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Reiseberichte

Verführerisches Djerba
30. April 2005
Djerba ist zum Wohlfühlen da. Diese Erfahrung machte schon Odysseus. Seine von den Inselbewohnern mit Lotosfrüchten verwöhnten Mannen mussten mit Gewalt auf die Schiffe zurückgeholt und angebunden werden.

Freitag ist Markttag in Midoun, der Stadt des Olivenbaums. An der Avenue Ali Belliouan preisen Händler, angesichts unschwer als Touristen erkennbarer Kundschaft um deutsche Sprache bemüht, ihre Waren aller Art an: „Mach ma Preis!“ Es riecht nach gebrannten Mandeln, nach Curry, Safran und Fenchel. Frauen, in die Tracht der Insel gehüllt und mit breitkrempigen Strohhüten gegen die Sonne geschützt, begutachten mit Kennerblick frische Kartoffel, Orangen, Tomaten, Erbsen und Karotten. Der Touristenstrom strebt indes dem Place Zitouna zu, dem Keramikmarkt, wo um einen 350 Jahre alten, knorrigen Olivenbaum bunte Schüsseln, Schalen, Platten und Aschenbecher ausgebreitet sind.

Wer sich an diesem Tag ohnehin dazu durchgerungen hat, auf das abwechslungsreiche Strandvergnügen und den Abschlag mit dem Driver  zu verzichten, fährt mit Taxi oder Pferdekutsche zum Parc Djerba Explore in der Nähe des Leuchtturms  von Midoun. 

Im Lalla Hadria Museum begibt sich der Besucher auf eine Reise durch mehr als 1000 Jahre Kunst und Geschichte, von Persien bis Andalusien, von Tunis bis Timbuktu. In einem traditionellen Berberdorf erwacht die Vergangenheit Djerbas in Handwerk und Brauchtum zu neuem Leben. Bereitwillig setzt sich der Weber an seinen Stuhl, während draußen ein Kamel Wasser aus dem Brunnen zieht. Auf der mit 20.000 qm größten Krokodilfarm im Mittelmeergebiet zwischen Bananenstauden und Palmen tummeln sich in Becken und tropischen Gewächshäusern an die 400  Krokodile.

Ein Tag genügt, um die ganze Insel zu erkunden. In der Hauptstadt Houmt Souk bestechen die Zaouia des Sidi Brahim el Djama mit dem viereckigen Minarett der Djama el Ghorba, der „Fremdenmoschee“ (17. Jh.), und  die sieben Kuppeln mit dem runden Minarett der Türkenmoschee. Ein Volkskundemuseum ist in der Zaouia Koubt el Khial („Kuppel der Phantome“) untergebracht. Das Fort Espagnol wurde im 13. Jh. gebaut, der heutige Bauzustand stammt aber im wesentlichen aus der Zeit Dragouts. 

Dieser gefürchtete Pirat hatte die zuletzt auf Djerba ansässigen Spanier überfallen und 5000 von ihnen getötet. Aus den Schädeln der Opfer ließ er einen Turm neben der Burg in Houmt Souk bauen: „Bordj el Ras“, der Schädelturm. 1848 befahl der Bey von Tunis, den Turm abzutragen. Ein Denkmal erinnert an die makabre Pyramide.

Die weitläufig gelegenen Häuser der Insel, die Menzel, haben einen besonderen Baustil. Mit ihren Mauern ohne Fenster sehen sie wie kleine Festungen aus. Auf jeder Hausecke sitzt ein viereckiger Turm. Das ganze Haus ist strahlend weiß gekalkt, das Dach besteht aus mehreren Tonnengewölben oder Kuppeln, die den Räumen angenehme Kühle bescheren.  Die Innenhöfe sind bepflanzt mit Blumen und einem Olivenbaum. Manchmal ragt auch eine Palme über die Dächer hinaus. Zum Schutz des Hauses sind stachelige Feigenkakteen als dichte, undurchdringliche Hecke rundum gesetzt.

Die jüdische Gemeinde Djerbas, die heute nur mehr gut 1000 Seelen zählt, lebt in den Siedlungen Hara-Sghira und Hara-Kbira. Über die Entstehung der Synagoge El Ghriba („Die Wunderbare“) sind viele Legenden im Umlauf: War der Meteorit, der an dieser Stelle einschlug, ein Fingerzeig Gottes, ein Stein aus dem Tempel in Jerusalem?
Djerba ist Ausgangspunkt für Touren in die Sahara, zu faszinierenden Orten wie Chenini, Ksar Hadedada, Medenine, Tataouine und Matmata. Aber es fällt einem halt schwer, die verführerische Insel  zu verlassen.

INFO DJERBA
Veranstalter

Gulet Touropa Touristik, Landstraßer Hauptstraße 153-155, 1030 Wien.

Unterkunft
Magic Life Djerba Mare Imperial: All-Inclusive-Anlage, direkt am flachen Sandstrand, 25 km vom Flughafen, 4 km von Midoun, 2,5 km vom Golfplatz entfernt; Spezialitäten-Restaurants, Wassersportstation, Tennisplätze, Activity Pool, Relax Pool, Kinderbecken, Indoor Pool.

Flüge
Ab Wien, Salzburg, Graz jeden Dienstag, ab Innsbruck jeden Samstag.

Autor/in: INGO WINKLER

© SN

 

diese seite | 02.05.2005 | 11:06

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