecón. In einem sanften Bogen verbindet diese rund sechs Kilometer lange Promenade das ehemalige Millionärsviertel Miramar mit Vedado und der Altstadt.

Auf der einen Seite säumen die schäumenden Wellen des Atlantik den Malecón, auf der anderen eine Reihe klassizistischer Bauten mit unzähligen Säulen und Arkaden. Sie alle erzählen ihre Geschichte: vom unablässigen Angriff der salzhaltigen Luft und von jahrzehntelanger Vernachlässigung. Erst wenn die Sonne untergeht, erwacht der Malecón richtig zum Leben, dann kommen die Liebespaare, Händler, Musiker und Angler.

Noch vor wenigen Jahren galt Habana Vieja als hoffnungsloser Fall. Die einmalige Ansammlung kolonialer Prachtbauten, Kirchen und Paläste schien unwiderruflich dem Verfall preisgegeben. Die Bausubstanz war völlig verrottet und immer mehr Häuser stürzten ein. Erst die Einsicht Fidel Castros, das UNESCO-Weltkulturerbe zu retten und den Stadthistoriker Eusebio Leal zum obersten Denkmalschützer zu ernennen, haben die Hoffnung zurückgebracht.

Über 200 Gebäude sind mittlerweile saniert, doch Hunderte warten noch auf ihre Rettung. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, den Leal nur mit dem Geld der Touristen gewinnen kann.

Heute können diese schon wieder durch die Straßen Habana Viejas schlendern und einiges von dem Luxus vergangener Zeiten erkennen. Einer der schönsten kolonialen Plätze Havannas ist die Plaza de Armas mit dem Palast der Generalkapitäne, der Festung la Fuerza und dem Palast des Herzogs von Santovenia. Auch der Kathedralenplatz macht schon wieder einen guten Eindruck. Vor der Kathedrale mit den beiden ungleichen Türmen tummeln sich die Straßenhändler, und so manche Wahrsagerin versucht, ihr Wissen Gewinn bringend zu vermarkten.

Vor dem Capitol, einer Kopie des Washingtoner Vorbildes, steht noch so manch alter amerikanischer Straßenkreuzer und wartet auf Bewunderer. Gleich nebenan erstrahlt die prachtvolle Fassade des Hotel Inglaterra in neuem Glanz. Und am Parque Central führt mit dem Paseo de Marti, eine weitere Flaniermeile vorbei.

Die Calle Obispo mit ihren kleinen Läden, Cafés und Restaurants ist eines der schönsten Beispiele der gelungenen Altstadtsanierung. Im Hotel Ambos Mundos kann man Hemingways Zimmer besichtigen oder sich mit Dutzenden von Touristen in der kleinen Bar Bodeguita del Medio drängeln, wo der Dichter immer seinen Mojito trank. Nicht ganz so voll ist es in der Regel im Floridita, einem weiteren Stammlokal des trinkfreudigen Hemingway. Hier griff er allerdings zu Daiquiri, der hier erfunden wurde.

INFO KUBA
Anreise
Varadero und Holguin werden wöchentlich von Lauda Air ab Wien angeflogen. Bei Gulet Touristik sind attraktive Rundreisen buchbar. Linienflüge nach Havanna gibt es ab Frankfurt mit Iberia, Air France und British Airways.

Einreise
Man benötigt einen mindestens sechs Monate gültigen Reisepass, kein Touristenvisum, jedoch eine Touristenkarte, die über den Veranstalter oder bei der kubanischen Botschaft erhältlich ist.

Geld
Offizielle Währung auf Kuba ist der Peso, die kubanische Leitwährung jedoch der US-Dollar.

Klima
Die angenehmste Reisezeit ist von Oktober bis März.

Weitere Info:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt, An der Hauptwache 7, 60313 Frankfurt, Tel. 069/288322, Fax 069/296664, E-Mail: info@cubainfo.de, Internet: www.cubainfo.de

Autor/in: CHRISTIAN NOWAK

© SN

 

diese seite | 17.10.2005 | 14:07

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