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Reiseberichte

Die „Rose des Nordens“
5. März 2005
In Chiang Mai, der faszinierenden Hauptstadt Nordthailands, sind wir zu Besuch bei Silberschmieden und Schirmmachern. Auf dem Nachtmarkt floriert das Geschäft. Die Tempelanlagen locken mit Geschichte.

Im Silberschmiedezentrum  von  Chiang  sind junge Thailänderinnen, klein und zierlich, am Werk.  Unter ihren zarten und unendlich geschickten Fingern entstehen die kostbarsten Silberarbeiten, von ziselierten Ringen und Schalen bis zum hauchzarten Silberschmuck.

Handwerksbetriebe, in denen vom ersten bis zum letzten Schritt alles in einem Betrieb abläuft, gibt es in Chiang Mai auch in anderen Branchen. Am interessantesten für uns ist der Besuch bei den Schirmmacherinnen in Bo Sang, einem kleinen Dorf am Stadtrand gelegen, das sich im Laufe der Zeit einen Ruf als Schirmmacherzentrum erworben hat. Hier wird aus dem Holz des Sa-Baumes Papier hergestellt, handgeschöpft, gepresst, getrocknet. Aus Bambusstäben fertigen die Arbeiterinnen Stäbe und Speichen an, die das Gestell der großen und kleinen Schirme ergeben. An anderer Stelle wird das in mehreren Schichten aufgebrachte Papier zurecht geschnitten und dann bunt bemalt.

Typisch für das besonders freundliche Entgegenkommen der Arbeiterinnen in einem dieser Betriebe ist es, auf unsere Kameras freihändig Motive aufzumalen, die sonst auf Schirme oder Fächer aufgebracht werden. In wenigen Minuten fertig haben wir dann noch eigenhändig signierte Kunstwerke auf unseren Apparaten, für umgerechnet etwa 25 Euro-Cent!

Vieles, was in diesen Werkstätten entsteht, wird auf den Touristenmärkten, wie dem  Nachtmarkt in Chiang Mai, verkauft, manches allerdings ist auch für den Export bestimmt, vor allem nach Nordamerika, Australien und Europa. 
Diesen Nachtmarkt in der Chang Klan Road zu besuchen ist ein Muss für die Touristen, die in die „Rose des Nordens“ kommen, wie Thailands zweitgrößte Stadt, im Grenzdreieck von Thailand, Burma und Laos gelegen, gerne genannt wird. Alltäglich werden gegen Abend in dem mehrstöckigen Gebäude  im Zentrum der Stadt die Verkaufstische aufgebaut, auf denen meist speziell für Touristen angefertigte Ware feilgeboten wird, vom beinahe echten Lacoste-Hemd bis zu Lackdosen.

Wenn wir einen echten Markt erleben wollten, auf dem die Hausfrauen von Chiang Mai einkaufen, müssten wir Gummistiefel anziehen, meint Moogda, unsere  charmante Stadtführerin.    Natürlich ist das eine nette Übertreibung, tatsächlich aber verirren sich so gut wie nie Fremde auf diesen unmittelbar am Ufer des Mae Hong Son Flusses gelegenen Markt. Noch bis vor wenigen Jahren wurden die Waren mit Flussbooten hier angelandet, und wenn der Mae Hong Son Hochwasser führte, konnte es vorkommen, dass die Marktstände schwammen.

Die Augen gehen uns über angesichts des Warenangebotes, das in den oft dunklen Ecken des weitläufigen Marktes aufgebaut ist. Von importierter Ware, die aus aller Herren Länder kommt, bis zum würzigen Zitronengras, ohne das eine thailändische Hühnersuppe nicht denkbar ist, und zur berühmt-berüchtigten „Königin der Früchte“, der stachlig-stinkenden, aber so wohlschmeckenden Durian, kann man hier alles kaufen.

 Chiang Mai, mitunter als schönste Stadt Thailands apostrophiert, ist nicht nur bedeutsames Zentrum von Handwerk, Handel und Industrie, sondern auch berühmt für seinen Reichtum an alten Tempeln. Dabei bringt es die Nähe zu Burma mit sich, dass manche Tempel in Chiang Mai so ganz anders aussehen als im übrigen Thailand. So macht Moogda uns manchmal auf grimmig blickende Löwengestalten aufmerksam, die die Tempel bewachen. Bei anderen Anlagen fallen sofort die burmesischen Pagoden auf. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt als Hauptstadt des Königreiches der Lan-na gegründet, und manche Tempelanlagen haben sich noch aus dieser Zeit erhalten.

 Für den Abend verspricht Moogda uns etwas Besonderes, sie führt uns ins „Old Chiang Mai Cultural Center“. Ein wenig ungewohnt und offen gesagt auch unbequem ist es für uns schon, dass wir uns zum Essen auf dem Boden niederlassen müssen. Aber das gehört zum „Khantoke-Dinner“, das uns serviert wird. Dabei bekommen wir Kostproben der typischen Küche der nordthailändischen Bergvölker vorgesetzt.

 Mitten hinein in die Kultur der   Völker, die heute noch nach ihren  alt hergebrachten Regeln in den Bergen an der Grenze zu Burma und Laos leben, führen die Tänze, die von jungen Frauen und Männern aus verschiedenen Stämmen in den jeweiligen Festtrachten aufgeführt  werden.

CHRISTOPH WENDT

diese seite | 07.03.2005 | 11:03

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