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Reiseberichte

Schatz des Maharadschas
24. September 2005
Obwohl kaum mehr als eine Fassade, hinter der sich Treppenaufgänge verbergen, gilt der Palast der Winde als eines der meistfotografierten Gebäude Indiens.

Der 1799 von Maharadscha Pratap Singh II errichtete Bau ist ein weiteres Symbol für den verschwenderischen Lebensstil der Rajputenfürsten in Jaipur.

Der Stadtpalast von Jaipur war „ein verwirrender Komplex von untereinander verbundenen Innenhöfen mit Pavillons, abgetrennten Frauenquartieren, Zimmerfluchten für Männer, mit Audienzhallen, Waffenkammern, großen und kleinen Wohnzimmern, Esszimmern, Banketträumen . . . Es war die offizielle Residenz des Maharadschas von Jaipur“, erinnert sich die heute über 80-jährige Maharani von Jaipur, Gayatri Devi, in ihrer Autobiografie und spricht von fast einem halben Tausend Frauen und Männern, die jeweils den Fürstenfamilien in ihrem Luxusleben zu Diensten waren: Gärtner und Pferdepfleger, Elefantenführer und Straßenkehrer für Höfe und Parks, Palastwachen, Köche, Spülhilfen und Kammerdiener.

Noch heute lässt sich die Pracht vergangener Jahrhunderte in den weiträumigen Anlagen mit ihren traumhaften Bauten, Galerien, Marmorgittern und Wandmalereien nachvollziehen. Eindrucksvoll zeugen Schmuck und juwelenverzierte Kleider oder mit Silber besetzte Waffen in den Museen des Palastbezirks vom Reichtum der Rajputenherrscher. Viel fotografiert die Palastwachen mit zwei riesigen, je 345 Kilogramm schweren Silbervasen, den größten der Welt, am Eingang der Audienzhalle – einzig gefertigt zu dem Zweck, dem damaligen Maharadscha Sawai Madho Singh mit heiligem Gangeswasser auf der Schiffsreise zu den Krönungsfeierlichkeiten des englischen Königs zu versorgen. Im Hintergrund ragt das verspielt anmutende, siebenstöckige Chandra Mahal empor, die heutige Residenz der Fürstenfamilie.

Lässt der europäische Reisende den Stadtpalast hinter sich und betritt die mit wehrhaften Mauern und sieben Toren umgebene Altstadt, dann glaubt er sich auch heute noch in die Märchen aus 1001 Nacht versetzt. Gayatri Devi beschreibt sie in ihren Lebenserinnerungen so: „Die Stadt war die schönste, die ich je gesehen habe – ein Gemisch von Kuppeln und Türmen, von Fenstergittern und Veranden, und alle Gebäude hatten eine tiefe, oleanderähnliche Rosafarbe.“ Deshalb auch wird Jaipur „Pink City“ genannt.

Die breiten Straßen und engen Gassen der Zwei-Millionen-Stadt – 1920 zählte die heutige Hauptstadt Rajasthans nur 130.000 Einwohner – wimmeln von Menschen, ihre Kleidung in allen Farben leuchtend.

Fahrrad- und Autorikschas, unzählige Fahrräder, mitunter Kamelkarren und sogar Elefanten, mit Säcken beladen, bestimmen das Bild. Heilige Kühe tragen auf ihre Art zum Verkehrschaos bei; am Straßenrand Bettler, um Opfer bittende Pilger, Schlangenbeschwörer mit ihrer tanzenden Kobra und Musikanten, die auf Almosen warten. Über den Basarstraßen der Altstadt, oft noch nach Zünften geordnet, hängt der Geruch fremdländischer Gewürze.Ein Muss für alle Besucher Jaipurs mittendrin im Altstadttrubel ist der 1799 erbaute, rosafarbene „Palast der Winde“ – ein Luftschloss im wortwörtlichen Sinne. Reich mit Ornamenten und Gittern versehen, besteht er fast nur aus Fassade mit Treppenaufgängen. Hinter wenigen der 900 Fenster und Erker, die für einen ständigen Luftzug sorgen, befinden sich in den unteren Stockwerken Räume, in denen einst die Prinzessinnen und Hofdamen unerkannt bei Prozessionen und Festlichkeiten das Treiben des Volkes auf der Straße verfolgen konnten.

Auf Elefantenrücken zum Fort AmberEine weitere Sehenswürdigkeit, eng verbunden mit der Geschichte der Rajputen, liegt nur wenige Kilometer von Jaipur entfernt – die Festung Amber. Urplötzlich taucht sie hinter einer Straßenbiegung auf. Hoch über einem See gelegen, in dem Elefanten ihrem täglichen Bad nachgehen, zieht sie sich wehrhaft an einem Berghang hin. 1592 erbaut, war sie bis 1727 Hauptstadt des Landes, erst danach folgte Jaipur.

Auf Elefantenrücken geht es langsam nach oben, umringt von geschäftstüchtigen Händlern mit allerlei Schnitzwerk aus Sandelholz und Marmor. Wie in alten Zeiten schützen drei mächtige Tore den Eingang zum Fort. Dann öffnet sich der Innenhof, in dem früher Gäste des Regenten ihre Pferde und Elefanten zurückließen. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt der Shees Mahal, ein mit unzähligen kleinen Spiegeln ausgeschmückter Saal.
Von der Dachterrasse im Fort Amber geht der Blick zum höher gelegenen Jaigarh-Fort, in dem einst die Schatzkammer der Rajputen untergebracht war. Hören wir dazu noch einmal aus authentischem Munde die Maharani von Jaipur: Die Festung „hatte einen hohen Wachturm . . . Hier wurde der sagenhafte Schatz von Jaipur aufbewahrt, von einem der kriegerischen Volksstämme des Staates genauestens bewacht. Niemand, außer dem Maharadscha, war es erlaubt, den Turm zu betreten oder den Schatz zu sehen . . . Aber der Tradition folgend erklärte mir der Maharadscha nie, woraus der Schatz bestand.“

INFO INDIEN
Veranstalter

Kneissl Touristik bietet Rajasthan u.a. als 16-tägige Studien-Erlebnisreise zum Pushkar-Fest, 12-tägig über die Weihnachtsfeiertage oder als intensive 3-wöchige Erlebnisreise an. Infos: Kneissl Touristik Salzburg, Linzer G. 40, Tel.: 877070, www.kneissltouristik.at.

Währung
1 Euro = ca. 56 Rupien; keine Ein- und Ausfuhr der Landeswährung.

Klima
Beste Reisezeit zwischen November und März, es ist heiß am Tag und kann in der Nacht kühl werden (besonders im Februar).

Reiseliteratur
 Reise-Know-how „Indien – der Norden“, 25,70 Euro;  Nelles Guide „Indien – Der  Norden“, 12,90 Euro;  Polyglott on tour „Indien“, 8,20 Euro; Marco Polo „Indien“, 9,20 Euro.

 

diese seite | 23.09.2005 | 11:47

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